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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Tabakraucheil.

nicht wenigen, die später verdorben sind, dürfte die erste Cigarre eine nicht unbedeutendeRolle spielen. Mit dem Aufkommen der Cigarre nimmt auch gewöhnlich die eigentlicheJugendfrische ab, der Sinn für körperliche Rüstigkeit, für jugendliches Tummeln undSpielen rc.; es wird jenes philisterhafte Znsammenhocken, das die rauchenden Männerbeschleicht, auch in die Kreise der Jugend eingeführt. Selbst das Bedürfnis der Be-wegung tritt bei rauchenden Jünglingen nach und nach zurück, wie es denn eine vonden Tugenden unseres Wunderkrautes ist, den Bewegungstrieb zu mindern und deshalbvon l)r. Belott nicht bloß Schneidern, Schustern und ähnlichen Sitzern, sondern sogarNähterinnen als ein gutes Mittel bei der »Vita Lscksntarin« empfohlen wird. So Hilstder Tabak zur Heranbildung jener Stubenhocker, die, falls sie Gelehrte sind, auch dieWelt nur in ihrer enmsrn obsourn kennen lernen und von da ans beurtheilen. Dabeigewöhnt sich der junge Mensch an nnnöthigen Gekdverb rauch und belastet sichmit einer Steuer, an der er oft sein Leben lang schmerzlich zu tragen hat, von dentieferen Schädigungen, die das höhere Geistes-, das tiefere Gemüthsleben, das Glaubens-,Gewissens-, Gebetsleben leicht dabei erfahren kann, gar nicht zu reden.Ueberhaupt,"sagt Schubert, der über der Beobachtung der Natur die höchsten Bedürfnisse des mensch-lichen Geistes nicht aus den Angen gelassen,betäubt der Tabak und schläfert die innerenSinne ein. Und diese sollten doch immer wach sein." Solche Raucher dürften immer-hin seltene Vögel sein, die sagen können, wie uns ein eben so geistvoller und gelehrterals entschieden gläubiger Mann, der aber immer noch, trotz jeweiliger Anfechtungen wegenderGewohnheitssklaverei und des Geldverpaffens," an der Lcimruthr kleben gebliebenwar, sagte:Der lustigen Gesellschaft und ihrer Verlockung hatte ich ohne Mühe getrotzt;in der Zeit meiner Bekehrung ficng ich an, zu rauchen," ein Zusammentreffen, das eran sich entfernt nicht in ursächliche Verbindung setzt, sondern aus der gleichzeitigenAenderung seiner Lebensweise, namentlich dem Genüsse von Thee und Kaffee, erklärtund nicht ganz ohne Grund.

So sehen wir im Tabakrauchcn als Sitte und Gewohnheit eine Erscheinung, derenNutzen höchst zweifelhaft, deren Schaden für Männer und Jünglinge, alles zusammen-genommcn, unleugbar ist. Das beste, was sich für das Lust- und Gewohnhcitsrauchen,wie es sich auch ins gesellschaftliche Leben hineinzieht, sagen ließe, wäre noch das, daßes eine gcwiße Gemüthlichkeit befördert und so das Alleinsein wie das Zusammenseinmit Freunden genußreicher machte. Allein was ist diese Gemüthlichkeit am Endeanders als ein sinnlich-seelisches Behagen, wie es auch durch Branntwein, Opium, undähnliche Stoffe bewirkt werden kann? So pflegten schon die alten Scythen (nach He-rodot) der Gemüthlichkeit unter Anwendung von Hanfsamenrauch und ließen es sichdabei ganz kannibalisch wohl sein. Der Tabak hat vor jenen Beseeligungsmittcln nurden Vorzug minderer Schädlichkeit. Der Raucher desselben versetzt sich im Grunde ineinen Zustand der Berauschung; aber der Tabaksrausch ist, wie Belott ihn nennt,ein nüchterner Rausch, ein Rausch ohne Beeinträchtigung des Bewußtseins, das wahreIdeal eines Rausches. Sollte aber dieser Tabaksransch darum, sittlich angesehen, vieledler und menschenwürdiger sein als der trunkene Rausch von Wein, Bier, Branntwein?Selbst Belott, der medicinische Fürsprecher des Tabaks, kann nicht umhin, ihn ebensounverträglich mit der Menschenwürde, als gefährlich für geistige und körperliche Wohl-fahrt zu bezeichnen. Die Vergleichung des Tabakrauchens mit dem Genüsse geistigerGetränke liegt so nahe, daß man früher vom Tabaktrinken sprach. Der eigentlicheRancher ist ein Tabaktrinker, der starke Raucher ein Tabaksäufer. Ein starker Raucherund also der Unmäßigkeit zu beschuldigen, ist nach Belotts Urtheil jeder, der gewohn-heitsmäßig täglich fünf Cigarren oder Pfeifen raucht. In was soll der Rauchsäufereigentlich besser sein als der Weinsäufer? Durch dasTräumen mit offenenAugen, wie der Araber die durch den Tabaksrauch bewirkte Behaglichkeit nennt, erhöhtnach Piderit der civilisirte Mensch den Genuß seines Daseins." Wohl; aber mandarf dabei nicht übersehen, daß dieser civilisirte Mensch erst künstlich einer solcher Er-