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9 (1873) Spanien - Vives
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Tanzen.

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gewonnen haben, auf die pädagogische Seite der Sache einzngehen und die Frage zu steilen:Wie hat sich die Erziehung dem Tanzen gegenüber zu verhalten? DieAufgabe derselben ist nach allem gesagten einmal: das Naturgemäße, das Wahreund Bildende in demselben zu pflegen, dann aber auch Naturwidriges, Falschesund Verbildendes, das sich hier einschlcichen könnte, zu beseitigen. Das eigentlich Natur-widrige und Gefährliche am Tanzen der Jugend ist aber die vorzeitige Vereinigung,in welche die beiden Geschlechter durch den Tanz, wie er gewöhnlich ge-trieben wird, gezogen werden.

Wenn sich im frühen Kindesalter die hüpfende Bewegung, in welche die junge, sichentwickelnde Kraft hinaustreibt, zur Takt- und Regelmäßigkeit eines Tanzes gestaltet, soist das so natürlich, als wenn die Lebensfreude im Jauchzen oder Singen ausbricht, sounschuldig und harmlos, daß Vater und Mutter mit dem besten Gewissen dem Ringe-reihen der Kinder Zusehen, ja sich unter Umständen, den Kindern ein Kind werdend, selbstmit einmischen mögen. Wenn sich im Frühling auf der Wiese die Worte des altenMinnesängers erfüllen:

Es singen die Maidlcin in ihren Reihen:

Willkommen, Maien!"

und wenn die Maidlcin zur Begrüßung des Lenzes fröhliche Tänze aufführcn, sokönnte nur der offenbare Griesgram eine theilnchmcnde Freude versagen. Alle Spiele,die Gesang und Tanz verbinden, sind für jüngere Kinder sehr zweckmäßig. Sie erfreuendas Herz, stärken und bilden Körper und Stimme. Hier bedarf cs weiter nichts alsHalten über Ordnung und Maß des Vergnügens. Die Kinder sind da meist selbstihre Lehrmeister, wie auch sonst bei ihren Spielen im Zimmer wie im Freien. Undwas hier von Wichtigkeit ist bei Liesen Tanzspielen der Kinder ist der Unterschiedder Geschlechter ein verschwindender. Wohl sondert sich auch im Spiele frühe schondie Eigenart des Knaben und des Mägdleins, aber von den: Grunde dieser Besonderunghaben jüngere Kinder noch keine Ahnung. Mit dem fortschreitenden Kindesaltcr gehtdie Richtung der Neigungen und des Geschmacks bei beiden Geschlechtern mehr auseinander. Mit der Verschiedenheit der Beschäftigung und Arbeit, für welche Knabenund Mädchen herangebildet werden, stellt sich auch der Unterschied in ihren Spielen fest.Bei Knaben ist der Sinn mehr auf körperliche Stärke und Gewandtheit gerichtet. Starksein, stärker als andere, geschickt sein in allen Künsten, ist ihm Freude und Ehre.Welch ein Ansehen genießt unter den Knaben der stärkste, der kunstvollste!

Hierin liegt ein Wink für die Erziehung. Es gilt bei Knaben und Jünglingenvor allem Uebnng der leiblichen Stärke, Gewandtheit und Rüstigkeit. Der Turnplatz,der Spielplatz, das ist der rechte Tanzsaal für die männliche Jugend. Der Turnplatz;da wird zunächst die körperliche Kraft gestärkt, geübt, mit ihr zugleich aber auch dieAufmerksamkeit, die Selbstverleugnung, die Entschlossenheit, der Gehorsam, die Unter-ordnung unter ein die Ucbungen beherrschendes Gesetz, lauter Tugenden, die für denkünftigen Mann von hoher Bedeutung sind. Die pädagogische Fortbildung der von demPhilanthropen (Guts Muths) angeregten, von Jahn auch in den Dienst des Vaterlandesgezogenen gymnastischen Ucbungen kommt diesem Bedürfnisse unserer männlichen Jugendtrefflich entgegen. Die wohlbemesscncn und alle Glieder des Leibes ansprechenden Ucbungendes Spieß'schen, wie die auch für den kriegerischen Beruf des Mannes verbildendenUcbungen des Jäger'schen Systems sind trefflich geeignet, nicht nur die Kraft und Leistungs-fähigkeit von Händen und Füßen zu mehren, sondern auch dem ganzen Körper jeneBiegsamkeit, Geschmeidigkeit und Fügsamkeit zu geben, die ihn zu einem nie versagendenWerkzeuge des Geistes macht und zugleich zu jenem sicheren und anständigen Auftretenbefähigt, auf das sonst der Tanzmeister unter Verkennung der Knaben- und Jünglings-natur von vorne herein hinarbciten zu mäßen glaubt.Nur aus vollendeter Kraft blühetdie Anmnth empor," ruft Göthe dem Schlittschuhläufer zu, der schon zierlich sein will,