Unterricht.
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zug auf die Kindergärten nachdrücklich davor warnt, „das Kindcrgemüth aus seiner stillenPoesie früher aufzuschrecken, als es ohnehin das Leben thuc." — Mathematik freilichund so noch sehr vieles andere lehrt das Leben nicht; und so kommt eine Zeit, wo derförmliche, zusammenhängende Unterricht beginnen muß, der das Kind gerade vom Lebeneine Weile isolirt, der es nöthigt, seine Gedanken auf bestimmte Gegenstände zu richten,die ihm das Leben im Haus und auf der Gasse nicht entgegcngebracht hätte. So ruhtder Unterricht, um mit Stoy zu reden (Encykl. der Päd. 1861. S. 57), auf derUcbcr-zeugung, daß die unberechenbaren Einflüsse des Lebens unter den Dingen und unter denMenschen nicht ausreichen, um dem Gedankenkreise diejenige Bildung zu geben, welchedie „Führung" (nach Stoy's Sprachgebrauch dasselbe, was man sonst unter dem NamenErziehung dem Unterricht gegenübcrstcllt) als vorhanden voraussetzcn muß. Daß nundiejenigen, denen das Kind als ihr Fleisch und Blut anvertraut ist, auch diesen Theilder Erziehung übernehmen, wäre das an sich Natürliche, und so hat ja auch mancherVater, manche Mutter ihr Kind jahrelang, einzelne sogar durch alle Stufen hindurch biszur Universität unterrichtet. Allein im großen und ganzen wird dies, sobald die primi-tiven Culturstufen überschritten sind, zur absoluten Unmöglichkeit, erstlich weil das Kind,dessen eigentliche Berufsarbeit nunmehr das anhaltende Lernen ist, dafür weit mehrZeit in Anspruch nehmen muß, als die weitaus größte Zahl der Väter und Mütterhiefür erübrigen kann — der Hausunterricht ist ja, auch wo er in Gang kommt, dochjeden Augenblick irgendwelcher häuslichen Unterbrechung ausgesetzt; und zweitens weilsich mit dem Fortschreiten der allgemeinen Bildung die Masse des Wissens dergestaltvermehrt, daß, wer neben dem Unterrichten einen andern Lebensberuf zu erfüllen hat,dasselbe nicht mehr in dem Umfang und mit der Freiheit bewältigen kann, wie es noth-wendig ist, um jenes Wissen im geordneten Zusammenhang andern mitzuthcilcn- Findetdies immerhin gerade auf die Elcmcntarkenntnisse und Fertigkeiten keine Anwendung, sofordert doch eben jene quantitative Vermehrung der Wissensstoffe, daß dieses Elementareso rasch als möglich angeeignet werde, also daß auch in diesem Gebiet die Methode eineimmer praktischere werde, und dies beruht selbst wieder auf didaktischer Keuntnis undErfahrung, d. h. es wird das Unterrichten zu einer Kunst, wovon unten Näheres zusagen ist; wenn wir vorläufig nach einer fast rohen Definition dasjenige eine Kunstnennen, was nicht jeder kann, so folgt schon hieraus, daß das Unterrichten Sache einesspcciellen Berufes, des Lehrberufs werden muß.
Die Frage: in welchen Dingen, Wissenschaften, Künsten soll unterrichtet werden?ist durch das oben Gesagte vorerst in ganz universalem Sinn beantwortet; hat der Un-terricht die Wahrheit zum Gegenstand, so ist von ihm absolut nichts, was Wahrheit ist,ausgeschlossen; und man kann von einer gebildeten Nation in der That dies als einMerkmal angeben, daß in ihrer Mitte durch öffentliche und private Thätigkeit Unter-richt in allem zu erhalten ist. Allein es kann weder der Willkür des Lehrers, noch demBelieben des Schülers überlassen bleiben, worin dieser von jenem unterrichtet werdensoll, und wenn wir uns in dieser Hinsicht auch einfach darauf berufen könnten, daß injedem Staat hiefür thcils in Form geschriebener Gesetze, theils als Tradition bestimmteOrdnungen bestehen, die in unfern statistischen Artikeln ihre Darstellung finden, und dievon allgemeinen Principicn aus zu kritisircn eine ebenso endlose als nutzlose Arbeit wäre:so hat doch die Didaktik als Wissenschaft es immer als ihre Aufgabe angesehen, auch indiesem Punct auf Principien zurückzugehen; haben dieselben in den öffentlichen Schul-ordnungen instinctiv gewirkt, so sind diese damit auch wissenschaftlich gerechtfertigt, undman gelangt zu dem erfreulichen Resultat, daß das Wirkliche auch das Vernünftige ist;im entgegengesetzten Fall müßen doch jene Principien der Ausgangspunct sein und denImpuls geben für die nöthigcn Reformen. — Stoy hat in den: angeführten Werke S. 61das Gebiet des gesammten Unterrichts in folgender Weise begrenzt: „Nur was zurtheoretischen, ethischen, religiösen Bildung einen Beitrag giebt, darf Gegenstand des Un-terrichts werden. Die Didaktik wägt und prüft demgemäß den in den einzelnen Wissen-