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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Taubstummenbildung.

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reifere Jahre eignen sich nicht mehr so gnt znm Beginne der Sprechübungen, Weil denSprachorgancn dann die erforderliche Biegsamkeit und Leichtigkeit zu schwinden beginnt,wenn sie bis dahin ungeübt blieben. Erwägt man, welche Uebung dazu gehört, wennder Taubstumme allein auf Grund des Gesichts und Gefühls eine Fertigkeit im Sprechenund im Ablcsen vom Munde erlangen soll, wie groß die Beenge der Wörter ist, dieins Gedächtnis zu prägen sind, wie vielfach die Veränderungen der Wörter, die zurBildung der nothwendigstcn Satzarten vorgenommen werden müßcn, so crgiebt sich, daßein Cursus von acht Jahren für alles dieses nicht zu lange erscheinen kann. — DieAufnahme in die Anstalt wird in der Regel von der Beibringung eines amtlichen ärztlichenGutachtens über den leiblichen und geistigen Gesundheitszustand und die Bildungsfähig-keit abhängig gemacht, das nach Anleitung eines bestimmten Formulars anszustcllcnist. Dennoch sieht sich selbst ein Institut wie das Pariser genöthigt, eine jede Ausnahmewährend des ersten Jahres als eine provisorische zu betrachten und die definitive erstvon einer erneuerten ärztlichen Untersuchung und der Erfahrung der Lehrer abhängigzu machen. Wie viel mehr ist das für die zahlreichen kleinen Anstalten geboten!

Der Unterricht der Taubstummen muß mit der Erziehung auf's engste verbundensein. Die erziehliche Aufgabe der Tanbstnmmenbildung ist nach ihrerphysischen und sittlichen Seite weit schwieriger, als bei der Bildung der Vollsinnigcn.Gerade darauf gründet sich die Forderung, die Taubstnmmenbildnng nicht auf die Zeitdes Unterrichts in der Taubstummenschule zu beschränken, sondern das Hans und dieFamilie sowie die Volksschule vorher und nachher in Las Interesse derselben zu ziehen.Je gewöhnlicher und natürlicher die unverständige Elternliebe ist, welche den Viersinnigcnin ihrer Hülflosigkeit während der ersten Lebensjahre im Hanse zu Thcil und dieUrheberin großer sittlicher Fehler wird, desto nöthiger ist die Belehrung darüber, wiedie Familie mit großem Segen erziehlich ans taubstumme Kinder von dem Augenblickeciuwirken kann, wo sie die schmerzliche Gewißheit des Leidens erhalten hat. Das istin verschiedenen Anleitungen geschehen, zuerst von Jäger „über die Behandlung, welchetaubstummen und blinden Kindern vom Entstehen ihres Gebrechens bis zum achtenLebensjahre zntheil werden sollte," dann von Gronewald, Roller, Kruse, Weiß u. a.Nachgerade setzt sich eine jede größere Anstalt, schon durch ihr eigenstes Interesse getrieben,periodisch durch derartige Schriften mit dem Publicum in Verbindung, ans welchem sieihre Zöglinge erhält, z. B. die Camberger durch Priester's Anleitung zur Behandlungtaubstummer Kinder von ihrem ersten Alter bis zum Eintritt in die Taubstummen-anstalt für Eltern, Lehrer und Geistliche. Wiesbaden 1857. Es handelt sich dabeinicht allein um die Angabe, wie man die Taubstummheit erkennt (Schmalz, faßlicheAnleitung, die Taubstummheit in den ersten Lebensjahren zu erkennen und möglichst zuverhüten) und wie dem nicht taubgebornen, sondern erst durch Krankheit taubgcwordencnKinde die Sprache, deren es sich schon bediente, dadurch erhalten werden könne, daßman ihm recht häufig zu Gesicht spricht und cs so bald wie möglich in eine Taub-stummenanstalt bringt, — und wie vielen unserer Taubstummen könnte so die Spracheerhalten werden — sondern darum, wie man den körperlichen, intcllectnellen und sittlichenGebrechen, welchen taubstumme Kinder mehr als vollsinnige anheimfallen, am bestenvorzubengen vermöge. Es gilt, rechtzeitig den schleppenden Gang, die schlaffe Glicder-und Körperhaltung, das Mundanfspcrrcn, die sinnlosen Gcberden, das widrige Geheul,schnaufenden Athcm n. s. w. abznstellen, znm Gehorsam und Fleiß, zur Aufmerk-samkeit, Reinlichkeit, Freundlichkeit, Dienstfertigkeit, Wohlthätigkcit, Achtung vor fremdemEigenthum zu gewöhnen, die geistige Thätigkcit anznregen und durch eine natürliche Ge-berdensprache zu nähren, das religiöse Gefühl zu Wecken, auf die besonderen Fehler derTaubstummen besonders aufzumerken, also die vorherrschende Neigung zur Sinnlichkeitdurch Beförderung freier und andauernder Selbstthätigkeit, durch Anhaltung zu allerleiHandarbeiten in Haus und Feld, in Stube und Wcrkstätte, durch Gewöhnung an Ent-

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