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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Unterricht.

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Ziller stellt in dem citirten Werke S. 1 folgende Definition auf. „Unterricht istdiejenige Wechselwirkung zwischen zwei Menschen, welche vermittelt ist durch ein (inSachen, Formen oder Zeichen bestehendes) drittes" swir möchten dieses dritte lieber gleichnach seinem ganzen Umfang und seinem unendlichen Werth als die Wahrheit bezeichnen),„das der eine absichtlich zwischen sich und den andern zur Betrachtung und Bearbeitunggestellt hat, um diesen damit zu beschäftigen." Dieser Zweck, der bekanntlich in der vonHerbart ausgehenden Pädagogik unter der Kategorie der Regierung seine besondere Be-deutung hat, wird sofort (S. 11) dadurch ergänzt und erhält sogar einen Gegensatz, daßder Unterricht den Lernenden immer zugleich eine Bildung für die Zukunft zu erwerbenund sie dadurch für das geschickt zu machen suche, was sic einmal sein wollen oder seinsollen. Und hier nun werden zwei Hauptartcn des Unterrichts, die aber in Wahrheitzwei Hauptzwecke alles Unterrichts darstellcn, von einander unterschieden: 1) (S. 12)Der Lernende soll nicht durchs Lernen zugleich erzogen, er soll bloß dahin gebrachtwerden, daß er etwas weiß und kann. Dies finde statt in allen Fachschulen. 2)(S. 16) Der Unterricht soll für den Lernenden zugleich Erziehung sein und bezieht dä-mm alles Lernen auf den Zweck der Erziehung zurück, also darauf, „der künftigen Persondes zu Erziehenden einen absoluten Werth zu verleihen; der Lernende soll sich in seinemWillen heben und persönlich tüchtig werden; er soll sich diejenige Bildung des Willenserwerben, die ihn dem göttlichen Ideale der Persönlichkeit annähcrt — er soll zu Christushingeführt werden und dadurch, daß ihm das Streben zur Ucbcreinstimmung mit dessengöttlicher Natur eingepflanzt wird, soll er göttliches Wesen annehmen, indem ChristusGestalt in ihm gewinnt; hicnnt soll er das erwerben, was dem menschlichen Dasein undWirken erst seine Würde verleiht." Indem wir diese Hinlenkung des Untcrrichtszweckesauf die der christlichen Lcbensanschannng angehörigcn Ziele bestens acceptiren, bemerken wirnur, daß nach Zillcrs eigener weiterer Ausführung doch eigentlich aller und jeder Un-terricht ein erziehender sein muß; auch die Fachschule können wir davon nicht schlechthindispensiren, wenn gleich zwischen der Art, wie etwa die Volksschule und wie der Re-ligionsunterricht zu erziehen hat, und zwischen der erziehenden Einwirkung einer Baugewcrk-schule oder einer mcdicinischen Vorlesung ein großer quantitativer und qualitativer Unter-schied zuzngebcn ist.

Bei Pädagogen von Diestcrwegs Art dürfen wir keine wissenschaftlich fixirte prin-cipiellc Formel für die Zweckbestimmung des Unterrichts suchen. Wenn derselbe z. B.von sich sagt: „Ich wollte meine Leute" (im Schnllchrerscminar zu Mörs) „vernünftigmachen," so hat dies, — wenn es auch als Gcsammtausdruck, richtig verstanden, etwapassiren kann — doch eine bestimmte polemische Beziehung auf allerlei „mystischen Qualmund Dunst;" diesen „Ungeist" will er bekämpfen, indem er „den Jünglingen die Richtungauf das Ideale geben, indem er ihre schlafenden Kräfte wecken will" (Adolf Diestcrweg,ein Nachruf von Hibeau, Darmst. und Leipz. 1866. S. 17, 18). Dagegen wäre dieDefinition, die er in seinem „Wegweiser für deutsche Lehrer" (Essen 1838. I. S. 6)angiebt: Der Zweck sei „Sclbstthätigkeit im Dienste des Wahren, Guten und Schönen"brauchbarer, wenn sic nicht doch mehr rhetorisch als wissenschaftlich wäre. — Nach alledemhat sich der Sinn des Wortes Unterricht von seiner Etymologie namhaft entfernt, d. h.er ist ein viel speciellerer geworden. Unter-richten ist (ähnlich wie unterstützen ^ ciiixStütze unterschieben) ein Ausrichten dadurch, daß man hinunter greift, womit zwar derallgemeine Zweck richtig angegeben, aber das Spccifische der Untcrrichtsthätigkeit nichtausgedrückt ist. Mehr das Resultat, oder das Ganze als eine Leistung menschlicherKraft bezeichnen die lateinischen Vocabcln instituvro, iimtruers, inkormar«, seil, animnm,der Seele eine Form geben, wogegen ornckirs an den Zustand des ruäis erinnert, auswelchem der Schüler herausgchobcn werden soll. Das deutsche Wort abrichteu (vgl.d. Art. Bd. I. S. 23 sf.) ist zwar vorn selben Stamme, wie unterrichten, aber es weistnach einer andern Seite; die Vorsilbe ab hat hier offenbar dieselbe Bedeutung wie inabfüttcrn, abstrusen, je nach dem Zusammenhang auch in abhalten (einen Markt), ab-