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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Unterricht.

fassen (eine Schrift) u. s. w., ncmlich rasch in einem Zng etwas abmachcn, damit es ge-than ist. Man kann ans die Frage gcrathen, warum der Sprachgebrauch zwar das WortLehrer, nicht aber das Wort Unterrichten kenne. Es ist dies wohl daraus zu erklären,daß Unterrichten immer so zu sagen das Kleingcschäft, die Einzclarbeit bezeichnet, Lehrenaber ein Ganzes, Zusammenhängendes ausdrückt, also eben dem Berns seinen Namen zngeben sich eignet. Ich kann sagen: dieser Mann lehrt Mathematik, lehrt Geographie;ich sage aber nicht: er hat heute eine Stunde Mathematik ec. gelehrt; hicfür ist, unseremOhr nach, der Ausdruck unterrichten der passende; ich habe heute 4 Stunden Unterrichtgegeben, nicht aber: ich habe 4 Stunden gelehrt. Vielleicht hat dies noch einen tieferenGrund darin, daß wir mit Unterrichten die Vorstellung einer Arbeit, einer Mühe ver-binden, das Lehren aber dieselbe Thätigkeit mehr als geistiges Producircn, also in idealemLichte verstellt, daher hat der Mann und das Amt den Namen eben von der höherenAnschauung seines Thuns genommen. Aus dem obigen Grunde wird Unterrichten dochmehr von den elementaren Stufen gebraucht; von einer gedankenreichen Predigt kanngesagt werden, sie diene uns zur Lehre, nicht aber sic sei cinUntcrricht wie die Katechese.

Ueber die Wichtigkeit, die der Unterricht für Staat und Kirche hat (also nicht bloßwie oben einstweilen angenommen ist, für das zu unterrichtende Individuum einerseitsund die gesammte Menschheit andererseits), sowie über die Rechte und die Pflichten, welchewir jenen beiden in Bezug auf Rcgnlirung und Leitung des Unterrichts zuzuerkennenhaben, ist hier nichts mehr zu sagen, nachdem jene Fragen in bcsondcrn Artikeln (Kirche,Staat) bereits erörtert worden sind, überdies die Schule in dein ihr gewidmeten Artikelauch nach diesen Seiten hin beleuchtet worden ist. Dagegen ist die nächste Frage füruns diese: wann soll der Unterricht beginnen? mit welcher wenigstens theilweise sichauch die Frage schon beantwortet: wer soll unterrichten?

Wenn wir jeden Gewinn eines Wissens, der dem Menschen zutheil wird, ein Un-tcrrichtetwcrden nennen müßcn, so beginnt dieser so zn sagen formlose Unterricht so frühe,daß man seinen Anfang gar nicht oder nur etwa an dein Puncte fixircn kann, wo daserste Erkennen nicht ein bloßes sinnliches Unterscheiden ist, sondern durchs Aussprechendes Wortes ein frei zu handhabendes geistiges Eigcnthum wird; so genießt das KindUnterricht von dem Moment an und an jedem Orte, wo es irgend ein Object unter-scheiden und benennen lernt — ein Unterricht, den Pestalozzi im Buch der Mütter zuMethodismen unternommen hat. Bereichert sich das Leben im Haus und im Wohnortmit allerlei Schmuck und Bequemlichkeit, schreitet die Cultur, in deren Mitte das Kindlebt, fort, so wird auch jener primitive Unterricht ein mannigfacherer; ein Bild, das unterGlas und Rahmen an der Wand hängt, Figuren am Stubenofen — vollends eine Bil-dcrbibel, alles dergleichen wird auch im Bauernhause zu einem Unterrichtsmittel, sobalddie Aufmerksamkeit des Kindes sich darauf richtet und sich jemand die Mühe nimmt,ihm die Dinge zu benennen und davon zu erzählen. Daß diese Art von Unterricht allerOrdnung entbehrt und rein von zufälligen Dingen abhängt, woran eben Pestalozzi An-stoß nahm, das ist gar kein Fehler; was dem Kinde noch nicht homogen ist, das gehtauch spurlos, somit ohne es zu verwirren, an ihn: vorüber, und wir haben nicht zu fürchten,daß Eltern, Geschwister, Kindermädchen jemals zu viel thun werden in Beibringungvon Kenntnissen, eö ist weit mehr das Gegcntheil zn beklagen; und daß die Vor-stellungen des Kindes noch als sehr buntes Allerlei neben einander existircn, ohne daßlogischer Zusammenhang und systematische Ordnung stattsindet, das bringt nicht den ge-ringsten Nachtheil. — In anderer Weise, als Pestalozzi, hat denselben Gedanken Fröbelzu realisiren unternommen; der Unterricht soll schon an der Wiege beginnen, indem alsallererstes Spielzeug Bälle oder Billardkugel» aufgehängt werden, damit das Kind davonschon mathematische Eindrücke in sich aufnehme, und alles Spiel im Kindergarten solldurch die dazu gesungenen Berschen ein geordnetes Unterrichtsmittel sein. Wir habenauch hierüber an diesem Ort nicht weiter zu reden, und begnügen uns, eine Aeußerungvon Karl Gutzkow anzuführen, der (Augsb. Allg. Zeitung vom 31. Aug. 1852) in Be-