ZZ8 Subjektivität. Successiver Unterricht.
es selbst verschuldet haben, daß nicht bloß Einzelne, sondern auch die Familien vielfältigin einem gleichgültigen, oder kritischen Subjektivismus sich ihnen gegcnüberstelltcn, unddaß ein allgemeines lebendiges Interesse für jene Gemeinschaften nicht aufkam, ohnewelches cs doch für uns kein wahrhaft menschenwürdiges Dasein giebt und die Erziehungder Jugend ihre höchsten Ziele und ihre beste Triebkraft verliert. Jetzt aber, wo esdurch Gottes Gnade eine Freude und Ehre geworden ist, ein Angehöriger des deutschenReiches zu sein, und wo auch das Bedürfnis der kirchlichen Gemeinde, selbstthätig mit-zubauen an dem Reiche Gottes, mehr und mehr seine Befriedigung findet — jetzt istzu erwarten, daß der Erziehung ihre Aufgabe leichter werden wird, die Jugend ausdem Banne eines leeren, selbstsüchtigen und blasirtcn Subjectivismus zu erlösen undsie zu den objectivcn Grundlagen der menschlichen Gesellschaft überhaupt und des deut-schen Volkslebens insbesondere in lebendige Beziehung zu setzen. Sollen wir aber vomSchlüsse dieses Aufsatzes zu dessen Anfänge zurückleuken, so können wir die in Fragestehende pädagogische Aufgabe einfach dahin formulircn: Es kommt darauf an, daßdie selbstsüchtig isolirte Subjektivität zur Individualität verklärt werde, inwelcher der Einzelne sein eigenthümliches Wesen als ein lebendigesGlied des Ganzen und im freien Gehorsam gegen das höhere Gesetzdesselben entfaltet. G. Baur.
Sllbcolltcctor, Subrector s. Lehrer S. 205.
Snbseüleil s. Schulgeräthschafteu.
Luccessilicr Unterricht. Der successive Unterricht besteht darin, daß nicht sämmt-liche Untcrrichtsgegcnstände gleichzeitig gelehrt werden, so daß dem einzelnen nur einekurze Zeit gewidmet werden kann, sondern daß sie in einer zweckmäßigen Aufeinanderfolgeden Gegenstand der Unterweisung bilden, so daß jede einzelne Disciplin während dieser Zeitmit größerer Stärke auf den Zögling cinzuwirken vermag. Das Interesse, welchesvorzugsweise Herbart als treibende Kraft in der Pädagogik betont hat (vgl. auch denVers, der nootss sollolastieus in Jahns Jahrb. 96, S. 581 ff.), erfordert Vielseitigkeitund dieser steht ebenso sehr die Einseitigkeit, als die Zerstreuung gegenüber (HerbertUmriß pädag. Vorl. §. 65). Um die crstere zu vermeiden, darf keine der durch dieUnterrichtsgegcnstände vertretenen Hauptrichtungen der geistigen Bildung jemals ganzunberücksichtigt bleiben, weder das poetische, noch das prosaische, weder das empirische,noch das logische, weder das sprachliche, noch das historische, noch das religiöse Elementohne Anregung und Nahrung gelassen werden, und anderweitig ist klar, daß jede dieserRichtungen in der entsprechenden Stärke und in der dem jedesmaligen Alter angemessenenForm vertreten sein müße. Dies wird aber nicht hindern, daß das realistische Elementdas eine mal vorzugsweise durch die Naturgeschichte, das andre mal durch die Geo-graphie, das geschichtliche auf der untern Stufe durch die biblische Geschichte oder durchdie Heroensagen, das sprachliche in der einen Elaste vorzüglich durch das Lateinische, ineiner folgenden Elaste, in der das Griechische beginnt, in besonderer Stärke durch dieseSprache vertreten ist, während dem Lateinischen daun schon die Einführung in einezusammenhängendere Lcctüre zufällt, daß das logische Element seine Pflege zunächst indem Rechenunterricht und einem propädeutischen Anschauungsunterricht in der Formenlehre,und erst später in einer systematischen Behandlung der Mathematik finde. — Aber auchder Zerstreuung muß entgegengearbeitct werden und das gerade ist der Hauptzweck dessucccssivcn Unterrichts. So muß cs mit Recht höchst bedenklich erscheinen, mehrerefremde Sprachen zu gleicher Zeit anzufangen. Die in der einen Stunde erlernten Eigen-thümlichkeiten werden natürlich mit denen in der andern verwirrt, so daß die gewonnenenVorstellungen zu keiner Klarheit und Sicherheit gelangen können. Schon die ganz äußer-liche Warnehmuug, daß man zu der Zeit, in welcher der griechische Unterricht beginnt,auch in den lateinischen und französischen Arbeiten allerhand griechische Buchstaben zusehen bekommt, deutet darauf hin, daß auf die Schwächeren selbst schon diese äußeren