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9 (1873) Spanien - Vives
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Tanzen.

und demselben Schullocale vollkommen unbedenklich, ja unter Umständen förderlich; abereine Vereinigung von Knaben und Mädchen im Tanz halten wir für unpassend undbedenklich; denn sie ist unnatürlich. Es ist eine feine Ordnung Gottes, daß sich diebeiden Geschlechter vor Entwicklung der Pubertät nicht suchen, sondern eher abstoßen.Einem gesunden Knaben sind die Mädchen mit ihrer gefühligcren Weise gleichgültig,wenn nicht gar zuwider; er spielt ihnen wohl^noch gelegentlich einen Schabernak, undauch Mädchen mit ihrem natürlich feineren Wesen wollen gewöhnlich nichts von denwilden Knaben. Wo das anders ist, ist es Ausnahme und nicht selten ein Zeichen, daßwohl schon vorzeitig eine unkindliche Lüsternheit angeregt, die Hcrzensunschuld angetastetsein dürfte. Ist das aber noch nicht geschehen, so ist ein solcher Maientag der besteWeg dazu. Man hat Beispiele, daß solch ein jungerMaikönig" mit seiner erwähltenMaikönigin" schon bis zur äußersten Grenze geschlechtlicher Vertraulichkeit vorschritt.Wohl mag bei vielen, vielleicht den meisten solcher Maienkinder ein sittlicher Schadennicht sogleich hervortrctcn; daraus^ folgt aber nicht, daß er nicht doch in der Tiefe desGemüths könnte genommen sein. Und kommen auch viele, ja, wir wollen annchmen,die meisten kraft jener der Jugend in Beziehung auf Geschlechtsverhältnisse cigenthümlichenglücklichen Gedankenlosigkeit unversehrt durch, so ist es schon bedenklich, etwas zu wagen,was einzelnen doch Aergernis werden könnte. Führet die Kinder nicht in Versuchung!Es verräth in der That bei manchen Eltern und Stellvertretern derselben, jenerglück-lichen Gedankenlosigkeit" der Kinder gegenüber, eine unglückliche Gedankenlosigkeit, einegänzliche Nichtbeachtung der Kindesnatur, daß man in Vergnügungen, die nur für Erwachseneeinen Sinn haben, auch schon die Unmündigen hereinziehen zu sollen meint. Es ist dieserpädagogische Misgriff um so unverzeihlicher, als sich, sobald man sich der Jugend undihrer Spiele nur pflegend annehmen mag, Unterhaltungen und Vergnügungen der pas-sendsten Art für Knaben und Mädchen darbieten, die ihnen in der ihrer Natur ange-messenen Sonderung eine reine und harmlose Freude ohne Stachel und Gift gewähren.

Aber wie ist es mit Festen der höheren Schulen? der Gymnasien, Alumnate,Seminarien? ArtikelSchulfeste" führt mehrere geschlossene Anstalten an, die in dasProgramm ihrer Feste auch das Tanzen mit ausgenommen haben, ja das K. Pädagogiumin Putbns feiert sogar kurz vor Beginn der Fastenzeit ein eigenes Tanz fest. Wenndort für geschlossene Anstalten, wo Unterricht und Erziehung unter einem Dache sind,ein anderer Maßstab gewünscht wird, als für Gymnasien, deren Schüler in Familienleben und somit den mildernden und bildenden Einfluß des Verkehrs mit dem weiblichenGcschlcchte genießen, so lasten wir das gelten, aber nicht sowohl ans dem angegebenenGrunde, da jeweilige, jedenfalls doch sehr seltene Tanzunterhaltungen diesen Mangel dochkaum ersetzen könnten. Das tägliche Leben in und mit der Familie und auch mit ihrenweiblichen Gliedern ist doch etwas ganz anderes, als so ein paar in der Aufregung desTanzens verbrachte Stunden. Nein wir möchten, wenn ja in solchen Anstalten je undje einmal getanzt werden soll, eher das Familienmäßige, dem sich doch immer solcheAnstalten möglichst anzunähern haben, in Len Vordergrund stellen und sagen: Was hieund da in einer Familie bei besonderen Gelegenheiten geschehen mag, daß sich die festlicheErregung Wohl auch bis zu etliche«: ehrbaren Tänzen steigern könnte, das möge auchder großen und allerdings künstlichen Familie solch eines Pädagogiums oder Alumnatszugelassen werden, daß sie es Wohl auch zu solch einer hüpfenden Blüte der festlichenGeselligkeit kommen lasse. Der Geist der Familie, das Auge des Dircctors, der Lehrerund ihrer Gattinnen wacht und waltet dabei und verbürgt auch den Geist feiner Zucht.Von C. Ritter, dem berühmtesten und geratensten Zöglinge Salzmanns, sagt sein Bio-graph Kramer, daß er als Schnepfenthaler-Zögling namentlich den Tanz geliebt habeund nicht selten von dem Vergnügen schreibe, das ihm die öfters veranstalteten kleinenBälle gewährt; und Ritter blieb doch ein reiner, frischer Jüngling. Und doch könnenwir, pädagogisch gesehen, kein rechtes Herz für die Sache fassen. Der Hauptleiter einersolchen Anstalt hat sic auf seinem Gewissen. Kann er es über sich gewinnen, wohl.