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9 (1873) Spanien - Vives
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Tabakraucher».

Unser Urtheil dürfte sich auch nicht günstiger gestalten, wenn wir die Sache vom ästhe-tisch-socialen Standpuncte betrachten.

Rauchen ist an sich nichts schönes.Hübsch ist es nicht/ sagt Schubert. Dasbleibt wahr, und wenn es auch Napoleon, der Onkel und der Neffe, thnt. Es ist imGrund eine recht unfeine Sitte. Diese beständig ziehende und zehrende Genußsuchtist des feineren und gebildeteren Menschen unwürdig. Das Thier grast den ganzen Tag,das schlecht gezogene Kind will immer den Mund voll haben; der feinere Mensch hältauch im Genüße der Nahrung Zeit und Maß. Göthe nenntRanch des Tabaks" unterden Dingen, die ihm zuwider seien, wohl hauptsächlich darum, weil er sein Schönheits-gefühl beleidigte. Das ist wohl auch der Hauptgrund, warum das einigermaßen gebildeteWeib nicht zur Pfeife oder Cigarre greift. Der dem Weibe eigene feinere Sinn fürdas Schöne ist ihm der mächtigste Schutz gegen diese Männernntugcnd und wird esbleiben, selbst wenn ein Arzt, wie Belott, auch unseren Frauen und Jungfrauen ansmcdicinischen Gründen je und je ein Pfciflein oder Cigärrlein anräth. Das Unschönedes Rauchens tritt aber namentlich im gesellschaftlichen Leben hervor. Wenn Lochnur wenigstens der Rancher seine Operation, sie sei nun gesundheitlicher oder nur ver-gnüglicher Art, für sich allein vornähme und damit in seinen vier Pfählen bliebe! Abernein, er macht auch andere Leute zu Zeugen und nnbefragtcn Theilnchmern davon.Gesellschaftliche Bildung vermeidet alles, wodurch man anderen Menschen unangenehm,beschwerlich wird. Wer sich z. B. eines übelriechenden Athems bewußt ist, wird sichhüten, einen andern mit der Atmosphäre seines Hauches in Berührung kommen zu lassen.Der Raucher fragt wenig darnach, wie der Rauch und Hauch seines Mundes seineMitmenschen anspricht. Er ist ein Egoist. Er bläst im günstigen Falle seinen Havanna-duft, im ungünstigen seinen Stinkcrgualm ans dem Munde und überläßt in türkischemGlcichmuthe seiner Umgebung, sich mit Nase, Augen und Lungen nach Belieben dareinzu finden. Der Raucher wird seinem Mitmenschen beschwerlich, und das ist nicht sein.Wir kennen manchen Ehrenmann, der eine sonst Wohl gerne besuchte Gesellschaft meidetwegen der dort herrschenden Nanchatmosphäre, oder sie verläßt, wenn sich die Luft vomHeerrauche zu trüben beginnt. Andere, bei denen die Anziehungskraft der Gesellschaftüberwicgt, greisen Wohl gar selbst in der Verzweiflung zur Cigarre, um sich so, Dampfgegen Dampf, des widrigen Dampfandranges, wie sie sagen, besser zu erwehren. Istdem Rancher über seiner Leidenschaft noch Schicklichkcitsgefühl genug geblieben, so sonderter sich wohl zuweilen von der Gesellschaft ab, sein Rauchbedürfnis zu befriedigen (Rauch-zimmer), oder er wird im andern Falle im Namen des Anstandes gcmaßregelt undgesetzlich ansgesondert (Rauchverbot für öffentliche Gebäude, anständige Zimmer, Speise-,Wartsäle, Wagen I. und II. Classe re.). Namentlich bewirkt aber auch der Ranchgennßeben durch seine Unfeinheit eine Scheidung der Geschlechter in geselliger Beziehung,die für den Ton der Unterhaltung und für das Familienleben nichts weniger als förderlichist. Er befördert namentlich das Wirthshausleben, den Genuß von geistigen Getränkensonderlich des Bieres weit über das Maß des Bedürfnisses hinaus, die Kneipenhockereiund eine gewiße Philisterhaftigkeit, bas Gegentheil des frischen, freien, rüstigen Wesens,das dem Mann und Jünglinge so Wohl ansteht. Zu diesen gesellschaftlichen Nachtheilengesellt sich noch

der ökonomische. Diejenigen Staaten zwar, welche die Fabrication des Tabaksals Staatsvorrecht betreiben, wie Frankreich, Oesterreich, oder die ihn als willkommenesStenerobjcct arischen, ziehen daraus großen Gewinn. Aber wer liefert diesen eigentlich?Das sind die Herren Rancher. Sie legen in aller Stille die Millionen unter sich um,die in die Staatskassen oder in die Taschen der Fabrikanten und Krämer fließen. Unddas thun sie als musterhafte Steuerzähler ohne Murren, Jahr aus, Jahr ein! Dasdeutsche Reich bläst wohl jährlich seine 100 Millionen Gulden, wo nicht gar Thalerin die Luft. Wie thener kommt manchen Raucher seine Pfeife jährlich zu stehen! wietheuer die so leicht zu gewinnende Cigarre! Wie viel nothwendige oder nützliche Aus-