Tabakrauchcn.
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Höhung bedürftig gemacht werden muß. Der gesunde Mensch von Bildung bedarf einersolchen künstliche» Stimmung zum Genüsse seines Daseins nicht. Was er bedarf, dashat der Schöpfer schon bedacht und besorgt, indem er nicht nur die rührige Arbeit,sondern auch die Befriedigung des natürlichen Bedürfnisses von Speise und Trank miteinem Gefühl des Behagens verbunden hat, das bei besonderen festlichen Anlässen durchGüte und Menge des Nahrnngsstoffes in gcwißen Grenzen zu steigern, ihm kein stoi-scher Sittenrichter verwehren soll. Jenes beständige Gerciztsein- und Schwelgen-wollenaber in erhöhtem Lebensgefühl, jene sinnlich-seelische Wollust, in die sich der Raucherimmer wieder versenkt, jenes fortgesetzte Haschen nach Genußseeligkeit riecht so stark nachEpikurs Apotheke, daß sie einen Mann von gesunden Sinnen und Sitten anwidernmuß, wie sie denn auch thatsächlich ihr Nrthcil empfängt und wenn auch in mildererForm als dies bei den Branntwein- oder Opinmslüstlingen der Fall ist, in ihr Gcgen-theil umschlägt, in Unlust und Stumpfheit. Denn starke Raucher sind (nach Tiede-mann) „meistens indolent, gleichgültig, thcilnahmlos und phlegmatisch/' stellen also dasgerade Gegentheil eines erhöhten leiblich-seelischen Daseins vor Augen. — Wenn aberdas „Tubaken" als ein Vorzug des civilisirten Menschen geltend gemacht werden will,so steht dieser Meinung abgesehen davon, daß man auch von rauchenden Assen weiß,die Erfahrung entgegen, daß diese Sitte auch unter civilisirten Völkern von vielen rohenLeuten, unter den Völkern überhaupt aber durchaus nicht bloß von den civilisirten geübtwird. Die Culturvölker des Alterthums kannten sic nicht, dagegen trieben und treibensie die Völker der Uncultur, von Hottentotten und Kaffern bis zu den Eskimo, vonden westafrikanischen Negern bis zu Len Menschenfressern Australiens mit den civilisirtenVölkern um die Wette. Damit wird auch das Fündlein gewißer Vertheidigcr desTabaks, als verlange das erhöhte Nervenleben gebildeter Völker einen Zuschuß vonReiz und Beruhigung, wie ihn der Tabak böte, zur Seifenblase. Die UrbewohnerAmerika's, denen wir das Rauchen abgelernt, könnten uns da schon eines andern be-lehre». Eher könnte der merkwürdige conssnsus Zmrtinm in diesem Stücke, das Rauchenroher und gebildeter, Lummer und gescheidter, schwitzender und frierender, heidnischer undchristlicher Völker uns auf ein gewißes Urbedürfnis hinleiten, das eben im Ranch desTabaks seine Befriedigung fände, wenn nicht auch in andern bedenklichen Dingen einsolcher eousonsns bestände.
Kurz, wohin wir blicken, ins Große oder Kleine, in das Leben der Völker oder derEinzelnen, der Erwachsenen oder der Jugend, wir finden im Tabak einen höchst ver-dächtigen Freund, der, wie ein Mephistopheles, als Diener und Heiland sich einschleicht,um sich früher oder später als Hexe, als Tyrann und Verderber zu entpuppen. DerTabaksrauch liegt wie eine Wolke böser Dünste über unserem Volke. Das legt unsdie Frage nahe:
3. Wie mag dem Ranchschaden gesteuert werden? Die Antwort ans dieseFrage ist hauptsächlich pädagogischer Natur. Dem Rauchen der Erwachsenen gegen-über ist außer dem Worte der Belehrung jede Position ein verlorener Posten, und selbstdas Wort der Belehrung stößt meist, auch wenn cs offene Ohren fände, aus einen gebun-denen Willen. Die Sitte setzt noch da und dort ihre abwehrenden Schranken in Rathhän-sern, Kirchen, Ständekammern, in feineren Gesellschaften, Besuchszimmern, Concertenn. dgl.; der Staat könnte durch Besteuerung des offenbaren Luxusartikels zu mäßigeremGebrauche nöthigcn; die Polizei kann die Frauen und die nicht rauchenden Männergegen die Rücksichtslosigkeit der Ranchbläser hie und da durch Sortirung schützen (wieEisenbahn), eine Wohlthat, die auch die nicht rauchenden Zöglinge von Anstalten fürStndirende ihren rauchenden Zimmergenossen gegenüber von der Hauspolizei billig be-anspruchen könnten (Predigerscminar, theologisches Seminar in Tübingen w.). Daßauch sogar schon Lehrern das Rauchen in der Schule verboten werden mußte,wie ein Württemberg. Synodalerlaß von 18t7 Larthnt, ist ein leidiger Beweis, bis zu
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