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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Unterricht.

Menschheit errungenen Wahrheit je an das nachfolgende eben Heranwachsende Geschlecht,welchem dadurch eine Menge Jrrthümcr und Irrwege erspart sind, welches aber hie-durch nicht nur Zeit gewinnt, sondern auch die Impulse und die Fähigkeit empfängt,nun seinerseits nicht auch bloß weiter zu geben, was cs und wie cs dasselbe überkommenhat, sondern frei und selbstthätig den Wahrhcitsbcfitz zu mehren. Das ist die universale,die menschhcitliche Bedeutung des Unterrichts, die auch dem einzelnsten, elementarsten Un-terrichtsact seine ideale Weihe verleiht; der unterste Lchrgehülfc, der heute in einer Dorf-schule ein paar kleine Jungen gelehrt hat, cinenBuchstaben zu schreiben, hat zum ganzen,großen Bau damit nur ein Sandkorn beigctragen, aber auch dieses Sandkorn gehörtznm Ganzen, an dem eben darum ohne Unterlaß tausend fleißige Hände" arbeiten mäßen.

Ehe wir den Gegenstand weiter verfolgen, wollen wir noch zur Vergleichung einigeder bedeutenderen Definitionen der durch den Unterricht zu lösenden pädagogischen Auf-gabe rcgistriren; nicht sowohl, um sie mit einer Kritik zu begleiten, sondern um zu con-statiren, daß dieselben im wesentlichen mit obiger Erörterung im Einklang stehen.

Herbart sagt (Umriß pädag. Vorlesungen, 8- 62): „Der letzte Endzweck des Un-terrichts liegt im Begriff der Tugend. Allein das nähere Ziel, welches, um den End-zweck zu erreichen, dem Unterricht insbesondere muß gesteckt werden, läßt sich durch denAusdruck: Vielseitigkeit des Interesse angebcn." Diese Definition ist insofern enger, alsdie nnsrige, sofern offenbar Hcrbart von der Voraussetzung ausgcht, es sei irgendwo imLeben — also etwa beim Uebergang in das männliche Alter, ans der Minderjährigkeitin die Volljährigkeit, der förmliche Unterricht zu Ende; wenn nun der ins Leben Ueber-trctende ein vielseitiges Interesse mitbringe, — das ja ohne einen Fonds positiver Kennt-nisse gar nicht geweckt wäre, — so sei er befähigt und habe die nöthigen Impulse, um,wenn auch nicht nach allen Seiten, wegen der Unendlichkeit der Dinge und der Be-schränktheit des Individuums, selbständig einzngreifcn, doch nach allen Seiten mit innererTheilnahme, mit persönlichem Wohlgefallen und Verlangen sich in der Ausdehnung undin der Art und Weise mitthätig zu erweisen, die ihm nach seiner Lage möglich und ge-ziemend ist. Das Interesse ist also hier der Mittclbegriff, in welchem sich die subjec-tive geistige Lcbenscntwicklung und die praktische Tüchtigkeit berühren. Letztere wird vonZillcr (Grundlegung der Lehre vom erziehenden Unterricht, Leipzig 1865. S. 349 ff.)in der Art specialisirt, daß er die Vielseitigkeit des Interesse betrachtet als Schutzmittelgegen Begierden, als Hülfsmittel für irdische Wirksamkeit, als Nettungsmittcl bei Stürmendes Schicksals — und schließlich es in den Begriff der Vollkommenheit erhebt.

Beneke unterscheidet (Erz. u. U. L. II. S. 16) die beiden Zwecke: Bildung zumMenschen, oder zu dem, was an und für sich selber Vollkommenheit ist; und Bildungfür einen besonderen Berns oder für gcwiße äußere Zwecke. Er läßt diese beiden Zweckeauch zeitlich einigermaßen anseinandertretcn (S. 50): „Das allgemein-Menschliche istgrößtentheils einer tieferen Begründung bedürftig und muß überdies zu jenem Spcciellerenals Grundlage hinzugebracht werden; während dagegen dieses größtentheils ein mehrEinzelnes und Oberflächliches ist, mit welchem man daher wohl bis zu einer späterenZeit warten kann." Hier ist nur darauf aufmerksam zu machen, daß die erste dieserZweckbestimmungen eigentlich beide obigen Momente schon in sich faßt, die zweite abernur das zweite und zwar nach seiner äußerlichen Seite. Denn zu jener Bildung zumMenschen, zur Vollkommenheit gehört auch schon das Ethische, das für jeden, selbst denspcciellsten Lcbcnsberuf Geltung hat, während das zweite nur die praktische Berufsbildung,die für jeden Stand eine andere ist, als Zweck setzt. — Als eine an Beneke wenigstenssich anlchnende Definition des Untcrrichtszwcckes wäre, nach einer Prcisschrift von Fr.Ueberweg (Berlin 1853) „die Entwicklung des Bewußtseins" anzusehen; dieselbe legtfreilich, als Anwendung Beneke'schcr Psychologie, den Accent gänzlich auf die subjcctiveSeite; aber es wird auch von dieser aus der Versuch gemacht, den gesammten Gymna-sial- und Nealunterricht unter jenes Princip zu bringen und somit auch den praktischenZwecken gerecht zu werden.