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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Successivcr Unterricht.

sein, eine längere zusammenhängende Entwicklung, welche nicht gut im Zeitraum einerStunde zu bewältigen ist, nicht unterbrechen zu dürfen. Aber das werden doch, selbstin der Prima, nur recht seltene Fälle sein, und auch dann kann es gerade für dasVerständnis einer solchen Entwicklung, der zu folgen den Schwächeren große Schwierig:keit bereitet, recht förderlich sein, wenn diese Gelegenheit haben, zu Hause in aller Ruhesich nochmals die Grundlage deutlich zu machen, und dann der Weiterentwicklung zufolgen gerüstet sind, während sie, wenn dieselbe ohne Unterbrechung stattgefunden hätte,der zweiten Hälfte nur mit halbem oder gar keinem Verständnis hätten zuhörcn können.Dies möchte im allgemeinen auch für die Lcctüre Geltung haben; wenn man nur die:selbe nicht zu allerhand gelehrten Excursen benutzt, so wird der Zeitraum einerStunde ein ganz geeignetes Maß sein, das Interesse der Gesammtheit rege zuerhalten und auch das der Vorbereitung zugewiesene Pensum eine geeignete Ausdehnunghaben. Denn immer wird mau eine bedeutende Lehrgeschicklichkeit oder einen besondersanregenden Stoff voraussetzcn müßen, wenn die Aufmerksamkeit der großen Mehrzahleiner Classe zwei Stunden hinter einander durch denselben Gegenstand gefesselt werdensoll. Auch erscheint es durchaus unzuläßig, sich hiebei auf die Studicnweise eines Ge-lehrten zu berufen (s. Concentration I. 841). Beide arbeiten unter sehr verschiedenenBedingungen; die Arbeit des Gelehrten ist vorzugsweise productiv, die des Schülersreccptiv; ist uun auch das Produciren anstrengender, als das Recipiren, so sammeltjenes doch die geistige Kraft wesentlich auf einen Puuct, während dieses sie zerstreut;das meiste, was der Gelehrte während zusammenhängender Muße behandelt, ist ihmnicht absolut neu, es ist ihm stofflich größtentheils bekannt, vervollständigt nur frühereKenntnis oder stellt ihm dieselbe unter neuen Gesichtspuucten dar, während das meiste,was dem Schüler in der Lehrstunde dargcboten wird, ihm sowohl dem Stoffe, als derForm und Zusammenstellung nach noch unbekannt ist; die Menge der neuen Eindrückewird also viel leichter verwirrend wirken. Der Gelehrte ist ferner selbst derjenige, dernach seiner augenblicklichen geistigen Spannung und nach seinem individuellen Bedürfnisseseine Studien zu regeln im Stande ist, der, wenn ihm das Verständnis leicht, derlleber-blick klar ist, mit überraschender Schnelligkeit fortarbeiten kann, zu andern Zeiten dagegenaugenblicklich fehlende Kenntnis durch Nachschlagen ergänzen, durch Wiederholung dieverlorene Uebersicht wiederherstellcn, bas mangelnde Verständnis durch ruhige llebcrlegungsich verschaffen kann, während der einzelne Schüler dem Lehrer folgen muß, der nichtmerken kann, wenn die Kraft des Einzelnen erschlafft, eine misverständliche Auffassungoder eine fehlende Kenntnis oft nur eines einzelnen Punctes das folgende Verständniserschwert oder unmöglich macht. Aus gleichem Grunde halte ich cs nicht einmal fürgerathen, wenn heutzutage mehrere Doceuten an der Universität cs verziehen, etwa einvierstündiges Collegium nur an zwei Tagen je zwei Stunden hinter einander, statt, wiesonst, an vier Tagen in je einer Stunde zu lesen.

Endlich kommt in Frage, wie der einzelne Lehrer das seiner Classe zuge-wiesene Pensum zu vertheilen haben werde. Hicher gehört die vielfach besprocheneFrage, ob gleichzeitig nur ein Schriftsteller eine längere Zeit hinter einander gelesenwerden solle, oder ob mehrere neben einander. Für die erste Alternative, die an C. L.Noth (Kl. Schr. I. 405 ff.) einen beredten und warmen Vertheidigcr gefunden hat,spricht, daß auf diese Weise eine Zerstreuung der Vorstellungen fern gehalten, dagegenein wirkliches Interesse für den betreffenden Schriftsteller erregt, eine Vertrautheit mitdemselben gewonnen werde, so daß nun auch ein größeres Quantum ohne größereSchwierigkeit bewältigt werden könne. Auch führt Roth (S. 419) sehr mit Recht denGewinn au, der daraus hervorgeht, daß man den Schüler zu einem ganz neuen oder,wie wir hinzufügcn, zeitweilig unterbrochenen Stoff führen könne, den der Schüler miteiner gewißen Neugierde oder mit dem Interesse, welches die Abwechslung bietet, erfasse.Mit ihm finden sich außer Th. Schmidt a. a. O. auch Geffers (s. Concentration I. 868)und Nägelsbach auf der Philologenversammlung in Stuttgart in Uebereinstimmung. Es