Talmkrauchcn.
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Die anderen Wunderlichkeiten des Burschenlebcns ließ man zurück, der Rauchzopf bliebihnen hangen. Während die rauchenden Burschen durch ihren Vorgang nach der einen SeiteVic lüsterne Jugend der Schulen nachzog, gaben die ans jenen hcrangcwachscnen Väter,Beamten, Gelehrten, Lehrer und Geistlichen das Beispiel für die weiteren Kreise der Jugend.Was die Studenten nicht thatcn, das vollbrachten die Kriegs lenke, indem englische,spanische und holländische Hülfstruppcu die Ranchsenche (1622 und 1626) an den Rheinverschleppten, von wo sie sich aus dem Lager vollends in die Niederungen der Gesellschaftergoß. Aber der Vorgang der Universitäten und damit der Träger geistiger Bildungist ein Hanptsactor in der Verbreitung des Rauchens.*) Soll unser Volk wieder vondem Nauchgeiste, der über dasselbe gekommen ist, erlöst werden, so muß die ganzeSache eine rückläufige Bewegung cinschlagcn, und diese läßt sich entweder nie oder nurdann erwarten, wenn sich die durch Bildung und Stellung maß- und tonangebendenMänner entschließen, zum Besten der Jugend, der „Hoffnung der künftigen Zeiten," inmannhafter Selbstüberwindung zu thun, wozu sie ohnehin schon ihr moralisches odergesundheitliches oder ästhetisches oder ökonomisches Gewissen je und je anfgcfordert habenmag, nämlich ihre Cigarre, den kleinen, aber unwürdigen Liebling, ans demAltar des Vaterlandes zu opfern.
Manchen gewohnten Rauchern sollte dieses Opfer nicht eben schwer fallen; denndie Entschuldigung: „Ich bin kein starker Rancher, ich kann es jeden Tag lassen," läßtsich oft hören. Jsts wirklich ein Kleines, warum cs nicht der Jugend zuliebe thun,für die selbst ein Heide eine reverentm, eine gewiße heilige Hochachtung in Anspruchnimmt? Und gilt es einer schon verrauchten Natur, so kann der Arzt mit Gottes Hülfeüber die Klippen helfen. Rein ab! so ist's am besten. Die Wirkung ans Jugend undRanchwelt kann naturgemäß keine plötzliche oder wesentlich in die Augen fallende sein.Im schlimmsten Falle bleibt das Bewußtsein, das Seine gethan zu haben.**)
B. Strebet.
*) Den Kamps gegen das Rauchen bei der Jugend nahm eine Zeit lang, leider nicht mitnachhaltigem Eifer, das Turnen auf. F. B. Jahn sagt in seinem bekannten Buch: die deutscheTurnkunst. Berlin 1816. S. 217, wo er von den Pflichten des Turnlehrer« spricht: „Ein Turn-lehrer muß der Jugend kein böses Beispiel geben, weder auf noch außer dem Turnplätze, sichwährend der Turnzcit aller solchen Genüsse enthalten, die der Jugend nicht geziemen, z. B.Tabakrauchcn, Schnaps trinken n. a. dgl. und demgemäß nahm die Stuttgarter Tnrngcscllschaftin ihre gedruckten Statuten noch im Jahr 1832 einen Paragraphen ans, welcher lautet: Aner-kennend, daß das Rauchen körperlich nachthcilig ist und als erkünsteltes Bedürfnis dem Zweckeder Gesellschaft widerspricht, erklärt diese, daß auf dem Turnplätze gar nicht, auf Turn-zügen wenigstens nicht von Turnern und Gästen gleiches Alters geraucht werden darf.
D. Red.
Da die Mitglieder der Rcdaction in ihren Ansichten über den Gegenstand dcö obigenArtikels thcilwcise selbst nicht mit einander übercinstimmen, so haben wir den Artikel unseremgeehrten Herrn Mitarbeiter, dem Verfasser der „Rauchherc," in der Absicht übertragen, daß gegendas Rauchen der unmündigen Jugend, wie denn auch geschehen ist, ein nachdrückliches Wortgesprochen werde, und wir hoffen, daß in dieser Richtung obiger Aufsatz auch die Zustimmungder Rancher finden sollte. Für das Nrtheil über das Rauchen der Erwachsenen ist wohl dieFrage die entscheidendste: ist der Rancher mit voller oder auch nur mit überwiegender Nothwen-digkeit ein Gebundener in dem Sinne wie das Wort S. 350 f. gebraucht ist? Gegen die Bejahungdieser Frage erheben die einen energischen Protest, und ein Blick auf die vielen sittlich chren-werthcn Männer, die wohl jeder von uns unter den ihm bekannten Rauchern weiß, und dienicht seltenen Beispiele von hervorragenden, in weiteren Kreisen wegen ihrer sittlichen Lauterkeitund Frömmigkeit hochgeachteten Männern, die dem gewohnheitsmäßigen Rauchen ergeben warenund sind, mag auch ein Nicht-Rancher Bedenken tragen, jenes Ja ausznsprechcn. Die anderngeben in Bezug auf sich selbst zu, daß sic das Rauchen nicht lassen könnten, und viele habenschon aus diesem Grunde den eigenen Söhnen gcrathen, hierin nicht in ihre Fnßstapfen zutreten. Den Streit, ob das Rauchen unter die aäiapbora gehört, oder nicht, werden wir hier