Unterrichtsgcgenstände.
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Dieser Satz, den wir Zillcr's „Grundlegung zur Lehre vom erziehenden Unterrichte"(S. 1 f.) entnommen haben, läßt uns die „Untcrrichtsgcgcnstände" leicht als jenesDritte erkennen, welches der Lehrer in die Mitte zwischen sich und den Schüler stellt.Die Wahl dieses Dritten wird einerseits durch den Zweck der beabsichtigten Wechsel-wirkung, d. h. also durch den Zweck des Unterrichts, andererseits durch die Natur uuddas gegenseitige Verhältnis derer bestimmt, die mit einander in Wechselwirkung tretensollen, d. h. also durch die Natur des Lehrers und des Schülers.
Die Pädagogik hat cs nur mit dem erziehenden Unterrichte zu thnn, und wirwerden daher hier von unserer Besprechung alle diejenigen .Unterrichtsfächer auszuschlicßenhaben, die sich aus den Zwecken eines nicht erziehenden Unterrichts ergeben oder, wennwir nur den Schulunterricht ins Auge fassen, alle diejenigen, welche den sogenanntenFachschulen angehören. Nur die Untcrrichtsgcgcnstände der Erzichungsschulenoder, wie man sic gewöhnlich nennt, der allgemein bildenden Schulen zu finden,ist unsere Aufgabe.
Was ferner den zweiten Factor, der bei der Bestimmung der Lehrfächer in Betrachtkommt, die Natur des Lehrers und der Schüler, anlangt, so wird die Theorie ganz ab-sehen müßen von dem bestimmenden Einflüsse, den in der Praxis die Natur des Leh-rers ausübt. Dieser Einfluß kann nemlich nur als ein beschränkender gedacht werden,insofern nicht jeder Lehrer nach seiner Individualität befähigt ist, in jedem Unterrichts-gegenstande zu unterrichten; die Theorie aber setzt einen Lehrer voraus, der vollkommengeeignet ist, das zu thun, was der Untcrrichtszweck und die Natur des Schülers bedingen.Wenn sich mehrere in das Geschäft des Unterrichts theilen, so müßen sich dieselben soergänzen, daß jener beschränkende Einfluß wegfällt. In der Natur des Schülers istdasjenige, was allgemein menschlich in ihr ist, zu unterscheiden von dem, was der Indi-vidualität eigen ist. Die Berücksichtigung des Individuellen ist Sache der specicllenPädagogik. Die Grundsätze, nach denen die allgemeine Pädagogik die Unterrichts-gegenstände auswählt, sind, soweit sie sich nicht aus dem Zwecke des erziehenden Unter-richts ergeben, allein von der psychologischen Anschauung, welche dem bestimmten pädago-gischen Systeme zu Grunde liegt, abhängig.
Der Zweck des Unterrichts ist von verschiedenen Pädagogen sehr verschieden bestimmtworden, und die Psychologie, auf welche im Laufe der Zeiten die Pädagogik gegründetworden ist, hat unter dem Wechsel der philosophischen Systeme gar mannigfache, auf denverschiedensten Principien beruhende Gestaltungen angenommen, und trotzdem hat schonseit geraumer Zeit die Liste der Unterrichtsgegenstände nach den darauf verkommendenNamen kaum erhebliche Abänderungen erfahren. Religion, Sprachen, Geschichte, Geo-graphie, Naturkunde, Mathematik und Rechnen, Schreiben, Zeichnen, Singen und Turnen,das sind die Fächer, die, wenn "auch thcilweis mit Zusammenfassung mehrerer untereinen Namen oder mit Anlehnung einzelner an andere, seitdem von einer theoretischenBehandlung der Unterrichtslchre die Rede ist, in jeder Didaktik Vorkommen. Die Unter-schiede werden daher offenbar nicht in den Namen der einzelnen Unterrichtsfächer zu er-kennen sein, sondern erst dann hervortreten, wenn wir den Sinn, in dem jeder einzelneName gebraucht wird, die pädagogische Bedeutung, welche jedem einzelnen Fache beigclcgtwird, und das Verhältnis, in welches die einzelnen Fächer zu einander gestellt werden,beachten.
Es kann nicht unsere Absicht sein, historisch zu verfolgen, in welcher Weise die be-deutendsten Theoretiker der Pädagogik bei der Entwicklung der verschiedenen Unterrichts-gegenstände verfuhren. Wir brauchen nur auf Gustav Baur's „Geschichtliche Entwick-lung des Begriffs von Erziehung" (Grundzüge der Erziehungslehre §. 7) hinzuweisen,um klar zu machen, daß wir wenigstens eine kurze Geschichte der allgemeinen Didaktikschreiben müßten, wenn wir jene Aufgabe lösen wollten. Wir begnügen uns also damit,zuerst an einigen der Neuzeit entnommenen Beispielen den Zusammenhang, der zwischen
Pädag. Enchklopädie. IX. ^7