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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Tadel.

Tabellarische Methode s. Felbiger.

Tachygrahhie s. Stenographie.

Tadel das misbilligende, meist auch einen sittlichen Vorwurf in sich schließendeIlrtheil über die Leistungen eines andern in Wort und That, bildet die Vorstufe dereigentlichen Strafe und unterliegt daher denselben Grundsätzen, wie diese. Er ist vonder Ausstellung darin verschieden, daß letztere bloß ans das Zurückbleiben der Leistunghinter dem Muster, dem Vorgesetzten Ziele ihr Augenmerk richtet, während der Tadelschon die Person des Leistenden mit ansicht, das Mangelhafte seines Thuns aus einenMangel an sittlichem Willen zurückführt und ihn also beschämt. Der Tadel ist dasGegenstück zum Lob (st d. Art.), wie die Strafe zur Belohnung. Er sucht die Willens-kraft der Persönlichkeit, an die er sich wendet, zu Wecken, hat also nicht nur die genaueAbwägung sowohl des persönlichen Könnens und Vermögens, als der gestellten For-derung zur Voraussetzung, sondern ist auch mit besonderer Erwägung der möglichenFolgen anzuwenden. In ersterer Beziehung wird es namentlich darauf ankommen, daßder zu Tadelnde sich seines verschuldeten Zurückbleibens bewußt sein kann, also dieUeberzengung von der Gerechtigkeit des ihm gemachten Vorwurfes habeu muß. *) Dadiese Bundcsgeuossenschaft des Gewissens nicht immer wirklich vorhanden ist, vielmehr,wie bei jeder Strafe, so auch beim Tadel die Selbstgerechtigkeit und Eigenliebe denEingang zu verschließen sucht, so ist die Anerkennung der Gerechtigkeit des ausgesprochenenUrtheils von Seiten des davon Betroffenen nicht schlechthin zu erwarten, vielmehr wojene nicht erfolgen will, -r papu muls Intormuto molius inkormunäum zu appellirenund die Empfindlichkeit, welche den Tadel entweder offen zurückweist, oder durch dieZeichen der Verstimmung ihm Schranken zu setzen hofft, geradezu als ein weiterer Zeugefür die Berechtigung des Tadelnden zu behandeln. Denn die bescheidene Selbstachtungdes Menschen, die sich in dem ruhigen und ehrerbietigen Versuche der Rechtfertigung undEntschuldigung ausspricht, geht niemals bis zur persönlichen Misstimmung, selbst wennder Tadel unverdient war. Aber ein gerechter, in den Formen der Mäßigung ange-brachter Tadel wird von einem sittlich richtig verfaßten Gemüthe als Wohlthat empfun-den. Der Gerechte schlage mich freundlich und strafe mich; das Wird mir so wohl thnn,als Balsam ans meinem Haupte (Ps. 141, 5.). Der Empfindliche aber verbindet dasInteresse seiner Person mit dem gemachten Fehler; die Beseitigung des Fehlers erscheintin dem verkehrten Spiegel seiner Selbstliebe wie eine Aufhebung seines gestammten per-sönlichen Werths. Andrerseits hat der Tadelnde eben die Persönlichkeit an sich vondem einzelnen Gebrechen oder Fehler zu unterscheiden. Der Tadel darf nicht persönlichwerden, wenn es sich nur um eine Leistung, um eine Acußerung der Persönlichkeithandelt. Er richtet sich nur auf den einzelnen Willensact, nicht auf den Willensgrundund auf die sittliche Gesammtrichtung der Person, und selbst wenn es sich um einegänzliche Veränderung der sittlichen Lebensrichtung des Getadelten handelt, so muß derTrieb zum Guten als das eigentliche, wesentliche Selbst des Menschen, das Schlimmeals etwas hinzugekommenes, dem besseren Ich selber lästiges und widerstrebendes voraus-gesetzt werden. Diese Voraussetzung giebt dem Tadel jene wohlwollende Art, durchwelche er sich einem der Wahrheit nicht ganz entfremdeten Gemüthe als eine Wohl-that empfiehlt, während jedes Zeichen von Geringschätzung oder gar Verachtung, jedeBitterkeit (oäium uwori mixtum sagt Bengel) und Grobheit die entgegengesetzte Wir-

nicht entscheiden. Aber an der Sendung von Cigarren an die deutschen Krieger in Feindeslandim Wintcrfeldzuge 18701871 hat sich auch mancher Gegncrsdes Rauchens bethciligt und dabeian den strengen Dienst gedacht, der so oft eine äußere Unthätigkeit bei voller Wachsamkeit undBereitschaft zum Handeln erforderte und durch den Genuß einer Cigarre erleichtert werden konnte.

D. Red.

HEin einziges Wort ungerechten Tadels schadet mehr, als hundert Worte gerechten Tadelswieder gut machen." (Curtman). D. Red.