Unterhaltung.
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Unterhaltung. — Man kann nicht immer arbeiten, aber man soll nie müßiggehen, auch die der Erholung gewidmete Zeit, soweit sic nicht der Ruhe des Schlafs zuwidmen ist, darf nicht leer bleiben, nicht zum unbeschriebenen Blatt Papier werden.Daraus folgt aber nicht, daß dieses Papier nun mit denselben Gegenständen ausgefülltwerde, welche den Geist während der Arbeitszeit des Lernens beschäftigen. Es gehörtzu einer gesunde» Diät, daß zwischen die eigentlich nährenden Speisungen ein Imbißeingcschoben wird, der ohne zu beschweren die Verdauung in einer leichten Thätigkeit er-hält. Solch ein Imbiß gegenüber dem strengen Lernen ist die Unterhaltung. Nehmenwir zuerst das Wort im Sinn von Unterredung. Je jünger der Zögling, desto mehrwiegt hier seinerseits das Empfangen vor; einfache Erzählungen, Geschichtchcn, Mitthei-lungen über Dinge, die ihn augenblicklich intcressiren, liefern den Stoff. Später bestehtdie Unterhaltung in einen: Wechsel von Empfangen und Geben, sie wird zum zwang-losen Dialog. Hiebei kommt der Erzieher dem Zögling menschlich näher; er steigt vomKatheder herab und begiebt sich mit diesem auf den gleichen, neutralen Boden zum Dis-curriren d. h. zum Gedankenspaziergang. Doch nicht anders als mit derjenigen Reserve,welche nothig ist, um hernach wiederum den Katheder einzunehmen ohne Verlust anAuctorität. In der Unterhaltung darf sich der Erzieher gehen lassen, aber nicht weg-werfeu. Fades Schwatzen ist vom Uebel; eure Rede sei allezeit mit Salz gcwürzet.Hofmeistern aber während dieser Zeit der Abspannung paßt auch nicht; wenn cs hieß:„rührt euch," darf man nicht commandiren wie nach dem: „stillgestandcn." Gerade nachangestrengter Arbeit thut besonders wohl was holdselig ist zu hören. So etliche Blumen-beete neben dem Ackerland erquicken Aug und Herz. — Auf die Unterhaltungen merken,welche die Zöglinge unter einander führen, kann Einblick in ihr Inneres und der er-ziehenden Thätigkeit eine Richtung gebe». Man nimmt war, wohin am liebsten Ge-danken und Phantasie sich ergehen; man lernt die Redseligen oder die Schweiger kennen.— Andere gut unterhalten können ist eine gesellige Fähigkeit und führt eine Art vonVerpflichtung mit sich, der man sich nicht entschlagen soll aus Scheue vor einem mo-kanten Gast; interessant sein und die Kosten der Unterhaltung ganz allein bestreitenwollen ist eine Aufdringlichkeit, welche auf Spott hinter dem Rücken zählen kann. —Leute, die lebenslang weit mehr sich unterhalten als thätig sind, werden von Tagzu Tag langweiliger, und ihr Gespräch zerfließt wie eine Schrift auf Löschpapicr. —Cicero erwähnt einmal den Ausspruch, welchen der ältere Scipio gethan: er sei nieweniger allein als wenn er allein sei. So ist, wer genug Fonds hat, um auch in denStunden der Abspannung niemals nichts zu thun, wer also mit sich selbst spazieren gehenkann, ohne Langeweile. Die gesunde Unterhaltung mit sich selbst hält den Menschenzusammen und ohne Mühe kann ein solcher aus der Abspannung wieder in die Arbeitder Anspannung seiner Kräfte übergehen.
Wie mit andern Menschen oder mit sich selbst, kann man sich auch mit Dingenunterhalten — lesend, malend, musicirend, spielend, was auch eine Unterhaltung mitDingen und Menschen zugleich wird. — Anmuthige oder zur Bewegung aufforderndegesellige Spiele dienen zur Erfrischung; Spielsachen haben ihre Zeit, da sie die geistigeThätigkeit in Athem erhalten ohne zu ermüden, aber über die Grenzen dieser Zeit hinausziehen sic von dieser Thätigkeit ab und befördern ein tändelndes Wesen (s. d. Art.Spiel). Eine nicht unbedenkliche Unterhaltung gewähren die Spiele, bei welchen ge-wonnen und verloren wird; ein ehrgeiziges oder ein gewinnsüchtiges Gemüth wird da-durch nicht erfrischt, sondern erhitzt und es fängt hiemit wenn nicht die demoralisirendeSpielwuth an, so doch der „Streit um Bohnen," in welchem das Alter und die großeGesellschaft sich abmüht und lächerlich macht. — Zeichnen, Malen — eine stille, Beruhigungschaffende Unterhaltung, ein friedliches Thun zwischen der anstrengenden Arbeit. —Musiciren wird nur unter gewitzen Bedingungen zu einer gesunden Unterhaltung, dannnemlich, wenn es gute und nicht zu schwere Sachen sind, welche der Zögling übt; dennwers auf Virtuosenthum abhebt, des Spielen wird zur anstrengendsten, aufreibenden