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9 (1873) Spanien - Vives
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Taubstummcnbildung.

und Hill (S. 219). Eine Verbindung von Taubstummenanstalten mit einem „Waisen-haus oder einer andern Nettuugsanstalt" gestattet Palmer eräug. Päd. (Ausl. 4 S.688); eine Verbindung solcher mit Erziehungsanstalten für arme Kinder besteht in Win-nenden und Frankcnthal, mit Anstalten für Blödsinnige in Ncnstadt-Ebcrwalde.

Die Verbindung von Taubstummenanstalten mit Lehrcrscmtnaricn,vornehmlich durch Graser (s. oben) befürwortet, findet sich jetzt sehr häufig. Das neueösterreichische Schulgesetz verlangt sie und sie hat insofern ihr Gutes, als die Semina-risten theoretisch und praktisch mit der Tanbstnmmcnbildung bekannt gemacht und dadurchbefähigt werden, den Vorbcrcitungsuntcrricht für die Taubstummen in der Volksschule(s. oben) zu ertheilen. Gewöhnlich erhält die obere Classc wöchentlich eine Stundetheoretischen Unterricht über die Ursachen und Folgen der Taubstummheit, über die Be-handlung der Taubstummen von Jugend auf und über die Methode beim Unterrichte.Daran schließen sich praktische Uebungen. Diese Verbindung empfiehlt sich aber auchdadurch, daß der Unterricht Viersinniger in vielfacher Hinsicht für den der Vollsimügcninstructiv ist. Hier gilt das pestalozzische Doppclgcsctz, alle Unterweisung auf An-schauung und Lückenlosigkeit im Fortschreiteu zu gründen; hier heißt es, recht von untenauf bauen, den Lehrstoff clcmcntarisiren und den psychologischen Gesetzen des Unterrichtsnachgchen. Hill räth jedem Lehrer, dem es schwer fällt, sich auf den Standpunct desKindes hcrabzulassen, durch Beobachtung und Uebung des Taubstummenunterrichts dieElemente des Wissens und ein elementares Verfahren gründlich kennen zu lernen. Curt-man gesteht in seinem Jahrbuch der Erziehung (Ausl. III. S. 200): das meiste, wasdie neuere Pädagogik mit unwidcrsprcchlicher Sicherheit aufgestellt hat, rührt aus keinerandern Duelle her, als aus der Vergleichung der Entwicklung der Menschen mit man-gelnden Organen mit der Entwicklung der geistig begabten. Die Verbindung empfiehltsich auch dadurch, daß sie der Taubstummenbilduug eher tüchtige Kräfte zuführt, welchedafür bereits Talent gezeigt haben und wahrhaftiges, durch keine äußeren Vorthcile her-vorgerufenes Interesse. Diese Vortheile werden aber nur dort mit Sicherheit zu er-warten stehen, wo eine größere wohleiugerichtete Taubstummenanstalt besteht mit aus-reichenden Elasten und Lehrkräften. Eine solche bedarf aber einer besonderen Direction,da für dieselbe weder die gewöhnliche Befähigung cincS Scminardirectors noch diedemselben verfügbare Zeit ausrcichcn dürften. Andere Gründe für die Trennung desgemeinsamen Directorats führen aus ihrer langjährigen Erfahrung Hill S. 300 undRößler S. 25 an. Insofern vermöchten wir nur die Einrichtung zu befürworten, daßmau Semiuarien und Taubstummenanstalten an einen und denselben Ort legt, dieselbenauch in eine gewisse Gegenseitigkeit bringt, aber als selbständige Organismen unter ver-schiedene Direktoren stellt. Wäre dieser Ort zugleich eine Universitätsstadt mit reichenSammlungen und Hülfsmittelu oder läge derselbe in unmittelbarer oder durch Eisenbahnvermittelter Nähe einer solchen, so würde er sich um so mehr zu einer Taubstummen-lcbrcrbildungsstätte eignen.

Derartige Einrichtungen setzen aber eine größere Unterstützung und Förderung derTaubstummenbildung von Seiten des Staats voraus, als dieselbe in der Regel bis jetztgefunden wird, trotzdem man anerkennt, daß cs keine Gruppe misgcborcuer und verwahr-loster Wesen giebt, bei welchen der Unterricht, die bloße Unterweisung in vernünftigenund sittlichen Begriffen solche Wunder zu bewirken vermöge und daß ein ungebildeterTaubstummer, buchstäblich genommen, wenig besser als ein Thier sei. In Deutschlandund Großbritannien wird höchstens der dritte, in Toskana und Frankreich der vierte, inEuropa der zehnte Taubstumme gebildet. In Holland und Dänemark, Belgien, Sachsenund Württemberg sollen die Verhältnisse besser sein. In Spanien soll nach dem Gesetzvon 1857 in jedem Uuiversitätsdistrict wenigstens eine Taubstummenanstalt sein. InBayern werden in 9 Anstalten 226 Zöglinge gebildet (vrgl. Encyklopädie I. S. 444).Es sind traurige Zustände, wenn in Preußen 1825 680 Taubstumme auf eine Milliongerechnet und von 1700 taubstummen Kindern nur zehn Proccut d. h. nur 170 in den