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Unterhaltung.
Unterricht.
Arbeit; wo man aber nur Klingklang macht, da wird der Charakter beschädigt. —Lcctüre — sofern es sich von Unterhaltung handelt — fordert ähnliche Vorsicht wie dieMusik. Natur-, Lebens-, Geschichtsbilder, Wirkliches in anziehender Gestalt; dagegenspannende Romane, selbst ohne sittcnverdcrbendc Zuthat, erhitzen, anstatt daß sic Erholunggewährten, führen in eine unwahre Welt und verderben den Geschmack an der realenund an der Arbeit in ihr, für sie. Wer nach solcher Unterhaltung aufgeregt, widerwillig,unmuthig wieder ans Lernen und Arbeiten geht, der hat sich schlecht unterhalten.
A. Haubcr.
Unterricht, Unterrichtsform, Unterrichtskunst. — Bestimmen wir de» Begriff >und Zweck des Unterrichts vorläufig ganz im allgemeinen dahin, daß er derjenige Theilder gestammten erziehenden Thätigkeit sei, mittelst dessen dem Zögling ein Wissen zu-theilwerden soll: so ist dies sogleich damit näher zu erläutern, daß, auch wo es sichwesentlich um Aneignung einer praktischen Fertigkeit handelt, wie wenn ein Künstler, einHandwerker, ein Gärtner seinen Lehrling unterrichtet,, die Fertigkeit doch immer zunächstauf einem Wissen beruht, und zwar nicht bloß auf einem Wissen von der Natur des zubearbeitenden materiellen Objects — also beim Maler von dem Unterschied der Farben-stoffe, beim Musiker von der Einrichtung und dem Klang der Instrumente, beim Gerbervon der Natur der Häute, beim Gärtner von den Pflanzcngattungen u. s. w., —sondernauch ein Wissen von den Mitteln, um an dem Material und durch dasselbe die bezweck-ten Wirkungen hcrvorzubringcn; wer Klavier spielt, dessen Kunstthätigkcit beruht aufeinem Wissen davon, durch welchen Gebrauch der Hände bestimmte Töne, Tonreihen,Klangwirkungen und Tongebildc Zustandekommen. So' ist, ganz abgesehen von derhöhern Wissenschaft im Gebiet einer Kunst u. s. w., schon die elementare Fertigkeit, diepraktische Geschicklichkeit nur die Anwendung eines Wissens, d. h. die Verwirklichungeiner Wahrheit. Hat doch andererseits auch aller theoretische Unterricht irgend einenpraktischen Zweck; wenn ich meinen Zögling in Religion und Moral unterrichte, so ge-schieht es, damit derselbe beides ausübe, und es findet nur der Unterschied statt, daß dieseAusübung nicht, wie bei einer Kunst, stehenden Fußes sofort anbefohlen wird und versuchtwerden soll, sondern daß dieselbe dem Leben selber überlassen wird, in dessen Verlaufdiese Ausübung durch Nachwirkung des Unterrichts auf den Willen, also infolge derAufnahme des Wissens ins Wollen, mithin durch Freiheit bewerkstelligt werden soll.Selbst die theoretischen Disciplincn der Philosophie machen davon keine Ausnahme; vonder Logik ist der praktische Zweck ohnehin klar, aber auch die Metaphysik wird non scllolao,
8sä vitus gelernt, sofern durch eine philosophische Weltanschauung der Einzelne seinerichtige Stellung im Weltganzen zu nehmen befähigt wird. Wir können also füglich dmZweck alles Unterrichts so bestimmen, wie dies oben geschehen ist.
Näher nun ist der Inhalt alles Wissens, die gcsammte Wahrheit (denn nur vonder Wahrheit giebt es ein Wissen) in zwei Hauptmassen zu zerlegen. Die eine enthältdas, was ist, die andere das, was sein soll. Wir könnten dies kurzweg etwa auch so be-zeichnen: das Wissen umfaßt theils Realitäten, theils Ideen, nur mit dem Vorbehalt,daß auch die Idee sich realisiren will, und umgekehrt, daß es Realitäten giebt, die nnsermGeist in der Form der Idee zugänglich werden. Oder könnten wir, aber mit ähnlichenVorbehalten, sagen, alles Wissen sei seinem Inhalt nach entweder ontologisch oder ethisch-Beides wäre auch in die Formel zusammenzusassen: der Unterricht soll den Menschenbefähigen, daß er sich in der realen Welt zurechtfindet, indem er über derselben die idealeWelt in seinem Geiste trägt. Beide Gebiete sind unendlich, deshalb hört das Lernennie auf. Der Bestunterrichtcte erweist sich als solcher gerade dadurch, daß er sich immerweiter unterrichten läßt und sich selbst zu unterrichten versteht. — Ebenso sind zwei prin-cipielle Zwecke alles Unterrichts unterscheidbar. Erstens kann die Thätigkeit des Geistes,die ihn eben als Geist charakterisirt, d. h. das Denken, schlechterdings nur an einemStoffe sich bilden und entwickeln; wenn ich denken soll, so muß etwas da sein, was ichdenke, woran die Gedanken sich nähren wie die Flamme voni Oel; indem also in Form