Taubstummcnbildung.
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wissenschaftlick zu begründen und was er erforscht, erfahren, erprobt und erkannt hatte,ohne alle Gehcimnisthuerci öffentlich zu vcrthcidigcn verstand, während Heinicke mitseiner „Erfindung" sehr zurückhielt, dieselbe als Familicngcheimniß nur um hohen Preisandern mittheilen wollte (vcrgl. Hill S. 63 und 68), ja! Winke geben konnte, die mehrauf Abwege als auf die gerade Straße führten, wie Sense (Versuch einer AnleitungLeipzig 1793) bitter klagt, und überhaupt an wissenschaftlicher Durchbildung seinem Gegnersehr nackstand. Kaiser Joseph II. überwies bei seinem Aufenthalte in Paris dem Abbezwei Oestcrrcichcr, Stork und May, zur Ausbildung als Taubstummcnlehrcr, begeistert,wie er sagte, von dem Triumphe, große und erhabene Ideen auch in diesen von derNatur und den Menschen verwahrlosten Wesen erwecken zu können: es sind die beidenersten Dircctoren des von Maria Theresia 1779 gegründeten, von Joseph II. 1784erweiterten und stets mit Liebe gepflegten, von Franz II. und der kaiserlichen Familiereich dotirten k. k. Taubstnmmen-Jnstitnts zu Wien, welches erst unter seinen beidenletzten Dircctoren, Venus Vater und Sohn, anfgehört hat, ein exclusiver Vertreter unddurch seine Schüler Verkündiger der französischen Schule in Deutschland zu sein.
Mit der Entstehung dieser beiden Schulen ist eine umfassendere Fürsorge für dieTaubstummcnbildung eingetrcten, aber es hat lange gedauert, bis sie eine einigermaßengenügende wurde. Noch im vorigen Jahrhundert entstanden die Anstalten zu Angers(1780), Karlsruhe (83), Schleswig (85), Prag (86), Gröningen (90), London (92).In diesem Jahrhundert folgten Breslau und Frcisingen 1804, Zürich 1809, Edinburg1810, Linz 1812, Petersburg 1816. In Deutschland mehrten sich die Anstalten erstnach dem Ende des Befreiungskrieges, meistens von Privatpersonen oder Privatvereiuengegründet -— auch die Freimaurerlogen betheiligten sich dabei. Wir nennen ans 1818Münster und Camberg in Nassau (als Privatanstalt) 1820 Cambcrg (als Staatsanstalt)und Königsberg, 1821 Breslau, 22 Erfurt, 23 Branuschweig, Gmünd (neu organisirt)und Eßlingen in Württemberg, Wildeshausen in Oldenburg, 25 Halberstadt, 26 Weimar,Winnenden (Württemberg) und Pforzheim 27, Frankfurt a. M., 29 Wcissenfels, Hal-berstadt, Magdeburg, Cöln, Hildeshcim, Brünn, 30 Marienburg, Angerbnrg, Brauns-berg, Hall in Tyrol, 31 Posen, Soest, Büren, Liegnitz, Salzburg, 32 Grätz, 34 Tril-lingen, 35 Petershagen, Langenhorst, Mörs, Straubing, 36 Ratibor, Hildburghausen,37 Stralsund, Fricdberg (Hessen), 38 Homberg (Kurhessen), 39 Stettin, Bcnshcim,41 Kempen, Mörs. Mit dem rühmlichsten Beispiele giengcn die Regierungen vonNassau und besonders von Württemberg voran, jene gleichzeitig mit der Reorganisationdes gesammten Schulwesens in 1817, diese namentlich Lurch ihr am 28. Januar 1823publicirtes Statut für Gmünd (vergl. sreimüth. Jahrbb. III, 2, S. 56, VI. 1, S. 74).Degerando durfte mit vollem Rechte II, S. 294 die Aonsrouso 8o1Iioikuä6 äu §ou-verusmsut IVurtsmImrZ'soiL rühmen. Später hat die Regierung von Hannover alleanderen überflügelt, da König Georg V. begreiflicherweise für die Ausbildung derViersinnigen besonders erwärmt war. Darüber am Schluß mehr.
Beide Schulen, sowohl die französische wie die deutsche, anerkennen eine größereoder geringere Bildungsfähigkcit der Taubstummen und sind über die Aufgabe derTaubstnmmenbildung, die Unglücklichen aus dem Zustande geistiger und leiblicherVerwahrlosung und Verkommenheit zu brauchbaren Gliedern der menschlichen Gesellschaftheranzuziehen und für eine höhere Welt zu bilden, einig, nicht aber in der Bestimmungdes Ziels und der Mittel des Taubstummenunterrichts. Die Mittel derfranzösischen Schule sind eine über die natürliche Mimik der Taubstummen hinausgehendekünstliche Geberdensprache, hauptsächlich von Sicard ansgebildet, sodann die Schrift-sprache und endlich das von Bonet (s. oben) erfundene künstliche Handalphabet, resp.dieFingerspr a ch e (OMtzckolossis) mit einer oder mit beiden Händen. Jeder Buchstabe,jede Vor-und Nachsilbe, jede Hauptsilbe, viele einfache Sätze haben ein bestimmtes Hand-zeichen. Gewöhnlich werden die Hauptsilben und Begriffswörter mit dem Anfangsbuchstabenund einem Zeichen, welches ein einzelnes Merkmal des Begriffs angiebt, angedentet. Die