Tabakrauchcn.
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Lcbcnsgcfühls als nooiäen8 bewirken, auf welche es der Raucher in künstlicher Erregunganlegt. Darin liegt nun zwar schon ein gewißcr Epiknrcismus; doch wollen wir fürserste diesen dem Gewissen des solchen Genuß suchenden Mannes überlassen. Wir könntenalso den frei Rauchenden, so weit es sich um ihn allein handelt, unbeanstandet schmauchenlassen, so gut wir einen andern unbcschrieen seinen Kaffee schlürfen sehen. Etwas ganzanders aber ist das Rauchen des Tabaks, wie es gewöhnlich getrieben wird, das bloßeLust- und Gewohnheitsranchen, wie cs die eigentlichen Raucher thcils für sichzu Hanse, theils in Gesellschaft treiben. In diesem sehen wir wirklich einen Schadenfür unser Volk.
Bei diesem Rauchen als Gewohnheit und Sitte tritt die arzneiliche Eigenschaft desTabaks im Grunde ganz oder fast ganz zurück. Die allermeisten Raucher fangen dasRauchen nicht aus Gesundheitsrücksichten an. Die Arznei ist zu einem bloßen Genuß-mittel geworden. Der Raucher raucht nicht, weil ihm etwas wehe thut, sondern weilihn Las Rauchen in eine behagliche Empfindung versetzt, und ändert sich das etwa später,so ist dieses Wehe gewöhnlich erst durch den Rauchgenuß herbcigeführt. Es gieng mitdem Tabak, wie mit dem Branntwein, der auch erst Arzneimittel und nur in den Apo-theken zu haben war, nach und nach aber, besonders durch Soldaten, im Volke sichverbreitete und nun in jeder Kneipe zu finden ist. Diesem künstlichen Herzerfrcucr undVolksbcglückcr gegenüber hat der Tabak den Vorzug der mindern Schädlichkeit; aberdafür stellt sich der Tabaksgcnuß als offenbare Unnatur dar. Er wird in keiner Weisevon der Natur des Menschen begehrt, muß ihr vielmehr erst aufgedrungen werden, indemsic sich mit einem unzweideutigen Abscheu dagegen sträubt. Die meisten Anfänger inder Rauchkunst wissen davon zu sagen. Das Bedürfnis wird erst durch fortgesetzteAnfnöthigung geweckt und herangezogen. Rauchen ist also an sich eine Unnoth. Dieganze eine Hälfte des menschlichen Geschlechtes, Las weibliche, bei gebildeten VölkernWenigstens, so wie die immerhin noch nicht so ganz unbedeutende Zahl nicht rauchenderMänner in allen Ständen ist des Zeuge. Kein Weib, kein nicht rauchender Mannvermißt den Tabak. Dagegen führt die Gewohnheit des Rauchgennsses ein oft sehrempfindliches Gefühl des Entbchrens mit sich und vermag den Mann in Fesseln zuschlagen, die eben so drückend als schmachvoll werden können. Wer eine Zcitlang frei-willig raucht, der muß rauchen. Der narkotische Reiz des Tabaks wird ihm zumBedürfnis, das nach und nach seine Befriedigung gebieterisch fordert. „Kein Sinnen-gcnuß," sagt vr. Ticdcmann in seiner Geschichte des Tabaks, „wird so schnell zurGewohnheit und übt über den Menschen eine solche Macht aus, als der Tabak. Beisolchen, die an ihn gewöhnt sind, stellt sich Verstimmung und ein Gefühl großer Un-behaglichkeit ein, wenn sie den Tabak entbehren mäßen. Es giebt Leute, die sich so sehran das Tabakrauchen gewöhnt haben, daß sie zu keiner Beschäftigung aufgelegt sind,wenn ihnen der Tabak mangelt." — Ist das nicht ein wahrer Knechtszustand? Kannman'nicht von Nanchsklaven reden? Und die kleine Tyrannin, die Cigarre, hatschon Könige und Fürsten, Denker und Dichter, Gelehrte, Künstler, Feldherren, kurzHohe und Gewaltige aller Art, selbst geistliche Väter und Kinder Gottes nicht ausge-nommen, in ihren Fesseln gehalten und hält solche noch. Im „Daheim" schreibt einCorrespondent aus Laon: „Die gesammte preußische Armee ist von einem Gedanken,einem Verlangen beseelt, und zwar nicht nach Ruhm oder Paris oder Feindesblnt, son-dern nach einer — Cigarre." Man hat Grund zu glauben, daß das auch von denübrigen Theilen des deutschen Heeres in Frankreich gelten dürfte. O über unsere wackerenKrieger, die so Großes gewagt und so Schweres getragen, und doch so schwach sind,wo cs den gewohnten Reiz des zauberischen Krautes gilt! Wir haben zwar den arznei-lichen Werth des Tabaks für den Mann im Felde zugcstanden; aber daß es immerhinnur bei dem vorher schon gewohnten Raucher und bei einer eben durch diese Gewohnheitschon verderbten Natur zu einer solchen überwältigenden Sehnsucht nach einem Glimm-stengel kommen könne, ist doch klar. Eine unverrauchte Natur entbehrt ihn auch im