Tadel.
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kung hat. Eine besonders zu vermeidende Art der Geringschätzung ist der Spott, derden Getadelten dem Gelächter Preis giebt, eine Stellung, welche von schwächeren Charak-teren, daher namentlich auch Kindern, meist schwerer ertragen wird, als eine zu harteZüchtigung. Nicht als ob die Ironie als Erziehungsmittel gänzlich zu verwerfen wäre;aber sie muß mit viel Vorsicht und mehr in heiterer als strenger Weise zur Anwendungkommen, wenn sie ihren Zweck nicht verfehlen soll. — Fraglich kann cs erscheinen, obder Vorwurf der „Dummheit" als Tadel zulässig sei, da hicmit zunächst doch, wie csscheint, eine Beschränktheit der geistigen Anlage bezeichnet wird, für welche der Einzelne nichtverantwortlich ist. Allein in Wahrheit ist damit vielmehr der selbstverschuldete Nichtgcbrauchder wirklich vorhandenen Urtheils- und Leistungskraft als das von oben Gegebene gemeint.Ein schwachbegabtcr Mensch, der seine Kräfte treu gebraucht, erscheint nicht dumm, auchwenn er auffallende Fehler begeht; der Gesammteindruck seines Thuns wird durch densittlichen Ernst unterstützt und vor Geringschätzung bewahrt. Hinsichtlich des Gebrauches'der vom Tadel zu machen, ist ferner Sparsamkeit eine wesentliche Bedingung seinerWirksamkeit. Während die Ausstellung die Leistung des Zöglings ununterbrochen be-gleitet , und bis ins Kleinste sich erstreckt, darf der Tadel wie das Lob nur verhältnis-mäßig selten zur Anwendung kommen. ") Wird die Willensthätigkeit des Zöglingsdurch ein mit Verwerfung verbundenes Urthcil allzuhäufig in Anspruch genommen, sofolgt Abstumpfung und Erschlaffung. Das zu häufig beleidigte Selbstgefühl ebenso wiedas zu unzart geweckte Gewissen findet sich in die Erfahrung solcher Hemmungen undgeht in Gleichgültigkeit oder Mistraucn gegen sich selbst über. Wie die durch Lob oderBelohnung über sich selbst und andere emporgehobene Persönlichkeit Gefahr läuft, imWohlgefallen an sich selbst die sittliche Spannkraft zu verlieren, welche durch die Er-kenntnis von der Höhe der Aufgabe gewonnen wird, so geht andrerseits durch die stets sicherneuernden Eindrücke von der Unzulänglichkeit der eigenen Person und Leistung noth-wendigerweise die Zuversicht, das Ziel zu erreichen, verloren. Schließlich ist es einedurch das Beispiel Christi und der Apostel, besonders auch des Paulus, geheiligte Regel,nicht eines ohne das andere wirken und insonderheit eher dem Tadel das Lob voran-gehcn zu lassen, als umgekehrt, denn durch das Lob wird das Herz für den Tadel ge-öffnet; das dem Tadel nachfolgende Lob wird entweder nicht mehr angenommen oderes bleibt als letzter Eindruck stehen und wirkt eine Selbstbefriedigung, die nicht beab-sichtigt war. *) **) G. Lcchlcr.
Tafelrechnen s. Rechenunterricht.
Takt s. Erziehungstalent.
Taktschreibrn s. Schreibunterricht.
Talente s. Anlagen, Erziehungstalent, Genie, MädchenerziehungS. 492 f.
*) Es gehört zur Erzicherweiöhcit, an der rechten Stelle auch einmal etwas übersehen zukönnen, nicht unerbittlich alles zu bemerken und zu rügen. D. Red.
**) Vergl. den Artikel Schulstrafcn S. 282 ff. Strafe S. 299. Ein treffliches Wortaus Kühner Pädagog. Zeitfragen (Frankfurt 1863. S. 69) können wir uns nicht ver-sagen anzuführcn. Er redet dort von der Liebe der Mutter als dem hütenden Engeldes Kindes und sagt: „Eine solche Liebe spricht mit Ton und Blick, aber wenig aus zärtlichen,noch weniger aus verzärtelnden Worten. Sie ist kurz im Tadel, noch kürzer im Lob; siestraft durch Schweigen schmerzlicher, als durch Zanken, und lohnt durch ein Lächeln mehr, alsdurch Worte." Ebendaselbst S. 26 führt Kühner aus der elastischen Schilderung des altenFamilienlebens von Fr. Jacobs (Personalien S. 7) eine Stelle an, welche die beste Würdi-gung der Strafpredigten enthält, wo er sagt: „Die Achtung, welche die Eltern den Kinderneinflößten, ersparte jenen viel Ermahnen, Lehren, Predigen: das wohlfeilere, meist aber kraft-lose Surrogat der praktischen Erziehungskunst." D. Red.