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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
Seite
569
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Unterricht.

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ihm wohl schon inwohncn, aber zerstreut, unzusammenhängend, einander fernliegcud, nun-mehr zu verbinden, wodurch die gesuchte neue Vorstellung sich bildet. Man hat bekannt-lich dieses Verfahren als das heuristische deshalb vielfach hochgerühmt, weil die Selbst-thätigkeit des Schülers dadurch ganz anders angeregt werde, als durchs bloße Hören,wogegen es an gewichtigen Stimmen auch nie gefehlt hat, die gerade das pythagoreischeHören statt des sokratischen Redens oder Schwatzcns als die rechte Lcrnform, als dieheilige Stille bezeichncten, in welcher die Wahrheit empfangen werden müßc. Am wenig-sten freilich will jene Sclbstthätigkcit besagen in den dem Sokrates selbst in den Mundgelegten Fragen; denn was die Schüler finden sollen, das sagt er ihnen in den Fragenmeist schon so vollständig vor, daß sie nur bejahen oder verneinen dürfen. Aber auchsonst hat dies Verfahren seinen Werth mehr nur darin, daß, je jünger die Schüler sindoder auch je weniger sinnliche Anhaltspuncte für ihre Gedanken gegeben werden können(wie im Religionsunterricht), um so mehr es ihnen schwer wird, einem zusammenhängen-den Vortrag, der nicht gerade eine unterhaltende Erzählung ist, mit andauernder Auf-merksamkeit zu folgen. (Für den Religionsunterricht kommt dazu allerdings noch denweitere Gesichtspunkt, daß die dialogische Lchrweise die Vorbereitung und Befähigungzum Bekenntnis ist. Vgl. die Katechetik des Unterzeichneten, 5. Ausl. S. 90 ff.) —4) In weit höherem Maß verhält sich der Schüler sclbstthätig, wenn er so zu sagen laut-unter der Leitung des Lehrers arbeitet, wie beim mündlichen Uebcrsetzen, Rechnen u. s. w.pund noch mehr, wenn der Lehrer nur die Aufgabe stellt, die der Schüler schriftlich aus-arbeitet. Auch das ist eine Form des Nuterrichteus, weil der Lehrer u) die Kräfte desSchülers auf einen bestimmten Punct lenkt und ll) an jeder Stelle, wo diese Kraft oderihre Anspannung, also der Fleiß nicht genügend war, das Fehlende durch die Correcturergänzt. Ferner ist unter die Formen des Unterrichts zu zählen 5) alles Einüben, d. h.die Nöthigung des Schülers, eine und dieselbe Thätigkeit so oft zu wiederholen, bis sieihm geläufig ist, worunter auch alles Memoriren sich befaßt, dessen Abhörung nichtsandres ist, als die Prüfung, ob das Pensum wirklich eiugeübt worden, ob also der Lehrersich von nun an daraus als auf ein sicheres Eigenthum im weitern Unterricht stützenkann. — Endlich 6) erfordert aller Unterricht in den verschiedenen Fertigkeiten von Seitendes Lehrers das Vermachen, das dem Schüler durchs Auge oder Ohr zeigt, was er so-fort nachzumachcn hat; so nicht bloß die mechanischen Manipulationen beim Schreiben,beim Spiel eines Instruments, sondern auch beim Lesen vom Lautiren an bis zum so-genannten Schönlesen. — Die üblichen Namen für die verschiedenen Unterrichtsformcn,wie sie z. B. das Schwarz-Curtman'sche Lehrbuch II. S. 250 angicbt: die vorzeigende(dciktische), Vortragende (akroamatische), einprägcnde (mnemonische), aufgebende (heuristische),fragende (katechctische, erotcmatische) sind zwar nicht unbrauchbar, werden aber verwirrend.Wenn sie den Schein erregen, als ob diese verschiedenen Formen einander coordinirt wärenoder als ob man nach Belieben die eine oder die andre wählen könnte; wie obige Dar-legung zeigt, mäßen sie in mannigfacher Weise verbunden werden, wogegen für bestimmteZwecke nur eine derselben die richtige ist. Das Nähere darüber besagen die Artikelüber Methode im IV. Bande, namentlich S. 705 ff. und über die einzelnen Lehrfächer.Gefragt kann noch werden, ob nicht den obigen Unterrichtsformcn auch als eine weitereder sogenannte wechselseitige Unterricht bcizufügcn wäre, dem unten ein eigener Artikelgewidmet sein wird. Eine neue Untcrrichtsform ist er nicht, sondern nur eine besondereAnwendung der alten, deren Besonderheit dadurch bedingt ist, daß der Lehrer an seineStelle einen vor anderen je in bestimmten Fächern vorgerückten Schüler setzt, was dieWirkung hat, daß zwei der obigen Momente, nemlich einerseits das Lehrbuch, andrerseitsdie Einübung in weiterem Umfang angcwendet werden müßen, als wenn der Lehrer alleindocirt. — Wenn Curtman (in seiner Reform der Volksschule, Frankfurt 1851, S. 137 ff.)mehrere von den hergebrachten Unterrichtsformcn beseitigt wißen will, und zwar die akroa-matische, „dieses Palladium der Universitäten," sammt allem Tictircn, die katechctische,die mnemonische, so trifft sein Anathema doch nur die ungeschickte oder einseitige Anwen-