Taubstummenbildung.
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biegen läßt, vor die Augen zu halten), sodann die Verbindung der Buchstaben zu Silbenund schließt mit einer kurzen spanischen Sprachlehre, einer Nachweisung der für dieLectüre der Taubstummen geeigneten Bücher und einer Abhandlung über die Zahlzeichenund den Unterricht in der griechischen Sprache. Nach der Pouce-Bouct'schcn Methodehat der Spanier Pereira seit 1745 in Frankreich Taubstumme mit solchem Erfolgeunterrichtet, daß er 1761 bei der pariser Akademie durch eine Denkschrift denSieg über Ernand davon trug, welcher in Bordeaux Taubstumme nach der Anleitungder Schrift des I)r. moä. Amman »suräus loguons son mstboäus, gua gut suräusnatus est logui äiscoro possit« (Amsterdam 1692) unterrichtete, d. h. sie ohne künst-liche Zeichensprache dahin brachte, vom Munde Abgesehenes zu sprechen, zu schreiben undzu verstehen. Dieser Amman, von Geburt ein Schweizer, hat in seinem 1700 erschie-nenen Buche 8niäu8 lognsns äk lognsla bereits die Articulationsmethode festgestellt, wieWallis in Oxford gleichzeitig in seinem traotatu8 Z-rummntioo-piiMorw üe lognsls, wasdie Holländer bewogen hat, die sog. deutsche Schule (s. unten), insofern sie die Erwer-bung der Lautsprache sich zum Ziele sehe, die holländische zu uennen. Auch der ItalienerPetro de Castro (st 1663) hat seine Erfolge in der Taubstnmmenbildnng gerühmt. Erhabe mit einem medicinischen Verfahren (Purganz und Decocte von schwarzer Nieswurz)begonnen, sodann eine handbreite Stelle auf dem Wirbel rastrt und allabendlich miteiner Salbe eingerieben (Venus S. 33 beklagt, daß diese Procedur noch seht vorkomme;Hill theilt ans seiner Erfahrung ähnliche mit, welche auf eine große Ignoranz der be-treffenden Aerzte hindeuten). Der Taubstumme habe sich jeden Morgen mit einem Kammevon Ebenholz Wider den Strich kämmen und Latwerge von Mastix, Ambra, Muskusund Reglise einnehmen müßen. Hätte der Lehrer ihm dann Buchstaben, Silben undWörter mit deutlicher Stimme oben über dem Wirbel vorgesprochen, so habe der Taub-stumme in kurzer Zeit die Sprache erlernt und es darin bis zur Fertigkeit gebracht.Van Helmont, ein Bruder des berühmten Chemikers (-s 1667), suchte dem TaubstummenLen Mechanismus der Sprachwerkzenge vor die Augen zu bringen, weshalb er 36 Köpfeso in Kupfer stechen, später abformen ließ, daß man das Innere des Mundes und diePositionen der Sprachwerkzenge bei der Nrticulation der verschiedenen Töne sehen konnte.Er wollte den Taubstummenunterricht mit der hebräischen Sprache beginnen, da der-selben rücksichtlich der Natürlichkeit, Einfachheit und Leichtigkeit vor den lebendenSprackcn der Vorrang gebühre.
An der Bildnngsfähigkeit der Taubstummen konnte nach solchen Vorgängen, denensich anschloßen Kerger 1704 in Schlesien, Raphel 1718 in Rostock, nicht mehr gezweifeltWerden; aber bis 1760 war dieselbe nur an einzelnen Individuen im Privatunterricht erprobtworden und der Gedanke einer regelrechten Taubstummenbildung galt als eaxrios ä'imL§ina-tion (Bruhier d'Ablaincourt), zumal man die Methoden in das tiefste Geheimnis zu hüllenpflegte. Jetzt aber treten zwei Männer mit förmlichen Lehranstalten für Taubstummeauf, in denen eine große Zahl von Taubstummen unterrichtet und Taubstummenlehrerherangebildet wurden. Sie gelten gewöhnlich für die Begründer zweier Schulen, derdeutschen und der französischen, und dürfen es, wenn man dieselben nach ihrenZielen unterscheiden will. Hill hat übrigens mit Recht S. 70 darauf hingewicsen, daß diedeutsche Schule der Jetztzeit rücksichtlich der Theorie des gesummten Unterrichts eine anderegeworden und als Product der gesummten deutschen Taubstummenlchrer seit dem Endeder zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts zu betrachten sei. Er hat auch nicht vergessen,dabei S. 78 den Einfluß Jäger's, des langjährigen Vorstehers der Taubstummenanstaltzu Gmünd (si als Pfarrer in Köngen 1864) auf die Begründung dieser neuen deutschenTheorie gebührend zu würdigen, hat aber S. 79 und 122 die völlige Umgestaltung desdeutschen Taubstummen-Unterrichts als eine Wirkung der Maßnahmen angenommen,welche die preußische Regierung zur Nealisirung der Graser'schen Vorschläge (s. unten)getroffen hat.
Als Gründer der deutschen Schule gilt der Sachse Samuel Heinickc,