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9 (1873) Spanien - Vives
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Unterrichtsgegcnstände.

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Leibliche als Zeichen für dieses betrachtet werden kann (Sprechen, Schreiben, Lesen;Declamiren und Gcsticulircn, Singen und überhaupt Musik, Zeichnen, Malen re. re.).

Daß cs sich bis hierher um keine Deduction der Untcrrichtsgcgcnständc ans demUnterrichtszwecke handelt, ist kaum zu erwähnen. Bcnekc nennt, was er gegeben, selbstnur eineUebcrsicht." An dieselbe reiht er die Frage, was von dem vielen für denUnterricht der Jugend besonders auSznwählen sei. Zur Entscheidung dieser Frage unter-sucht er auf ausführliche, für ein Referat zu ausführliche Weise, den didaktischen Werthder verschiedenen Untcrrichtsgegcnständc, d. h. die Mittel, welche sie darbieten, um dadurchdie Zwecke des Unterrichts und der Erziehung in erwünschter Vollkommenheit zu er-reichen. DaS Resultat, zu dem er gelangt, spricht sich kurz dahin aus, daß die Auf-nahme der fünf Hauptgrnppen (Sprachen, die innere Geschichte nebst Moral undReligion, die Mathematik, die Naturwissenschaften, die äußern Fertigkeiten) in der einenoder der anderen Ausdehnung unter unfern Culturvcrhältnissen von jedem, vom ärmlichstenwie vom umfassendsten und höchsten Unterrichte unausweichlich zu fordern sei.

Die von Graser und Bencke gegebene Ableitung (resp. Uebcrsicht) der Untcrrichts-gegcnstände wird in freilich allzu abgekürzter Weise von Gräfe (Allgcm. Päd. II.S. 134 ff.) mitgctheilt. Er fügt nicht nur die von Deinhardt (d. Gymnasialuntcr-richt, S. 104 ff.) und Sause (Versuch einer Einrichtung der Schulen, 1. Th. S. 23 ff.)gegebenen Deductioncn, sondern auch einen eigenen Versuch hinzu. Wir begnügen uns,darauf sowie auf Palmer's Deduction (Evangcl. Pädagogik, 4. Ausl., S. 359 ff.),welche so kurz gefaßt ist, daß ein Auszug aus ihr unmöglich sein würde, einfach hinzuwcisen,um noch Raum für eine Ableitung der Unterrichtsgegenständc aus dem von Herbartaufgestellten Zwecke des Unterrichts zu gewinne».*)

Der Unterricht ist ein Mittel der Erziehung und hat daher, wie diese, seinen letztenZweck in der Sittlichkeit. Die besondere Aufgabe, welche er, ohne diesen Endzweck ausdem Auge zu verlieren, zu lösen hat, besteht in einer solchen Gestaltung des jugendlichenGedankenkreises, daß sich in demselben vielseitiges Interesse erzeugt. Diese Viel-seitigkeit des Interesse ist eine subjectivc und objective. Jene bezieht sich auf dieverschiedenen Richtungen, welche das Interesse demselben Gcdankcnstoffc gegenüber nehmenkann, und wir unterscheiden in diesem Sinne die Interessen der Erkenntnis und derTheilnahme, indem wir das empirische, speculativc und ästhetische Interesse (Wißbcgicrde,Denken, Geschmack) auf die Seite der Erkenntnis, das sympathetische und sociale Interesse(Mitgefühl und Gemeinsinn) auf die der Thciluahme stellen, daS religiöse Interesse aberals das Schlußglied beider Seiten betrachten. Vielseitigkeit des Interesse im objektivenSinne wird der Unterricht erzeugen, wenn er dafür sorgt, daß die beiden Quellen, answelchen der Gedankenkreis schöpft, die sich den Menschen und der Natur gegenübcrstellendeErfahrung und der den Menschen zur Menschheit und zur Natur gesellende Umgang,möglichst reichlich fließen oder reichlichen Ersatz bekommen, wenn er, kurz gesagt, Erfah-rung und Umgang erweitert. Aus der Erfahrung erwachsen die Interessen der Erkenntnis,aus dem Umgänge die der Thciluahme, aus jener Kenntnisse, anö dieser Gesinnungen,und der Umgang nebst der in ihm wurzelnden Thciluahme ist darum für die Erreichungdes Erziehungszweckeö von unmittelbarster Bedeutung.

Handelt cs sich um eine Bestimmung der Untcrrichtsgegenstände, des Untcrrichts-stoffes, so werden wir selbstredend die Vielseitigkeit des Interesse im objektiven Sinneals UnterrichtSzweck zum Ausgangspunkte unserer Ucberlcgung machen müßcn, oder, mitandern Worten, vom Unterrichte in erster Linie in sofern zu sprechen haben, als er Er-fahrung und Umgang zu ergänzen hat. Den Stoff, vermittelst dessen der Unterrichtdiese Aufgabe löst, bieten ihm die Wissenschaften dar, die historischen, die daS Gebietdes Menschlichen, und die Naturwissensch asten, die das der äußeren Natur umfassen.

*) Vcrgl. außer Herbart's eignen Schriften Ziller's Grundlegung zur Lehre vom er-ziehenden Unterrichte und Willmaun'ö Pädagogische Vorträge (Leipzig 1669) S. 160 sf.