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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Unterricht.

von manchen Didaktikern, und nicht ohne Grund, die Lehrform von der Methode unter-schieden, so nemlich, daß jene nur einen Theil von dieser bildet; cs wird dann (wie vonZerrcnner, von Denzel) der Lchrform als ihr Corrclat der Lehrgang gegenüber ge-stellt. Es ist wohl einer genaueren Ausdruckswcise gemäß, die Unterrichtsform nur aufdie Art und Weise zu beziehen, wie der Lehrer die eben zn übermittelnde Wahrheit demSchüler beibringt, sie vor ihn hinstellt, sie ihm verständlich und behaltbar macht. Hie-zu stehen ihm mehrfache Wege offen, die er je nach der Natur des Gegenstandes, nachder Qualität des Schülers und nicht minder nach seinem eigenen, individuellen Geschickentweder constaut oder abwechselnd ciuschlagen kann. Nachdem er nemlich — was zurMethode im engeren Sinn, zum Lehrgang gehört — die Masse des Stoffs in dessenElemente zerlegt und zum Behuf der Mittheilung geordnet hat, verfährt er 1) entwedereinfach docirend; es ist die riva, vox, durch welche er dem Schüler die neuen Vorstel-lungen beibringt; er erzählt, beschreibt, oder wenn er als Hülfsmittel eine Zeichnung ge-braucht, also zuerst etwas vorzeigt, so erklärt er dieses. Eine zusammenhängende, um-fassendere Darstellung dieser Art gestaltet sich zum förmlichen Vortrag, der aber, je um-fassender er ausfällt, um so gereiftere Schüler voraussetzt, die, wie im akademischen Hör-saal, zu Zuhörern werden. Kann aber dem akademischen Lehrer ein durchaus freier Vor-trag schon aus dem Grunde nicht schlechthin zur Pflicht gemacht werden, weil die als-dann natnrnothwcndige Raschheit des Sprechens selbst bei größter Mäßigung demStudirenden das wegen der Repetition zweckmäßige Nachschreibcn unmöglich macht: soist ein freier Lehrvortrag auf allen vorangegangenen Stufen des Unterrichts desto entschie-dener und unnachsichtiger zu fordern. Ein Gymnasiallehrer, der seinen Geschichts- oderReligionsunterricht hinter dem Pulte sitzend abliest, wird, auch wenn Inhalt und Stilgut wären, seine Schüler schwerlich befriedigen oder aufmerksam erhalten. — Oder 2)wird dem Schüler ein Lehrbuch in die Hand gegeben, aus dem er sich selbst unterrichtensoll, das also die Stelle des Lehrers vertritt, das diesem eine vielleicht große Mühe erspart,namentlich da, wo der Schüler nicht bloß Vorstellungen, sondern feste Formeln in sichaufnchmen und zugleich dem Gedächtnis einprägen soll. Welche Mühe und welcher Zeit-aufwand wäre es für einen Lehrer, Latein zu docireu, ohne daß der Schüler seine Gram-matik in Händen hätte! Des Lehrers Sache ist dann (außer der richtigen Wahl desLehrbuchs, die aber in der Regel und aus gutem Grunde nicht dem einzelnen Lehrer an-heimgegebcn ist) die genaue Bestimmung, was der Schüler darin lesen und sich cinprägensoll, dann die nöthige mündliche Erläuterung und Ergänzung, so wie das Abhören desdaraus Gelernten. (Ueber Lehrbücher hat namentlich Rosenkranz, die Pädagogik alsSystem S. 95 sf. in Kürze Gutes gesagt.) — Als ein Surrogat des mangelnden Lehr-buchs kann das Dictiren gelten, sofern es nicht, wie im Schrcibunterricht, bloß dieFertigkeit im sprachlich-richtigen Auffassen des Gehörten und ein Umsetzen desselben indie richtigen Schriftzeichcn bezweckt, sondern dem Schüler einen Lehrstoff in zusammen-hängender Darstellung in die Hände geben will, den er sofort selbst durchdenken und sicheinprägcn soll; der Gebrauch des Dictats ist dann derselbe, wie der des Lehrbuchs.3) Verhält sich den obigen Formen des Unterrichts gegenüber der Schüler wesentlich em-pfangend, indem sich durchs Hören oder Lesen (äußeres oder inneres Hören) die Vorstel-lungen, mit denen er bereichert werden soll, ihm mitthcilcn, so tritt diesem Verfahrendas andere zur Seite, wodurch der Schüler die Wahrheit, die er sich aneignen soll, nichtfix und fertig im gesprochenen Lehrwort oder schwarz auf weiß dargeboten erhält, sondernsie selbst gleichsam entdecken soll. Empfangend verhält er sich freilich auch in diesemFall, denn die Wahrheit ist ihm auch so ein Objcctives, das er nicht selber macht, son-dern findet und aufnimmt; aber auch der Ruhm des Entdeckens ist ein bescheidener, dennder Lehrer giebt den Impuls zum Suchen auf der richtigen Fährte, er giebt die An-schauung, das Bild, das Beispiel, woraus der Schüler sich den Begriff, die Regel u. s. w.nur abstrahiren darf, die Prämissen, woraus sich als Folgerung die betreffende Wahr-heit ergiebt; oder er nöthigt den Schüler mittelst der Frage, solche Vorstellungen, die