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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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571
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Unterricht.

Untcrrichtsfrcihcit.

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einer Elcmcntarclasse oder in einem Gymnasium oder in einem Hörsaal, eine Weile zu-hört. — Daß nun hiezu eine spccicllc Begabung als innerer Beruf nothwendig ist, so gutals zur Virtuosität iu irgend einer Kunst, wird nach aller Erfahrung nicht zu leugnensein; es wird unstreitig dem einen dieselbe Thätigkeit leicht und zu einer wahren Freude,die den andern die äußerste Anstrengung kostet. Daß mau mit festem Willen alles, auchein guter Lehrer werden könne, ist doch wohl nur nach der sittlichen Seite dieser Kunstzu behaupten, wiewohl diese allerdings von vielleicht überwiegender Bedeutung ist unddurch sic selbst Mängel der intcllcctuellen, sprachlichen und anderweitigen Begabungzu gutem Theil können gedeckt werden. Wer mit sittlicher Entschlossenheit auch beischwächerem natürlichem Lchrtalcnt ein guter Lehrer werden wsi ll, dem werden wir dieseMöglichkeit, diese Steigcrungsfähigkcit der intcllectucllcu wie selbst der physischen Kraftdurch die Macht des Willens sehr gerne zur Ermunterung Vorhalten; aber daß es eineentschiedene, natürliche Anlage, ein Lchrtalcnt gicbt, das nur eben nicht wähnen darf, dersittlichen Arbeit, der Mühe des Studiums und der Ucbuug überhobcn zu sein, das be-weist denn doch die Erfahrung; die Biographik der Universitäten, der Gymnasien undder gesummten Schulwelt ist an Belegen nicht arm. Und damit ist anch das dritteMoment schon erledigt; giebt es auch immerhin junge Männer, denen das Unterrichtengleich von Anfang, z. B. als Hauslehrer, vortrefflich gelingt, ohne daß sie vielleicht auchnur pädagogische Studien vorher getrieben hatten, lehrt sie der b>on sons dasjenige vonselber treffen, was die Didaktik in eine Reihe von Regeln zu fassen Pflegt, ja auch nochmanches andre, was in keinem Lehrbuch steht, worin jeder sich im Moment auf sich selbstangewiesen sieht: so ist damit doch noch keineswegs die rechte Höhe der Lehrtüchtigkeiterreicht, und diese erreicht auch der Begabteste uicht ohne anhaltenden Fleiß, nicht ohnestrenge und beständige Selbstkritik und nicht ohne reiche Erfahrung, die freilich nicht mitden Jahren von selbst kommt, sondern nur, wenn man sich jedes iblotadeno, das man erlebt,namentlich jeden Fehltritt, den man gethan, merkt und, was man daraus zu lernen hat,sammelt. — Zum Schluß fügen wir nur noch einige von den Sätzen bei, in denen derverewigte Nägclsbach (s. seine Gymnasialpädagogik S. 18 ) die Requisite der Lchrkunstschildert. „Der Lehrer muß in hohem Grade Ncceptivität besitzen; productiv braucht ernicht in gleichem Grade zu sein, denn seine Aufgabe ist nicht, die Welt mit neuen Ideenzu bewegen . . . Neben der Leichtigkeit der Auffassung muß er aber auch die rechte Tiefehaben, die freilich nicht iu Nebergründlichkcit ausartcn und überall Schwierigkeiten scheudarf. . . Glänzende Gaben sind dem Lehrer nicht eben Vonnöthen, insbesondere nichtblendender Witz. Die Versuchung zur Selbstüberschätzung und zur Unterschätzung derSchüler liegt zu uah und führt zur Ungeduld und Unzufriedenheit. Bei glänzendenGaben ist das entsprechende Gegengewicht von sittlichen Eigenschaften in hohem Gradenöthig; je begabter ein Lehrer ist, desto dcmüthiger muß er sein, wenn er nicht schadensoll." Palmer.

Illlterrichtsfrclheit. Die Erörterung dieses Gegenstandes hat auSzugchcu von derFeststellung des Staatszwccks, welcher freilich auch die Staatspflicht cinschließt. Ist derStaat nur eine äußere Veranstaltung zu bestimmten Einzclzwcckcu, zur Erreichung ge-wißer beschränkter Ziele, z. B. zum Rechtsschutz, zur Verschaffung derjenigen Mittel,welche am leichtesten den Lebensunterhalt- gewähren, und dergleichen, so läßt sich auchseine Wirksamkeit diesen Zielen entsprechend begrenzen. Alle derartige Auffassungen er-weisen sich aber bald als ungenügend, ja als unwahr, sowie mau die jenen Einzelzweckcnzu Grunde liegenden allgemeinen Anschauungen und Voraussetzungen in Betracht zieht;denn dieselben münden gar bald in das Gebiet der Sittlichkeit, so daß sofort die höchstenZwecke des Menschenlebens berührt und in Mitleidenschaft d. h. in Mitthätigkeit versetztwerden. Jene Auffassungen leiden ferner an der Vcrnachläßigung jeder natürlichen Be-stimmtheit des Menschen, wie solche sich doch wenigstens in der Zugehörigkeit des Ein-zelnen zu seinem Volke und iu der Volkstümlichkeit überhaupt ausspricht. Ist es aberder Zweck des Staates; die sittliche Anlage eines Volkes zur Ausbildung zu bringen