Unterricht.
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pes Wissens dem Denken Stoffe zugcfi'chrt werden, kommt das Denken selber in Fluß;der Unterricht verfolgt also und erfüllt in dieser Beziehung den Zweck, die Intelligenzzu wecken, zu erregen, zu entwickeln. Andererseits aber ist der Mensch bestimmt, das,was ist, nicht bloß als lebendiger Spiegel in sich zu reflcctiren und dadurch, alsMikrokosmos, sich selbst in Thätigkeit zu erhalten und als Selbstzweck sich auszulcbcu;vielmehr als sittliches Wesen ist er befähigt und berufen, handelnd in den Gang derWelt einzugrcifen, diesen Gang selbst mitznbestimmcn, und wie nun das Wissen über-haupt hiezu die oonäitio sing Mn non ist, so hat, da jene Einwirkung auf die Weltjedem nur möglich ist in sehr bcgränzter Sphäre, die ihm deshalb im geordneten Ge-meinwesen als sein Beruf zugcwicscn wird, das Wissen nach dieser Seite den Zweck:jeden zu demjenigen tüchtig zu machen, was im weiteren wie im engeren Sinn desWortes sein Beruf ist. — Diese beiden Zwecke des Unterrichts hat man mit dem übelgewählten Ausdruck: formale und materiale Bildung zu bezeichnen sich gewöhnt; dieDistinction, die damit gemacht wird, ist, wie wir sahen, richtig, aber sic darf kein Ge-gensatz werden. Die Lehrer alter Zeit haben den materialen Zweck, die Bildung zurBrauchbarkeit für's Leben, im Auge gehabt, aber haben, meist unbewußt, zugleich für dasinnere, geistige Wachsthum gearbeitet; die aus dein PcstalozzismuS hervorgegangcneNeigung, alles Gewicht auf die subjcctive Geistesbildung zu legen, hat, wo sie conscqnentverfolgt wurde, keinem von beiden Zwecken genügt. Es war ganz recht, daß man denUnterschied einmal scharf sipirtc, was gewöhnlich in der Art geschieht, daß eine neueIdee im Gegensatz zur alten Weise einseitig sich rcalisiren will; aber man kam auf diesemWege doch zu klarem Bewußtsein, daß sich das eine Moment vom andern gar nichttrennen lasse, der Lehrer also beide stets im Auge behalten müße.
Nun ist — abgesehen von der Offenbarung im Sinn des Christenthums, über derenVerhältnis zu dem, was inan Vernunfterkcnntnis nennt, wir hier nicht zu sprechen haben— alles Wissen, dessen sich die Menschheit zu irgend einer Zeit als ihres Gemeinbesitzeshat rühmen können, durch sie selbst herbeigeschafft worden; sie selbst hat beobachtet, hatHöhen und Tiefen durchwandert, hat den Himmclsraum durchsucht und ebenso die ihrselbst eingeborenen Ideen aus der Tiefe des Seelenlebens ans Licht cmporgehobcn; sichat sich also in allem selbst unterrichtet — was ja im mindesten nicht hindert, in jederErkenntnis, die dem Menschen aufgeht, eine Gabe GottcS, eine Offenbarung in irgendeinem Sinne dankbar anzuerkcnnen; Pythagoras hat seinen Satz selbst gefunden, abereben dafür, daß ihm dieses Finden vergönnt war, hat er seine Hekatombe geopfert. Undso ist auch wenigstens in einem Kopfe, dem des Rousseau, die Chimäre ausgesonnenworden: das rechte Unterrichten sei immer nur Selbstunterricht; mithin, was die Menschheit inJahrhunderten gesammelt hat an Schätzen des Wissens, sei einfach zu ignorircn, damitjeder wieder von vorn anfangc, jeder das längst Entdeckte neu entdecke, und so schlecht-hin nichts auf Treue und Glauben hingcnommcn werde, ja niemand eine Erkenntnis ir-gend einem andern Menschen zu danken habe. Die rohe Jmmoralität, welche hierin sichkund giebt, wird nur noch überbotcn von der Thorhcit solchen Verlangens, durch welchesdie Menschheit immer auf der gleichen primitiven Stufe — der Wilde war ja Nousseau'sIdeal — zurückgchaltcn würde. Die Wahrheit ist ein Vcsitzthum für alle; was einererkennt, das ist für alle bestimmt und in irgend einer Form auch allen zugänglich. Warder Weg des Entdeckcns und Ersindens ein langer und mühsamer, häufig ein Umweg:sobald die Sache gefunden ist, wird der Weg kürzer, der Zugang leichter; und es hatnicht allzulange Zeit gebraucht, bis man sagen konnte, was seitdem wahr geblieben ist:daß auch die selbständigsten Geister, Forscher, Entdecker u. s. w. doch weit mehr schonfrüher vorhandene Wahrheit in sich tragen, als die sie selbst in einem langen Lebendurch eigene Arbeit neu hinzugcfügt haben. Rechnen wir aber auch diese letztere hinzu,so wird sie doch, durch Unterricht weiter fortgepflanzt, schon zur Tradition; und so kön-nen wir jetzt den Unterricht definircn als die Uebermittelnng der bis jetzt von der ganzen
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