Tabakranchrn.
355
lichcn Ranckvorwitze scharf und schonungslos entgegenträte? Wir sorgen, es dürfteleicht bei eigener Verstrickung im Netze des Ranchdämons an dem dazu nöthigcn guten,freien Gewissen fehlen. Daher dürften die Rauchverbote an Schulanstaltcn Wohl auchmeist zu denjenigen Gesetzen zählen, die nicht gehalten werden, sondern mehr anstands-halber in den Statuten stehen. — Leichter ist die Handhabung des Rauchverbots inAnstalten, wo Unterricht und Erziehung auch äußerlich verbunden sind, wie in Semi-naricn und eigentlichen Erziehungsanstalten. Dafür ist aber bas nähere Zusam-menleben der Zöglinge mit den Lehrern, die etwa dem Ranchgenuß huldigen, um soversuchlichcr, und der gereizte Vorwitz wird um so erfinderischer werden, sein Gelüsten,wo er cs machen kann, zu büßen und zu verbergen.
Wir kennen nur ein Mittel, dem Nauchvorwitzc der Jugend wirksam entgcgcn-zutreten. Dieses wäre: daß die Männer, welche zuerst der Jugend znmVorbild gesetzt sind, selbst nicht rauchen. Es ist dies allerdings ein „heroi-sches Mittel," cs hat den Heroismus der Liebe zu Volk und Vaterland undnamentlich zur Blüte desselben, zu seiner Jugend zur Voraussetzung. Aber sollten wirdenn dazu kein Recht haben ? Wenn unsere schon mehrfach angedcutete Annahme richtigist, daß sich das Heer der Rancher wesentlich aus der Jugeud ergänze, und daß dievorgreifende Nachahmung des Mannes dabei die erste und mächtigste Triebfeder sei, sogäbe es sicherlich kein wirksameres Mittel, als dem Knaben und Jüngling thatsächlich zuzeigen, daß man ein rechter Mann sein könne ohne Dampf. »Verba clocont, cxsmpla tra-lmnt.« Diese ziehende Macht des Beispiels hat seinen Grund im Wesen der Jugend, diesich der ihr bestimmten Größe entgegcnstreckt. Vater Zeller in Benggcn sagt: „Je we-niger der Mensch ist, was er werden soll und werden möchte, je mehr er auch dieses
suhlt, je unmittelbarer seine Eigenthümlichkeit noch ist, desto mehr treibt ihn der Nach-
ahmungstrieb, sich nach dem zu richten, was er an Besseren, Aelteren, Stärkeren, Ge-schickteren und Erfahreneren sieht und hört." Schon dadurch ist es erklärlich, wie mandurch bloßes Beispiel und Vorbild auf junge Leute wirken könne. Je besser, je stärker,je geschickter, je achtuugswcrther der Mann in den Augen der Jugend ist, desto stärkerwird die ziehende Macht seines Vorgangs sein znm Guten, desto verführerischer aberauch in Beziehung auf Schwachheiten oder gar Untugenden, die dem Manne anhangen,zu deren Entschuldigung und — Nachahmung.
Die nächststehenden Ur- und Vorbilder für unsere Söhne find ihre Väter, ihreLehrer, ihre Seelsorger. Raucht der Vater, so wird in den allermeisten Fällender Sohn auch rauchen; höchstens kann er ihn bis zu einer gcwißcn Zeit zurückhalten.Zu weiterem fehlt ihm die innere Vollmacht; es bleibt ihm nur etwa ein ohnmächtigerguter Rath (R. H. 91 w.). Rauchende Lehrer sind immer auch — sie mögen eswollen oder nicht — Rauchlehrer für ihre Schüler (R. H. 94). Rauchende
Pastoren führen ziemlich sicher auch ihre jungen Schafe ans die Auen, wo die llerba
Uicotiana wächst: sie, ans deren Vorgang mit Recht die Jugend achtet und die ein be-sonderes Recht hätten zn sagen: Seid unsere Nachfolger! sind die wirksamsten Missio-nare des Rauchcrthnms (R. H. 96). Dieselbe Macht aber, die das böse Beispiel hat,kommt auch dem guten zu, wenn es gleich in der Art der Menschenkinder liegt, denbösen mehr Einfluß über sich cinzuräumen, als den guten.
Wenn Väter, Lehrer, Prediger des Evangeliums cs über sich gewinnen wollten,mit Pfeife und Cigarre rund und für immer zu brechen, ja, wenn sich auch sonst nochMänner von Achtung gebietendem Stand und Charakter entschließen wollten, der kleinenTyrannin aus Rücksicht auf die Jugend den Dienst aufzukündcn, die Zahl der rauch-lustigen Knaben, der rauchenden Jünglinge würde sich sicherlich mehr und mehr mindern;Oossante causa cessat, etkectns. Und damit geschähe nicht bloß der Jugend, sondernauch dem Volk und Vatcrlandc, falls wir mit unserer Anschauung von der Sache nichtganz im Jrrthum sein sollten, ein nicht ganz unwichtiger Dienst. Denn die Verbrei-tung des Rauchens bewegt sich gewißermaßen in einem Zirkel. Rauchen die Männer,