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9 (1873) Spanien - Vives
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Succcssivcr Unterricht.

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sei mir erlaubt, auch aus meiner eigenen Schulzeit eine damit zusammenhängende Er-fahrung anzuführcn. Ich hatte in den letzten drei Jahren auf dem Gymnasium ohneäußere Anregung das Princip befolgt, alle Zeit, die zur Präparation bestimmt war, ineiner Woche dem Homer, in der zweiten dem Cicero, in der dritten dem Xeuophon oderHerodot u. s. w. zuzuweudeu, so daß ich im allgemeinen immer um einige Wochen derClasscnlectüre vorausgceilt war und für die eigentlichen Unterrichtsstunden nur nochnöthig hatte, die einige Zeit vorher angestcllte Präparation aufzufrischen. So war ichin der Lage, der Lectüre in der Classc selbst mit größerem Interesse folgen zu können,weil ich schon eine zusammenhängende Partie zu übersehen im Stande war, also diedas Spätere vorbereitenden Theile des Schriftstellers besser zu verstehen vermochte.Ebenso erleichterte sich mir die Präparation selbst dadurch sehr, daß ich, indem ich alleTage einer Woche denselben Schriftsteller behandelte, mit den Vocabcln, Wendungenund dem Stile ganz anders vertraut wurde, als wenn zwischen je zwei Präparatiouenzwei oder drei Tage gelegen hätten. Bekanntlich treten aber nicht minder gewichtigeStimmen für die Beibehaltung des gewöhnlichen Verfahrens ein, mehrere Auctorenneben einander zu lesen. So sprachen sich Bäumlein (Jahns Jahrb. 78. S. 26b, fernerauf der Stuttg. Philol.-Vers., auch in dem Art. Gricch. Sprache III. 77s) und nament-lich ein P. M. Unterzeichneter Verfasser (Jahns Jahrb. 76. S. 55) für dasselbe aus. Eswird besonders hervorgehoben, daß die Compositiou, welche als die Blüte des Gymna-sialuuterrichts anznsehen sei, weil sie den Schüler zur Production auffordere, währender sich bei der Lectüre vorzugsweise rcccptiv verhalte, darunter leiden müße, wenn ineinem Halbjahr nur ein Dichter gelesen werde, ja selbst bei einem vicrwöchcntlichenAusfall des Cicero sei schon ein Rückgang zu bemerken. Es darf nun gefragt werden,ob ein wirklich so unsichrer Besitz, der nur unter fortwährender Unterstützung erhaltenwerden kann, einen so großen Werth beanspruchen dürfe, daß er allein hiebei maßgebendsein soll. Ein andrer Einwnrf wird dahin gemacht, daß das poetische und prosaischeElemente stets neben einander vertreten sein müße und es daher unverantwortlich sei,das eine stets eine Zeit lang auf Kosten des andern unberücksichtigt zu lassen. Demwird aber leicht dadurch begegnet werden können, daß neben dem lateinischen Prosaikergleichzeitig der griechische Dichter gelehrt werde und umgekehrt. Die Frage scheintmir nun zwar nicht allgemein entschieden werden zu können, sondern vieles von denPersönlichkeiten der Lehrer und andern individuellen Verhältnissen, namentlich aber auchvon der Eigenthümlichkeit des Schriftstellers abzuhängen. Eine Tragödie des Sophoklesin etwa zwei wöchentlichen Stunden ein Semester lang hinzuschleppcu, scheint kaumerträglich, wenn ein lebhafter, frischer Eindruck gewonnen werden soll. Hier also leseman denselben in vier, fünf Stunden wöchentlich, indem nur die grammatischen Compo-sitionsübungen nebenhergeheu. Dasselbe wird von Plato, Tacitus u. a. gelten. Horazdagegen bietet in den Oden nur kleine Ganze; sollten diese in ähnlicher Weise behandeltwerden, so fürchten wir, daß bei der schnellen Aufeinanderfolge derselben jedes einzelnein seinem individuellen Werthe verloren gehen müßte, daß der kräftige Eindruck, denjedes zu machen im Stande ist, durch das schnell folgende nächste beeinträchtigt werdendürfte. Und so ist auch ein Hauptvorwurf des P. M. gerade an Horaz angeknüpft.Er führt mit Recht an, wie erwünscht ein Mcmoriren zahlreicher horazischer Oden sei,um ein rechtes Vertrautscin mit denselben hcrzustclleu, wie aber dies nicht möglich sei,wenn die Oden ebenfalls etwa ein Viertel- oder Halbjahrden alleinigen Gegenstand derLectüre bilden und dann auf längere Zeit von dem Lectionsplan verschwinden sollten.Diese Oden des Horaz sollte man daher neben der übrigen Lectüre in zwei wöchentlichenStunden, die man passend auf zwei auf einander folgende Tage legen würde, Herzchenlassen. Anders könnte es sich freilich schon für die Satiren und Episteln gestalten. Imallgemeinen aber möchten wir glauben, daß der Gewinn des successiven Unterrichts erzielt,der Nachtheil vermieden werden könnte, wenn vierteljährlich der Prosaiker und Dichterabwechselten, während des lateinischen Prosaikers der griechische Dichter gelesen würde