Taubstnimnenbildung.
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auch die theologischen Candidatcn als solche noch lange nicht, sondern nnr die-jenigen mit hervorragender Neigung nnd Befähigung für das Schulfach. Er verlangvon einem Tanbstummenlchrcr eine umfassende Kenntnis der Sprache in materiellernnd formeller Beziehung, der Dcnkgcsctzc in specicllcr Anwendung für die Vcgrifss-entwicklnng, der psychologischen Entwicklung des vollsinnigen Kindes nnd insbesondere dercigcnthümlichen Anschaunngs-, Denk- nnd Ausdrnckswcise des viersinnigcn Taubstum-men und ebenda;« weiter Kenntnis der Natur der Sinncswcrkzcnge und der Sprach-organc, der eigentlichen Ursachen der Taubheit nnd ihrer Einwirkung ans die Taub-stummheit. Zur Erlernung dieser Kenntnisse und zur ganzen theoretischen und praktischenAusbildung als Hülfslehrcr reichen kaum zwei Jahre aus. Branchen auch nicht alleLehrer einer Taubstummenanstalt eine solche Vorbildung für ihren Beruf zu besitzen,so sollte doch nicht die Mehrzahl derselben einer solchen entbehren, am wenigsten derDircctor, welchem außerdem die Eigenschaften inncwohnen müßen, die von einemLeiter eines jeden principmäßig gegliederten Schnlorganismus gefordert werden. Wennirgendwo, so gilt cs hier, daß alle Lehrer einigen Geistes an die Bewältigung ihrerAufgabe gehen nnd durch ihre allgemeine und besondere Bildung befähigt sind, unter,einander in einen lebendigen Verkehr zu treten, über die besten Wege, das Ziel zn errei-chen, sei's an allen, sei's an einzelnen Schülern. Zn so einträchtigem nnd planmäßigemZusammengehen zu leiten, vermag nur ein tüchtiger Dircctor von großer geistiger Be-gabung, vielseitiger Erfahrung, mit gewinnendem äußeren Auftreten, wie vr. Fink inRatibor ganz richtig sagt bei Hill S. 225. Ohnehin muß bei den jetzigen Zuständendes Tanbstnmmcnbildungswcscns der Dircctor ans sich heraus den ganzen Organismusim Gange erhalten. Wie selten ist eine Schulordnung für Taubstummenanstalten,wie selten ein vorgcschricbencr Lehrplan! Selbst Preußen mit seinen 28 Taubstum-menanstalten hat cs zu einem solchen noch nicht bringen können, trotzdem daß dort seitachtzehn Jahren ein Gencralinspcctor des Taubstnmmcnwcscns ernannt ist und seit1858 als Vortragender Nath im Ministerium des Cnltns fungirt. Nicht ohne Befremdenlas man neulich, man hoffe von einer Negierung, daß sie für die Taubstummenlehreran einer Anstalt periodische Konferenzen anordncn werde. Als ob es dazu erstbestimmter Befehle bedürfte, als ob solche Confcrenzen zur Besprechung aller Anstalts-angelcgenhciten, hervorragender literarischen Erscheinungen auf dem Gebiete des Taub-stummenunterrichts, zur Erörterung von pädagogischen Fragen, zur Verständigung überdie wirksamsten Mittel der individuellen Erziehung u. s. w. nicht absolut nothwendigwären! Hill glaubt zn wissen, S. 253, daß man sogar in Hauptinstituten vergebens nacheiner Bibliothek zur Fortbildung der Lehrer frage, daß dort selbst das Organ von Matthiasnicht einmal gehalten oder ungelesen nä nein gelegt werde. Das befremdet fast ebenso,als mcnn er behaupten kann, S. 291, der Mehrzahl der Taubstummenanstalten würdendie Mittel verwehrt zur Herausgabe periodischer Berichte, sogar auch dcrWcißen-felser Anstalt, an welcher er 35 Jahre gewirkt.
Die Frage, ob Internate oder Externate für dieTaubstnmmenbildung geeig-neter seien, ob cs zweckmäßiger sei, Taubstumme vereint in geschlossenen Anstaltenzn unterrichten und für das Berufsleben hcranznbildcn oder dieselben vereinzelt in Fami-lien unterzubringcn und nur zum Unterrichte zusammen in eine für sie bestimmte Schulezu nehmen, wird von Sägcrt S. 36 zu Gunsten der erstcrcn entschieden für die Zieleder unvermischtcn französischen Schule, wahrend er die Erternate als die geeignetereForm zur Erreichung der Bildungszwccke nach deutschem System hinstellt. „Leben solcheKinder in Familien zerstreut in einem Orte, höchstens zu zweien in demselben Hause,haben sie dadurch tägliche Veranlassung, sich mit vollsinnigen Menschen in der Wort-sprache zn verständigen, so haben sie auch den Vortheil, jedes in der Schule erlernteWort anznwendcn und sich im Gebrauche der Wortsprache zn befestigen und für dasPraktische Leben um so nützlicher zn machen. Der erziehende Einfluß der Anstalt kanndurch das Leben in geeigneten Familien vollständig ersetzt werden, wenn man die rechte