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9 (1873) Spanien - Vives
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Taubstuminenbildung.

lehrer als Seminarist mit der Methode des Taubstummenunterrichts bekannt gemachtwürde. Von allem andern abgesehen, eignet sich durchaus nicht jeder Volksschullehrerzum Taubstummenbildner, mag er noch so vorzüglich für den Unterricht der Vollsinnigensein. Auch würde, der Erfolg hat es gelehrt, dieser gemeinsame Unterricht höchstensin den mechanischen Dingen möglich sein, da der Taubstumme die Lautsprache erstlernen muß, und wenn er sie gelernt hat, noch lange nicht damit befähigt ist, den Vor-trag eines VolksschullehrerZ in der Weise eines Vollsinnigen zu verstehen, gar nicht zugedenken, daß der Lehrer, wenn er längere Zeit keine Veranlassung zum Taubstummen-unterricht hat, denselben bald verlernt, oder aber für denselben bei seinen gewöhnlichüberfüllten Elasten gar keine Muße findet. Der Vorschlag, die Taubstummen in ihrerHeimat zu lassen und ihre Bildung in die Hände befähigter Geistlicher und Lehrer zulegen, welche gemeinsam durch Privatunterricht wirksam werden könnten, ist aus gleichenund anderen Gründen in der Regel unausführbar, wenn man auch zugeben kann, daßeine solche Hülfe bester ist, als gar keine.

Eine ernsthafte Taubstummenbildung verlangt besondere Anstaltenfür dieselbe mit auserlesenen, für diesen Dienst besonders geeigcnschafteten und ansge-bildcten Lehrern. Schon Zicgenbein sagt: der Taubstummenlehrer muß ein an Kopfund Herz gesunder, ein kindlich gesinnter, frommer und dabei vielseitig gebildeter Mann,nicht bloß ein Lehrer, sondern ein Erzieher, ein Vater seiner Zöglinge sein; ihn muß hoheLiebe für seinen Beruf, ein Enthusiasmus für denselben beseelen, er muß eine heilige Be-geisterung in sich fühlen. Hier am wenigsten ist ein Lohndicncr an der Stelle. AehnlichReich S. 50. Hill, der in einem besonder:: Capitcl die Leistungen der deutschen Taubstum-menanstalten behandelt und den Ursachen der geringen Erfolge derselben nachforscht, findetdieselben nicht zum geringsten Theile in den Taubstummenlehrern, unter denen die gleich-gültig an den Unglücklichen vorübergehenden Priester und Leviten zu allen Zeiten zahl-reicher gewesen seien, als die barmherzigen Samariter. Je größere Anforderungen eran die Taubstummenlchrer stellt, desto häufiger ist er zu dem Ausrufe gezwungen: nos,.nos äosumns. An keinen Lehrer werden ja in Beziehung auf Selbstverläugnung,Geduld und Entsagung größere Anforderungen gemacht, als an den echten Taubstum-menlehrer. Den Schluß aber, daß eben deswegen auch Lehrerinnen für denTaubstummenunterricht besonders geeignet seien, bekämpft Hill S. 232 entschiedengegen Wagner im Organ 1858 Nr. 2 mit der ganzen dem Taubstummenunterrichtgestellten Aufgabe.

Es ist dringend zu wünschen, daß dem Taubstummenlehrerbildungswesenüberall die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt werde. Was dafür in Preußen geschieht,schildert Sägert S. 42 ff. Es genügt keineswegs, einem alten Routinier im Unter-richten die Manipulationen während einiger Wochen und Monate absehen und diegewohnten Wege schlecht und recht Nachtreten. Auf solche Weise kann eine Anstalt Jahrelang in ihrem alten Schlendrian fortgehen und in eitler Selbstgenügsamkeit ihre Erfolgeüberschätzen, zumal wenn sie keiner gründlichen Revision unterliegt, oder einer solchenvon Schulinspcctoren und Schülräthen, die absolut nichts von der Sache verstehen n. z. B.gar nicht merken, daß der Lehrer durch einfache Mnndstellung dem Schüler die Ant-worten suppeditirt, trotzdem aber ihre „volle Zufriedenheit" mit sämmtlichen Leistungenaussprcchen. Mehr als bisher müßen wissenschaftlich gebildete, denkende Männer sichder Tanbstnmmenbildung widmen und zwar auch Pädagogen vom Fach. Bei der man-gelhaften und meist ungenügenden formellen Geistesbildung, welche die Mehrzahl derCandidaten des Volksschnllehramts aus den Scminarien mitbriugen, will Sägert nursolche zulasten, welche — sonst gesund an Leib und Seele — besondere Anlagenzur wissenschaftlichen Ausbildung neben praktischer Anstelligkeit zum Unterrichten be-kundet haben und dadurch befähigt sind, im Verlaufe ihrer Ausbildung auch Vorle-sungen der Universität über Anatomie der Sinnes- und Sprachwerkzeuge, populäreLogik, Psychologie und Pädagogik zu hören und zu verstehen. Ihm genügen deshalb