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Taubstummenbildung.
Auswahl trifft und die gehörige Controle übt." In der That, so wie man LieWaiscn-erziehung in Einzclfamilicn derjenigen in s. g. Waisenhäusern gerade um der Erziehungwillen verzieht, so kann man auch hier sagen, das Kind bleibt so eher in dem Lebens-kreise, welchem es angehört, findet eher eine individuelle Behandlung, wird besser gewöhntund angelchrt, sich als Thcil der Familie anzuschen und sich durch Mitarbeit an dentäglichen Geschäften die Anstelligkeit zu erwerben, die cs zu einem nützlichen Mitgliede derFamilie macht, in welche cs nach seiner Ausbildung zurückkehren soll, ja: cs kann einumsichtig ausgcwähltes Haus auch schon für die spätere berufliche Wirksamkeit des Taub-stummen wirksam werden. Rechnet man dazu, daß in Einzelfamilien das Taubstum-menkind eher die Anschauungen und Wechselbeziehungen des Lebens erfaßt und daßin ihnen die Zöglinge eher nach ihren Lebensstellungen und nach dem Geschlcchte ge-schieden und behandelt werden können; rechnet man weiter dazu, daß die unterrichtlicheSeite auch in solchen Taubstummenschnlen durch Ausdehnung der täglichen Unterrichts-zeit und Anfügung von Vorbcrcitungs- und Uebnngsstunden im Nnterrichtslocale unterAufsicht der Lehrer — eine ausreichende Anzahl der letzteren vorausgesetzt — ihre voll-ständige Berücksichtigung finden kann; daß die Anstalt durch Bäder und drgl. für diephysische Entwicklung unter Aufsicht eines Anstaltsarztes zu sorgen vermag, so ist mangeneigt, den Erternatcu den Vorzug zu geben, aber freilich nur da, wo der Ort an sichund die in ihm wohnenden Familien dazu geeignet sind, hauptsächlich die eines mittlerenHandwerkerstandes, und wo eine ausreichende Controle geübt werden kann und will.Weite Schulwege durch belebte und verkehrsreiche Straßen darf das taubstumme Kindnicht haben, sonst ist es bei seiner Taubheit allerlei Unfällen ausgesetzt, um von andernschädlichen Einflüssen ganz zu schweigen. Aber andererseits darf der Ort nicht zu un-bedeutend sein, sondern er muß zu den mannigfachsten bildenden Anschauungen leichteGelegenheit bieten, welche unter Führung der Lehrer gewonnen werden. An kleinernOrten sucht man diesen Mangel durch kleine Reisen mit den Zöglingen zu ersetzen —im Budget des Nass. Instituts war für solche stets ein Posten ausgenommen und vonden Laudständen bewilligt — aber das bietet immer nur einen nothdürftigen Ersah.Indes Wo findet sich solch ein Ort mit so geeigenschaftcten Familien, welche sich derArmen nicht um des bloßen Gewinnes willen anzunehmen bereit sind, in einer Zeitder berechtigten Klage über die Verschlechterung des christlichen Familienlebens, über diesittliche Laxheit und Ungcbundenheit in allen Stände», namentlich auch in denen, auswelchen die Taubstummenanstalten ihr bedeutendstes Contingent beziehen? in einer Zeit,wo man gerade deshalb immer mehr auf Errichtung von Convicten und Internatenbei den öffentlichen Schulen dringt, und man die Noth der Directorcn kennt, allen ihrenden Ortsfamilieu nicht angchörigen Schülern eine gute vor allen schädlichen Einflüssenschützende Unterkunft zu verschaffen? Und wo finden sich die Lehrer, welche bereitwilligsind, die so beschwerliche Controle gewissenhaft zu führen? wo die Familien, welche sichden Anordnungen der Taubstnmmcnschule gerne fügen und deren Aufgabe nach allenSeiten zu unterstützen so fähig wie willig sind? Wie die Psychologie, sagt Stoy (Ency-klop. der Päd. I. S. 295), den geistigen Zustand Viersinniger überhaupt ansehen lehrtund insbesondere die dem Taubstummen drohenden Versuchungen zu Vorurtheilen, Uebel-wollcn, Mistrauen, Undankbarkeit, Tücke (Tatsächliches bei Kruse über Taubstummeund Taubstumm cnbildung, Schleswig 1854 S. 71) als große und im bunten Treibendes bürgerlichen Lebens nur zu nahe liegende Gefahren bezeichnet, wird eine gewissen-hafte Erziehung nicht daran Lenken, das taubstumme Kind in den besten Jahren seinerBildsamkeit fremden und zufälligen Einflüssen des bürgerlichen Lebens zu überlassen.Er entscheidet sich deshalb für Internate, während Hill, S. 188, entschieden für dieTaubstummenschulen Antritt und von den Internaten, die sich gewöhnlich ausFamilicn-wohnungen zu Kasernen umgewandelt haben, in Lenen nicht mehr die Liebe des Haus-vaters und der Hausmutter jedem einzelnen Zöglinge die gebührende Fürsorge zu widmenvermag, nichts wissen will. Die Wahrheit liegt Wohl in der Mitte. Internate mit