Subjektivität.
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eben der auf seinem Vernehmen beharrende Wille des isolirten Snbjects, welches dem Ge-setze der Gemeinschaft sich nicht fügen will. Und über diese Untugend der Zöglinge habenfreilich Eltern weit mehr als Lehrer zu klagen. Denn in der Genossenschaft der Schnleverliert ein eigensinniges Gebühren schon dadurch ein gutes Theil seines Reizes undInteresses, daß hier der Einzelne mehr als zn Hanse unbeachtet bleibt; wagt es sichgleichwohl hervor, so findet es an den Mitschülern, welche nicht geneigt sind, wie allzunachsichtige Eltern, es sich gefallen zu lassen, seinen natürlichen Rückschlag; und derGeist der Gemeinschaft reißt den anfangs Widcrwilligen am Ende von selbst mit sichfort. So kommt cs, daß Kinder, welche von ihren Eltern der Schule unter der An-klage unverbesserlichen Eigensinnes übergeben werden, hier von dieser üblen Eigenschaftoft nicht das Geringste verspüren lassen; und wenn der Lehrer nur die Unterstützung,welche ihm das Schullcben selbst schon darbietet, gehörig zu benützen weiß, so wird ihmder Kampf gegen diesen Feind nicht sehr schwer werden, ja er wird zuweilen die Erfah-rung machen, daß, was ihm als Eigensinn deuuncirt war, unter richtiger Leitung zueiner erfreulichen Festigkeit des Willens sich entpuppt. Dagegen wird er, und zwar besondersbei lebhaften Naturen, mit der Willkür ernstlicher zu kämpfen haben und so lange, bisder Zögling sich gewöhnt hat, als ein wahrhaft Mündiger, selbst seinen natürlichen Ei-genwillen unter die Zucht des höheren göttlichen Gesetzes zu nehmen, welches im mensch-lichen Leben zur Herrschaft kommen soll. Die Willkür vergreift sich sowohl in der Wahlihrer Ziele als in der Wahl der Wege, auf welchen sie ihre Ziele verfolgt. Von derersten Verirrung wird der Zögling dadurch befreit, daß ihm der Begriff der Pflichtzu wirksamem Bewußtsein gebracht wird, damit er fernerhin nicht mehr thue, was erwill, sondern was er soll oder besser gesagt: damit er sich gewöhne, nur das zu wollen,was er soll. Aber was er will, das soll er auch auf die rechte Weise wollen. Esgiebt Kinder, welche den guten Willen haben, ihre Pflicht zu thun, aber nicht wissen,wie sie es anfangen sollen, sondern willkürlich von einem zum andern abspriugen unddadurch nichts zu Stande bringen. Hier kommt es darauf an, sie an jene Gewissen-haftigkeit, Ordnung und Ausdauer zu gewöhnen, welche, angewcndet auf die eigentlicheBerufsarbeit des Schülers, in ihrem Zusammenwirken den Begriff des Fleißes consti-tuiren. Pflichtgefühl also und Fleiß wären die Tugenden, zu welchen der Zögling ausdem Subjektivismus des Willens zu erheben ist, und in welchem ihm der Erzieher, derdieses Ziel erreichen will, mit gutem Beispiel vorangehen muß.
Wiederholt schon hat darauf aufmerksam gemacht werden müßen, wie dieser Erhe-bungsproceß aus der Selbstsucht des Subjektivismus zur Anerkennung des höheren Le-bensgesetzes menschlicher Gemeinschaft durch die objectiven Verhältnisse und diefesten Ordnungen des Schullebens wesentlich unterstützt wird. In derThat giebt sich in der Schule gerade in dieser Beziehung vieles von selbst, was der ein-zelne Erzieher dem einzelnen Zögling gegenüber, was auch die häusliche Erziehung, wennüberhaupt, doch nur mit unendlich viel größerer Schwierigkeit erreichen würde. Aberdie Schule kann doch auch nicht alles allein thun. Vielmehr muß der Schule als einezweite, auf die Subjektivität der Zöglinge einwirkende reale pädagogische Kraft vor allemdie Familie helfend zur Seite treten. Der ernste fromme Sinn, die unverbrüchlicheOrdnung, die gute Zucht und Sitte des elterlichen Hauses und die Liebe, mit welcherdie Hausgenossen einander unterstützen und vertragen, müßen das Kind von Anfang andaran gewöhnen, sich als Glied einer Gemeinschaft zu fühlen und dem höhcrn Gesetze»in Liebe, Zutrauen und Gehorsam" die Willkürlichkeiten seines Subjektivismus zu un-terwerfen. Und wie die Schule die Aufgabe hat, ihre Zöglinge zum Eintritte in diegrößeren Gemeinschaften der Kirche und des Staates vorzubcrciten; so muß auchin der Familie ein warmes und lebendiges Interesse für Religion und Kirche, für Volkund Vaterland wohnen und in dem Heranwachsenden Geschlechte gepflanzt und gepflegtwerden. Die kirchlichen und politischen Zustände unseres deutschen Vaterlandes mögen
Pädag. Encyklopädie. IX. 22