Tabakrauchcn.
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gaben werden durch die Rauchstcuer znrückgcdrängt und wie viele weitere unnöthigeAusgaben herbcigeführt! Wohl ernährt die Tabaksindustrie auch Tausende; aber dieHände, die jetzt dem bloßen sinnlichen Behagen dienen, würden leicht eine edlere Be-schäftigung finden.
Alles znsammcngenommcn können wir die Sitte des Tabakrauchcns für unserVolk nicht als einen Gewinn ansehen, sondern als einen Schaden, nicht als eine Förde-rung seines gesunden Lebens, sondern als eine Störung und Behindern» g desselben;sie ist nnd bleibt als Sitte eine unnatürliche, den freien Willen knechtende, vielen un-gesunde, eine unfeine, beschwerliche, kostspielige und den Sinn für feinere, edlere Genüssenicht selten abstumpfende Untugend.
Wir mußten den vielen befangenen Freunden des Ranchgcnnsses gegenüber unserUrthcil etwas eingehender begründen, um für die pädagogische Würdigung der Fragewegen des Tabakrauchcns die sichere Grundlage zu gewinnen; denn wäre es für dasVolk nicht von Bedeutung, ob seine Männer dem Rancherorden angchören oder nicht,so hätte cs auch für die Jugend nicht gar viel ans sich nnd cs würde sich bei ihr haupt-sächlich nur um den tsrminus u gno handeln, um die Zeit ihres Eintritts in die großeRcmchverbrüdernng. So aber sind wir nun berechtigt, ja verpflichtet, es mit demRauchen unserer Jünglinge und Knaben ernst zu nehmen; denn es ist 2) ein Scha-den sonderlich für unsere Jugend.
Vor allem tritt bei jungen Ranchern der Nachtheil für die leibliche Gesundheitin den Vordergrund. Darin sind Physiologen und Aerzte ohne Ausnahme einverstanden,daß das Tabakrauchen für das Knaben- nnd frühere Jünglingsalter nicht nur keinerleiNutzen habe, sondern entschieden schädlich sei. Die Thätigkeit des Nervensystemswird dadurch herabgestimmt und geschwächt und die Störung dieser wnnderfeinen Tele-graphendrähte, die durch den ganzen Mikrokosmus des Leibes laufen, macht sich dennauch in manchfacher Weise geltend. Die gesunde, kräftige Thätigkeit und Entwicklungdes jungen Leibes wird durch die vergiftende Wirkung des Nicotin wesentlich beeinträch-tigt. I)r. Tiedemann sagt hierüber: „Tabakranchende Knaben sind bleich, mager, inallen Körperbewegungen kraftlos, sehr reizbar und nervenschwach nnd welken schnelldahin." Ein Tourist sieht in Tyrol einen Knaben rauchen und drückt der Mutter seineVerwunderung aus. „Raucht der Fratz, so frißt er weniger," tröstet diese ihn und sich,und illustrirt damit, ohne es zu ahnen, die Behauptung des Physiologen. Auch Tissot,Piderit, Belott n. a. sind damit einverstanden. Der letztere versichert ausdrücklich, jungeLeute, namentlich Knaben, würden immer nachtheiligen Einfluß auf Entwicklung undAusbildung ihres Körpers vom Rauchen haben. Auch die meisten erwachsenen Raucherstimmen in dieses ärztliche Ilrtheil ein und haben noch manches erbauliche Wort derWarnung für die nnerwachscnen, ja sie können sich sogar oft im Zorn gegen die vor-witzigen Novizen ihres Ordens ereifern. Die Väter sind denn doch selten, welche, wieuns von einem erzählt wurde, an den 14jährigen Sohn am Tage seiner Confirmationden Spruch richten: „Mein Sohn, du bist jetzt ein Mann, nun kannst du auch rauchen!"und ihn mit dem Zeichen der Mannheit, der Pfeife, ausrüsten.
Aber die Gefährdung der leiblichen Gesundheit ist für junge Leute nicht die einzige;der Rauchgennß bringt ihnen auch sittliche Gefahren. Freilich ist das Rauchenjunger Leute selbst schon ein Zeichen, daß es mit dem Sinn nnd Wesen des Knabennicht richtig steht, „eine Signaltrompete, die nicht viel gutes anbläst." „Was ist er-bärmlicher," sagt Schmieder (über moderne Bildung), „als die Selbstherrlichkeit einesKnaben, eines Schülers oder Lehrlings, der als Sinnbild seiner vollendeten Bildungzum jungen Herrn eine Cigarre im Munde führt!" Es ist ein Beweis vorhandenenVorwitzes, der unjugendlich in die ihm noch versagten Genüsse vorgreift. Aber mit demForttrciben des Vorwitzes mehrt sich die Genußsucht, die unjugendlichc Anmaßung unddas Begehren nach weiteren Genüssen. Die Cigarre führt leicht in schlimme Gesellschaft,in Bierkneipen, Kaffeehäuser nnd von da wohl noch auf weitere abschüßige Wege. Bei