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Tanzc».
ehe er sicher geworden. Zweckmäßiger Turnunterricht gewährt alle Vortheile des Tanz-Unterrichts für Ausbildung des Körpers zu Anstand und Würde. Wo es sich, wie inden höheren Standen, um die Aneignung convcntioneller Formen handelt, wird der durchtüchtiges und zweckmäßiges Turnen vorgebildcte junge Mann dem Tanz- oder Ccremonicn-Meister, soll ein solcher noch zugezogen werden, keine schwere Arbeit mehr machen, namentlich,wenn neben dem Turnplatz auch der Spielplatz wohl benützt worden ist (s. Bewegungs-spiele). Turnübungen und gemeinsame Bewegungsspiele machen den Tanzuntcrricht fürKnaben und Jünglinge geradezu entbehrlich; denn was sonst die Unnatur mühsamcrsorgen und erarbeiten zu müßen glaubt, wird der Natur d. h. dem Gehorsam gegendie Gottesordnung in derselben von selbst zufallen. Bei diesem der männlichen Jugendangemessenen Tanzen wird auch neben der körperlichen Gesundheit, Kraft und Gewandt-heit jene Frische, jene Rüstigkeit und Munterkeit erhalten, die wir mit dem Namen derJugendlichkeit bezeichnen, der Blüte und Vorläuferin echter Mannheit, währendvom Tanzplatz aus leicht eine ungute Luft weht, die der frischen Idealität der JugendEintrag thut.
Aber wie nun bei unseren Töchtern? Der weibliche Charakter ist mehr auf einsittlich-stilles Wesen, ans eine freundliche Erscheinung und amnnthigc Haltung und Be-wegung angelegt. Man hat im Interesse der Gesundheit, Erstarkung und Vorübungfür die künftigen Geschäfte des Hauses auch die weibliche Jugend auf Turnplätze gezogen,wenn auch getrennt von Knaben und Jünglingen; allein es geschah und geschieht diesoffenbar auf Kosten der Weiblichkeit.*) Mögen immerhin hie und da Mädchen vongesundem Wesen bis an die Grenze der Kindcrjahre hin eine gewiße knabenhafte Wildheitund Neigung auch zu Knabenspielen zeigen, unbeschadet einer späteren echt weiblichenCharakterentwicklung, die Regel erfordert für Mädchen doch nur Bewegungen, die wenigerauf Stärke als auf gefällige Harmonie der Kräfte, auf Anmuth hinziclcn, und hierreden wir der tanzmäßigen Bewegung, dem Neigen mit anmuthigen taktmäßigcn Ver-schlingungen, den Singctänzen, und was sonst die neuere Erziehung als Parallele desTurn- und Spielplatzes für die weibliche Jugend bereits ersonnen hat, entschieden dasWort. Tanz ist vorzugsweise eine weibliche Kunst. Man hat von einem tanzenden Manuimmer den Eindruck, er vergebe dadurch, und wäre er „der Gott des Tanzes," wie derberühmte Balletmcister Vcstris sich selbst nannte, etwas von seiner Manneswürde, wiedenn auch dasjenige Volk, in welchem das Wesen der Mannhaftigkeit vorzugsweise aus-geprägt war, die Römer, den Tanz für des Mannes unwürdig hielten. Wem alsodie Bewegung und Uebnng seiner Tochter, wie das Haus und der Umgang mit Gespie-linnen sie unter den Augen der Mutter bietet, für ihr gesundheitliches oder Bildungs-bedürfnis nicht genügt, der laste sie immerhin, wo möglich mit andern Töchtern, einenpassenden Unterricht genießen, sei es an einer öffentlichen Anstalt, sei es durch einenbesonderen Lehrer, nur daß dieser Lehrer kein Tanzmeister im gewöhnlichen Sinne desWorts sei, nicht ein bloßer Abrichter für den Tanzsaal und Ball, sondern ein Bildnerdes Leibes zu würdiger, anständiger Haltung, zu anmuthiger Bewegung desselben. Obsolch eine Tochter neben den für die Ausbildung des weiblichen Körpers ersprießlichentanzähnlichen Hebungen auch mit den heutzutage landläufigen Tanzartcn bekannt gemachtwerden solle, ist eine Frage, die sich in erster Linie nach ihrer gesellschaftlichen Stellungbeantworten dürfte. Fordert diese eine Kenntnis und eine gewiße Fertigkeit darin, somag sie das lernen, wie sie etwa um ihres Standes willen Französisch oder sonst eineSprache oder Kunst lernt. Sie trägt nicht schwer daran. Giebt Stand und Berufdarüber keinen Wink, so mögen es Vater oder Mutter Wohl verantworten können, wenndas Töchterlein je einmal sich eines Tanzantrags mit dem Geständnis erwehren muß: Ich
*) Wer Mädchenclassen bei Spieß oder Kloß hat turnen sehen, wird dem Mädchenturnendieser Art, welches den Tanzunterricht so ziemlich überflüssig macht, geneigter sein; vgl. d. Art.Leibesübungen S. 350—833. D. Red.