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Tabakraucher,.
welchem Grade sittlicher Fühllosigkeit und Rücksichtslosigkeit der Tabak seine Vasallenknechten kann. Wenn dann derselbe Erlaß ohnehin erwartet, daß die Geistlichen inder Ueberzcugnng von der Unschicklichkeit der Sache den Schullehrern kein übles Beispielgeben, so läßt sich zwischen diesen Zeilen sogar noch weiteres lesen.
So läßt sich manches verbotsweise gegen den Ranchnnfug thun: aber im großenund ganzen ist doch der bloß äußerlich-gesetzliche Widerstand gegen den luftigen Feindvergeblich. Alle Rauchverbote haben sich im Laufe der Zeit als machtlos erwiesen.
Anderes ist das bei der Jugend. Sie, die zunächst und am meisten gefährdete,steht noch unter dem elterlichen Einfluß und in den höheren Lehr- und Erziehungsan-stalten in der Regel bis znm 18. Lebensjahre unter der sittlichen Uebcrwachnng ihrerLehrer und Erzieher, und ist daher mit Belehrung sowohl als directem Verbotenoch zu erreichen. Der letztere Weg ist denn auch schon vielfach eiugcschlagen worden.Tie meisten Gymnasien, Seminare, Alumnate, Kloster- und Fürstcnschnlcn und sonstigefür das frühere Jünglingsalter bestimmten Jugendanstalten führen in ihren Statutenauch Rauchverbote. Preußen hat sogar im Jahre 1856 ein Rauchverbot für allejungen Leute unter 16 Jahren erlassen. Allein wenn irgendwo, so dürfte dem Tabakgegenüber das bloße Verbot unzulänglich sein und eher noch nach dem bekannten „Mti-mnr in votitum" manchen zur Uebertretung reizen. Wir haben es aus dein Mundeines württcmbcrgischen Pfarrvicars, daß er im niederen Seminare geraucht habe,weil es verboten war, und aus dem Munde eines Pfarrers, daß er das Rauchenim höheren, wo es erlaubt war, gelassen. Wie das „Tubaken" im Volke durchalle Rauchverbote der weltlichen und geistlichen Obrigkeit nicht zu dämpfen war, sowird man es auch Lurch bloße Gesetze bei der vorwitzigen Jugend nicht dahin bringen.Gegen Rauch hilft kein Schlagbanm. Für die bloße Lehranstalt ist es immerhinmislich, Verbote zu erlassen über Dinge, die gewöhnlich außerhalb ihrer vier Pfählegeschehen, die sich ihrer Beobachtung und darum auch Bestrafung leicht entziehen, jadurch die man sogar mit der elterlichen Erziehung und Aufsicht sich verwickeln kann.Was wollte denn die Schule mit Schülern anfangen, deren sclbstrauchende Väter dieSache leicht nähmen, ja den Sohn von der Confirmation an als „Mündigen" selbstmit der Pfeife bewehrten? Strafen? Entlassen? — Wohl, bllut justitirr! Aber waswird die Strafe wirken, wenn der Gestrafte weiß, daß seine Richter die Sentenz gegensein Vergehen selbst mit der Cigarre im Munde gesprochen haben mögen? — „Siesind Männer," sagt man, „und Buben dürfen nicht alles beanspruchen, was Männertreiben!" — Wohl; bei andern Genüssen und Freiheiten, sie mögen Nahrung oder Er-holung betreffen, weiß der junge Mensch gar Wohl zu unterscheiden zwischen Vaterund Sohn, Lehrer und Schüler, Meister und Jünger; er weiß und glaubt, daß ihmnicht alles zusteht, was jenem. Aber mit dem Tabakraucher» ist's denn doch in seinenAugen ein anderes. Das ist nicht eine ernsthafte Function des Bedürfnisses, das istihm mehr ein Spiel, und zum Spielen hat der Knabe so gut, ja fast mehr noch ein Rechtals der Mann! Das Pikante, Seltsame, ja Komische, das im Trinken eines untrinkbarenDinges liegt, übt gerade auf die Jugend einen gewaltigen Reiz. Sie sieht den Mannmit dem Rauche so behaglich spielen, warum sollte sie es nicht auch? Ziehen doch oftkleine Kinder die Cigarre schon in den Bereich ihrer Spiele. Im Mai 1870 branntenzu Bremen mehrere Packhäuser ab im Werthe von etwa 1 Mill. Thaler, weil 4—6jäh-rige Kinder Raucherles gespielt und ein Zündhölzchen nach Anzündung der Cigarre bei-scits geworfen, im Juni desselben Jahres wurden zu Elchingcn in Württemberg 40Gebäude ein Opfer des Rauchspiels, indem Kinder mit Hölzchen spielten, welche Cigarrenvorstellten. Wer trägt da eigentlich die Schuld? Die großen oder die kleinen Feuer-spielcr ?
Und wenn es sich in Lehranstalten um consequentc Ausführung des Rauchverbotshandelt, werden die Lehrer, welche selbst und vielleicht auch schon von jungen Jahren Her-der Cigarre stöhnen, jenen sittlichen Zorn der Liebe im Herzen tragen, der dem jugend-