Tauvftummenvildung.
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beschränkter Zahl von Zöglingen und tüchtigen Lehrern werden sich stets eines größerenVertrauens in den höheren Lcbenskreiscn erfreuen, werden auch geeigneter erscheinen fürdie Entwicklung und Fortbildung der Methode des Unterrichts, welche eine tiefere undununterbrochene Beobachtung der Natur und Bildungsfähigkeit der Taubstummen be-dingt, dürften daher auch für die Ausbildung von Taubstummcnbildnern sich besondersqualificircu. Andererseits ist für die Verallgemeinerung des Taubstummenunterrichts dieErrichtung von Taubstummcnschulen, mit welcher 1829 in der Provinz der Anfanggemacht worden ist, von hohem Werthe gewesen, da sie viel weniger kostspielig ist alsdie der Internate. Orte, an denen längere Zeit Externate bestanden, bilden sich nachund nach zu förmlichen Gemeinden von verständigen Taubstummencrzichcrn aus, wiez. B. den Einwohnern des Städtchens Camberg gelegentlich des öOjähr. Jubiläums derdortigen Anstalt im Festprogramm (Idstein 1870) das Zeugnis gegeben wird, daß siestets die Zwecke der Anstalt unterstützt, ihre Pfleglinge wie eigene Kinder gehalten, sievor Mishandlung, Spott und bösem Beispiele geschützt hätten und stets bereitwilligstLen Weisungen der Anstalt nachgekommen seien. Instructionen für die Pflegc-eltern find natürlich nothwendig und sichern, wenn sie gut abgefaßt sind, wie dieWeißcnfelscr, bei Hill S. 321, die guten Erfolge. Oesterreich kennt bisher nur Inter-nate, wie denn Frost behauptete (s. Hill S. 199), die wesentlichen Bedenken gegen ver-schloßene Tanbstummeninstitute würden dadurch gehoben, daß katholische Priester an ihrerSpitze ständen. Preußen hat unter seinen 28 Tanbstummeninstitnten 19 Externste und9 Internate. Rößler, der sich im allgemeinen ebenfalls für die Externste aussprichtund S. 23 deren möglichste Hebung befürwortet, z. B. durch Erhöhung des Kostgeldsbei der eingctretenen Preissteigerung aller Lebensbedürfnisse und Lurch besondere Nemu-nerirung außergewöhnlicher Leistungen, wünscht bei Len Externsten kleine Pensionate inden Händen tüchtiger Erzieher für alle cintretcnden besonderen Bedürfnisse. Das istetwas anders, als wenn z. B. in Mörs die Taubstummen nach Geschlechtern getrennt inzwei Bauernfamilien nntergebracht sind. Der Vorschlag ist beherzigenswertst; er ist anmehreren Orten dadurch bereits verwirklicht, daß die Taubstummcnlehrer ausgedehnterePensionate in ihren Familien haben, was um etwa in Einzelfällen eingetrctener Mis-stände willen ja nicht generell beanstandet werden darf.
Internate und Externste sind in der Regel coufessionell geschieden, ohne dabei ex-clusiv zu sein; es giebt aber auch Simultanschulen, wie in Camberg und Osnabrück, andenen deshalb Lehrer beider christl. Confessionen wirken. Die Juden erhalten ebenfallsZutritt, gerade wie in den Volksschulen. Ein reich dotirteö israelitisches Internat bestehtin Unter-Meidling bei Wien. Ob ein confcssionellcr Religionsunterricht in Taub-stummenanstalten wirklich von unten auf erforderlich sei, diese Frage soll hier nur ange-deutet werden mit Beifügung der geschichtlichen Notiz, daß in den ersten 23 Jahrenihres Bestehens die Taubstummenschule zu Camberg allen ihren Zöglingen einen gemein-samen Religionsunterricht ertheilt hat.
DieFrage, ob Taubstummen- und Blindenanstalten verbunden werdensollen, berühren wir nur im Vorübcrgchcn. Die Gmünder Anstalt hat in Deutsch-land den ersten Versuch gemacht. Auf den ersten Blick schon hat die Vereinigung etwasauffälliges, denn aller Unterricht der Taubstummen gründet sich auf das den Blindenfehlende Gesicht und bei dem Unterricht der Blinden ist gerade das den Taubstummenfehlende Gehör besonders wichtig. Ein gemeinsamer unmittelbarer Unterricht ist daherin der Regel unmöglich, Methode und Ziele sind wie die Individuen bei ihrem Eintrittin die Anstalt rücksichtlich ihrer geistigen Entwicklung zu verschieden. Wohl aber könnendie einen während des Unterrichts der andern still beschäftigt werden und die Vereinigungbeider in einer Anstalt kann einen ökonomischen Vorthcil gewähren. Letzterer dürftewohl das hervorragende, aber bei weitem nicht ausreichende Motiv der Vereinigung vonKindern sein, welche ohne alle natürlichen Communicationsmittel in unüberwindlicherTrennung einander gegeuüberstehen. Vrgl. Wagner in dieser Enchklopädie (I. S- 709)