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Tanzen.
Baume mitten im Theater auf- und niederstiegcn. Da aber jetzt die eigentlichen undrechten Ballctkünste losgicugcn, wollte mir'» auch gar nicht mehr gefallen. Dachte an-fangs, es wären gar keine ordentlichen Menschen, die das machten, sondern große, aus-gestopfte Puppcnbälge, die einer an einem feinen Drahte zöge, weil ich meinte, solcheBewegungen würden sich für einen ordentlichen, lebendigen Menschen weder sonderlichschicken, noch würde sie auch einer, der ungebrochene Knochen hat, machen können. —Gefiel mir auch nicht einmal, so lang ich dachte, es wären Puppenbälge, denn so etwassteht nicht schön ans. Da ich aber hörte, cs wären ordentliche, lebendige Menschen,mochte ich vollends gar nicht mehr Hinsehen, schämte mich nur vor den Leuten, daß ichda auch mit hcreingcgangen war, und gicnge ein andermal lieber zehn Stunden weit um,che ich an einem solchen garstigen Pnppentanz Vorbeigehen möchte." So ein Mann,der, wie wenige, einen offenen, feinen Sinn für jede Schönheit der Natur undKunst besaß.
Wenn nach alle dem das Tanzen schon vom Standpunct natürlicher Sittlichkeitaus, obwohl an sich harmlos, doch sein Bedenken hat und nur mit Vorsicht und ingcwißcn Schranken geübt und genossen sein will, so wird dieses Bedenken sich eher nochsteigern, wenn cs sich um den christlich-sittlichen Standpunct handelt. DasChristcnthnm ist der Kunst an sich so wenig feindlich, daß diese vielmehr gerade durchjenes erst die rechte Weihe empfängt. Im Dienste des Heiligen erreicht auch dasSchöne seine edelste Bestimmung, den Menschen in herzerfrcucnder Weise über die Ge-meinheit des Lebens zu erheben. Wenn sich die Frage so stellt, ob ein wahrer Christauch ausübender Künstler von Beruf in der Tanzkunst sein könne, so wird das,falls die betreffende Person in ihrer Lebensführung auf diesen Weg gewiesen worden,nicht zu bestreiten sein. Hat ja der h. Antonius auf seine Bitte, daß der Herr ihmden frömmsten Christen in Antiochien zeigen möge, diesen in einem Schauspieler erkennenmüßcu. Sonst aber dürfte doch bei dem Tanze der Umstand, daß der Tanzende seinenganzen Leib zu dem aufzuführenden Kunstspiele hergiebt, einen Unterschied zwischendieser Kunst und den andern begründen. Der Leib des Christen hat den Beruf, einTempel Gottes zu sein (1. Cor. 3, 16 und 6, 19). Ob diese Forderung auch imTanzen zu ihrem Rechte komme, wird am Ende doch davon abhängen, ob das Tanzenwirklich zur Ehre Gottes diene und im Namen des Herrn Jesu geschehen könne. Einehrbares Weltkind wird in einer gewißen Unbefangenheit, ja Unschuld über mancheshinüberkommen, was dem, der sich als Eigenthum Christi weiß, für sich nicht zuläßigerscheinen mag. Wir erinnern uns zweier Töchter aus gebildeten Ständen, beide erweckt,beide von ihren sie nicht verstehenden Müttern zum Ball gedrängt. Die eine brachteden Widerstand ihres christlichen Gewissens der Mutter zum Opfer um des Herrn unddes vierten Gebotes willen und tanzte, wider ihr Herz, in heiligem Gehorsam; dieandere glaubte hier dem Herrn mehr als der Mutter zu Willen sein zu müßeu, undblieb, sonst in allem eine gehorsame Tochter, hierin bei ihrem Nein — in heiligemUngehorsam. Wir wägen hier nicht ab, welcher von beiden die Palme gebühre; aberes mag sich daran zeigen, in welch ernste Wahl ein christlich gestimmtes Gemüth durchdie Frage wegen des Tanzcns versetzt werden kann. — Der oben angeführte klarblickende Schwabe, ein Mann von seltener Einsicht und Thatkrast, der Gründer derwürttembcrgischen Gemeinde Kornthal, erlangte seinen ersten entscheidenden Sieg überseine Welt auf einem Tanzboden, wohin er sich als schon erweckter Jüngling hattelocken lassen. Er siegte, indem er mitten aus dem Tanze unter Hinterlassung seinerKappe floh. Wer einmal ernstlich entschlossen ist, sich in allem durch den Geist Gottesleiten zu lassen, der wird sicher der Tanzlust, wie jeder andern eitlen Lust, entsagen undwird so wenig mehr seinen ganzen Leib zu dem eitlen Spiele des Tanzes hergeben wollen,als er etwa seinen Mund zum Sprechen eines leichtfertigen, wenn auch formschönen Gedichtsoder Gesangs hergeben wird. Daß auf dem gemeinen Tanzboden ein gut Stück derberSinnenlust und in dem Ballsaale ein gut Theil von dem zu Tage tritt, was unser