340
Successivcr Unterricht.
grund treten, aber sie werden im zweiten Stadium des Naturuntcrrichtes bald wiederauftauchcn." ' Derselben Ansicht ist Gefsers (s. Conccntraticn Bd. I. 863). Wchrmannbehauptet zwar (s. Lehrplan IV. 298), diese Einrichtung habe sich in Stettin, wo manden Unterricht in der Botanik und Geographie hätte halbjährlich abwechseln lassen, nichtbewährt; die Fachlehrer hätten geklagt, daß sic nach solcher Unterbrechung den geogra-phischen Unterricht immer wieder ziemlich von vorn anfangen müßten. Ein Unterrichtaber, der so wenig Interesse zu erregen vermocht hat, daß er schon nach einem Halbjahrkeinen bestimmten, leicht wieder anfzufrischcnden Eindruck gelassen hat, kann überhauptnur einen sehr zweifelhaften formalen Werth haben; was nützt ein Unterricht, wennwir nichts anderes erzielen, als daß unsre Schüler, sobald wir sie aus den Augen lassen,alles vergessen, was sic erlernt haben. Der Hauptpunkt aber, den Raumer eben betont,ist der, daß die betreffende Disciplin wirklich mit vermehrter Stundenzahl und daherauch mit vermehrtem Gewicht cintrete, so daß sie ein lebhaftes Interesse zu erwerben,einen kräftigen Eindruck auszuüben vermöge, nicht von vornherein als unerheblich nebenden andern verschwinde. Wird der Unterricht dann auf einer späteren Stufe wiederausgenommen, so muß dies entweder in einer concentrischcn Erweiterung geschehen, wiez. B. in der Geographie, so daß der neue Unterricht, ohne eine buchstäbliche Repetitionzu bilden, doch das früher Erlernte in sich ausnehme und durch weiteres Detail vervoll-ständige, oder es wird das frühere Material von einem andern Gcsichtspuncte aus be-handelt und in einer andern Form wiederholt. Aus der Leichtigkeit, mit der das frühere,zunächst scheinbar vergessene Pensum sich wieder anffrischt, wird man den Werth desfrüher Erlernten erkennen. Das wirksamste Moment aber für die Aufnahme des neuenoder die Erweiterung des früheren Pensums wird das Interesse der Jugend sein, mitdem dieselbe freudig bereit ist, den zeitweilig unterbrochenen Gegenstand wieder aufzu-nehmen, wenn nur früher wirklich das Interesse geweckt worden war. Denn dies er-leichtert den Unterricht mehr, als eine Menge aufgespeichertes Material, welches nurzwangsweise ohne Interesse erlernt ist und einer fortwährenden Behütung bedarf, umnicht verloren zu gehen. Ist freilich trotz der verstärkten Stundenzahl kein Interesseerregt worden, so ist dies nicht Schuld der Einrichtung, sondern der Behandlung, unddann wird vielleicht bei je zwei continuirlich fortgeführten Stunden ein Resultat erzieltwerden, welches den Revisor augenblicklich durch angelernten Stoff besser zu befriedigenvermag, welches aber für die geistige Ausbildung selbst keinen erheblichen Werth hatund alsbald der völligen Vergessenheit wieder anheimsällt, wie es nie eigentlicher Besitzgeworden ist. Denn nur das, was das Interesse des Schülers hinreichend geweckt hat,so daß er, auch wenn die positive Kenntnis mancher Einzelheiten verloren gegangen ist,doch einen entschiedenen Eindruck von den Hauptgesichtspuncten behalten hat, ist vonwahrem Wcrthe für die Bildung. *) — Wenn ferner Wehrmann a. a. O. angiebt, daßdas Ausfallen des naturgeschichtlichcn Unterrichts in Quarta nach dem preußischen Nor-malplan die Fachlehrer dazu bestimme, denselben in Tertia nicht wieder aufznnehmen, soist zu beachten, daß derselbe schon in den beiden untersten Elasten so kümmerlich bedachtist, daß der Hauptpunkt des Raumerschen Vorschlages, lebhaftes Interesse zu erwecken,nicht hat erreicht werden können, und daher der Lehrer von vornherein auf einen Erfolgverzichtet. Diese Erfahrung wird also gegen jenen Vorschlag nicht maßgebend seinkönnen. Gewiß wäre cs vorzuziehen, daß statt der ziemlich'verlornen naturgcschichtlichenStunden in Tertia die Naturgeschichte in den unteren Elasten, wo dieser Unterrichts-gegenstand eben wegen des leicht für denselben zu gewinnenden Interesses so bildsam ist,
* In der realistischen Abtheilung des hiesigen Gymnasiums wird eben jetzt (1869) derVersuch gemacht, den Hauptnntcrricht in der Geographie ans ein Jahr der mittleren Classen zuconcentriren, ihn während dieser Zeit in vier wöchentlichen Stunden, vor- und nachher aber nurbeiläufig zu behandeln. Von etwaigen Resultaten kann natürlich erst auf den Grund längererBeobachtung gesprochen werden. Schneid.