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Taliakrauchcn.
Felde nicht und schlägt sich auch ohne seine Hülse durch die Unbilden des Kriegs. Man-cher Gelehrte bringt keinen Aufsatz, mancher Prediger keine Predigt zu Stande ohnedas narkotische Räuchopfer. Ist aber solch eine Gebundenheit, die sich bis zur sittlichenSklaverei steigern kann, nicht wirklich ein bedenkliches Uebel? So gewiß als LicBrannt-weinsklaverci, wenn auch rücksichtlich der seelischen und leiblichen Einwirkung noch einUnterschied stattfindet. Allerdings steigt diese Gebundenheit nicht bei allen Rauchernzu gleich hohem Grade; aber man wird doch bei den meisten eigentlichen Rauchern sagendürfen: sie sind gebundene Leu^e. Nicht wenige fühlen und bcseufzen ihre Fesseln,aber ohne Macht, sie zu sprengen. Das sittliche Uebel hat aber nicht so gar selten auchdas leibliche Uebel zur Folge.
Was dem Tabak seinen eigenthümlichcn Reiz verleiht, ist das Nicotin. Diesesist aber als eines der stärksten Gifte bekannt. Speichelfluß, Erbrechen, Darmausleerung,beschleunigter und erschwerter Athen:, heftiger Herzschlag, Zittern und Zucken der Gliederund endlich Tod ist die Wirkung desselben, sobald es irgendwie in den Organismuseines Thieres oder Menschen gebracht wird. Einige Tropfen Nicotin von dem ChemikerOrfila (Prozeß Bocarms in Brüssel) auf die Zunge von zwei Hunden gebracht, tödtetendiese in 30 Secundcn. Der Theeaufgnß von einer einzigen Cigarre tödtet ein Kind,desgleichen ein Theelöffel Schnupftabak. Ein Absud von Tabaksblättern, der die Küheeines Landwirths von Ungeziefer befreien sollte, kostete in 24 Stunden dem Ungeziefersammt den Kühen das Leben.
Die oben genannten Wirkungen des Nicotin klingen nun sämmtlich bei der Ver-dünnung, die das Nicotin durch das Rauchen erleidet, in der Natur des Menschen nach.Ein starker Rancher bringt zwar nach Dr. Piderit täglich kaum den zehnten Theil einesGrans Nicotin zur Einwirkung auf seinen Organismus; dennoch bleibt auch diese geringeMenge nicht ohne Einfluß auf denselben. „Der Tabak," so versichert vr. Belott inseinen „Mysterien des Tabaks und der Cigarre," „ist kein wirkungsloses Kraut. ImGcgentheil, er besitzt eine kräftige und entschiedene Wirkung; seine Bestandtheile wirkenschneller und heftiger auf unfern Organismus ein als alle anderen Mcdicamente.— Der Tabak kann heilsam und angenehm, er kann aber auch gefährlich und nach-theilig werden." Uebermäßiges Rauchen hat mitunter schon die äußerste der obengenannten Wirkungen, den Tod, verursacht z. B. zwei Wettrauchern, von denen dereine cs auf 17, der andere auf 18 Cigarren brachte. Beide wurden Opfer ihres Frevels.Der mäßigere Genuß des Tabakrauchs vermindert, als Nachklang von der lähmendenWirkung des Nicotin, den Bewegungstrieb und verbreitet über alle willkürlichenMuskeln eine gewiße Ruhe und Behaglichkeit. Er „beseitigt die natürliche Unruhe,"sagt Piderit. Aber auf diesen Nachklang der lähmenden .Wirkung des Nicotin tönt auchjene zweite Wirkung nach, jenes Zucken und Zittern, jene unruhige Erregung des Herzeusund Blutes; daher eine Erregung der Lebensgeister, welche z. B. die geistige Produc-tionskraft des Ranchers fördert, ja bei gewohnten Rauchern in dem Maße bedingt, daßsie ohne diese Stimulanz zum geistigen Produciren fast untüchtig sind und daß erst mitdem aufsteigenden Rauche der gelähmte Genius sich zu erheben vermag. Dieselbe Er-regung der Lebensgeister ist es aber auch, die dem trägen, gcistcsstumpsen Menschen,dem wilden, wie dem zahmen, seine Pfeife so behaglich macht.
So weit wäre von einem eigentlichen Nachtheile des Rauchens für die Gesundheitnoch keine Rede; man könnte es einfach, so lange cs mäßig getrieben wird, für einesvon den Mitteln halten, durch welche der Mensch sich zu seiner Thätigkeit ermuntertoder sein Dasein angenehmer nnd behaglicher macht. Allein bedenklich ist doch schoneinmal, daß man sich erst den Tabaksgcnuß mit Ueberwindnng eines Naturprotestesangewöhnt haben muß, um diese Vortheilc zu empfinden, und dann, daß er wenigstensbei manchen Naturen entschieden nachtheilige Wirkungen Hervorrust.Schon der bekannte Arzt Tissot sagt in seinem Buche von den Krankheiten der Gelehr-ten: „Ich fürchte nicht, zu sagen, daß der Tabak, wenn er auch nicht jedermann schadet,