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Taubstummenbildung.
geb. 10. April 1729 in Nautzschütz bei Weißenfels c>. d. Saale, der als Soldat in Dresdeneinen Taubstummen 1755 zu bilden unternahm, später in Jena stndirtc, durch Klop-stock und Eramer empfohlen in das gräfl. Schimmelmannffchc Hans zu Kopenhagenals Erzieher trat und 1768 als Lehrer und Eantor nach Eppendorf bei Hamburg kam. Alser hier den Taubstummenunterricht von neuem begann und trotz seines Pfarrers Granau,der dagegen wie so manche Theologen damaliger Zeit ans den oben erwähnten religiösenBedenken eiferte, ein Institut für Taubstumme gründete und mit großem Erfolge leitetewurde er von seinem Kurfürsten Friede. August aufgefordcrt, dasselbe nach Sachsen 1778zu verlegen. Er gieng nach Leipzig und hat dort seinem Institute, dem ersten inDeutschland, bis 1790 vorgcstandcn. Leider fehlt es bis jetzt an einer vollständigenLebensbeschreibung von ihm (Hill zählt S. 68 dessen Schriften auf), das meiste erfährtman aus der Schrift seines 1852 als Director des Leipziger Instituts verstorbenenSchwiegersohns Reich: Blicke auf die Taubstummcnbildung und Nachrichten rc. u.Leipzig 1828. Ein anderer Schwiegersohn, Ernst Ad. Eschke, hat 1788 vom preußischenMinister v. Wöllner die Eoncession „zum Privatunterricht solcher Personen, die Sprach-fehler haben" erhalten und zu Berlin die erste Taubstummenanstalt in Preußen errichtetund dieselbe als Privatanstalt („die Umstände erlaubten es schlechterdings i^cht, eineigenes Institut zu errichten," lautete der erste Bescheid) bei sehr kärglicher Unterstützungder Behörden bis 1798 fortgeführt, wo sie zur königlichen Taubstummenanstalt erhobenwurde, als welche sie bis zu seinem Tode 1811 unter feinem Dircctorate verblieb,dann aber in die Hände seines Schwiegersohns Graßhoff übergieng. Wenn letzterer1820 mit dem Vorschläge auftrcten konnte, die Taubstummen nach erlangter Schulbil-dung zur Erleichterung ihres Lebens in besonderen Taubstummcncolonicn zu verei-nigen, so hat er damit bewiesen, daß er das Ziel, die Taubstummenschüler für denVerkehr im gewöhnlichen Leben mit Vollsinnigcn zu befähigen, für nicht wohl erreichbarhielt. Hill schildert ausführlich, wie und weshalb die Taubstummenanstalten in Deutsch-land in den ersten Decennien dieses Jahrhunderts in Verfall gericthen und ihre Auf-gabe vergaßen.
Der Gründer der französischen Schule ist der Abbs Charles Michel del'Ep oe, geb. 1712 in Versailles, wo ihm 1843 ein Denkmal gesetzt worden ist. Er hatmehrere Biographen gefunden (s. bei Hill S. 60). Sein Leben war ein weniger bewegtes.Von den Renten seines nicht geringen Vermögens fortwährend in Paris lebend, woein Monument in der Kirche St. Roche, in welcher er begraben ist, seinen Ruhmverkündigt, trieb ihn das Mitleid dazu, den Unterricht taubstummer Zwillingsschwestcrufortzusetzeu, deren Lehrer gestorben war. Dadurch gewann er eine solche Liebe zu diesemRettungswerke, daß er eine Schule, darauf „um 1760" (so heißt es im Prospect despariser Instituts von 1859) eine förmliche Erziehungs- und Unterrichtsanstalt fürTaubstumme mit Aufopferung seines ganzen Vermögens gründete, der er bis an seinenTod 1788 vorgestanden hat. Erst drei Jahre später ist dieselbe zur königlichen Anstalt er-hoben worden, als welche sie, wenn auch mit veränderter Organisation (s. unten), nochjetzt besteht. De l'Epse ist lange Zeit für den eigentlichen Schöpfer und Begründerder Taubstummenbildung angesehen worden und hat nicht bloß alle seine Vorgänger,sondern auch Heinickcs Verdienste völlig verdunkelt. Das rührt nicht allein von feinemWohnsitze in dem tonangebenden Paris her, dessen zahlreiche Besucher seinen Ruf in allenGegenden ebenso verkündeten wie seine zahlreichen Schüler, deren Ausbildung er sichmit großem Eifer angelegen sein ließ; nicht allein von dem durch Bouilly's Schauspiel1'ubbs llo l'Lxöö (von Kotzebue verdeutscht) berühmt gewordenen Proccß, durch welchener 1781 die Anerkennung eines im elendesten Zustande auf der Straße gefundenen undvon ihm gebildeten Taubstummen als Mitglied der reichen und angesehenen Familieder Grafen Solar zu Toulouse durchgesetzt hatte: es rührte davon her, daß er bedeutenderwar als alle seine Zeitgenossen, die sich mit der Taubstummenbildung abgaben, daß er,der sich seine Theorie und Praxis ganz selbständig a priori constrnirt hatte, dieselbe