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Subjektivität.
lernen. Das beginnende Jünglingsalter, als die Zeit der sich bildenden Selbständigkeitdes Urtheils, ist, um rasch fertig zu werden mit Urtheil nnd Wort, besonders geneigt,anstatt, wie Schiller cs treffend ausgedrückt hat, die Gegenstände sich gegen sich herein,bewegen zu lassen, sich vielmehr vorurtheilcnd und absprechend gegen dieselben hinauszu bewegen; in dieser Zeit hat daher der Erzieher in besonderem Maße die Aufgabe,diese natürliche Neigung nicht durch die Einseitigkeit seiner eigenen subjektiven Vor-urtheile zu begünstigen, sondern sie durch umsichtige, besonnene und liebevoll eingehendeLeitung seiner Zöglinge in die rechte Bahn zu leiten, damit der wild gährende Mostzuletzt doch noch einen ordentlichen Wein gebe. — Das Gefühl ist diejenige Seelen-thätigkeit, in welcher die Subjektivität ihren unmittelbarsten Ausdruck findet. Gleich-wohl soll auch das Gefühl in seinem natürlichen Subjektivismus nicht verharren, sondernes soll aus dem Gefühl eines isolirten Subjektes erhoben werden zu dem Gefühl einesIndividuums, welches von dem Bewußtsein durchdrungen ist, daß cs ein Glied einesGanzen bildet, und darum mit leidet, wenn ein anderes Glied leidet und sich freuet,wenn ein andres herrlich gehalten wird, und welches Wohl und Wehe des Ganzen,welchem es angehört, lebendig mitfühlt. Zieht sich das Gefühl, wenn es von diesenForderungen berührt wird, in selbstsüchtiger Weichheit auf sich selbst zurück, so artet esin das aus, was wir in weiterem Sinne Sentimentalität genannt haben, bricht esgegen die gerechten Ansprüche anderer und der Gesammtheit, welche das Individuummit diesen verbindet, in selbstsüchtiger Rücksichtslosigkeit hervor, so artet es in Leiden-schaftlichkeit ans. Es wird wobl keinem Erzieher an Gelegenheit fehlen, mit diesenbeiden Ausartungen des Gefühlssubjektivismus Bekanntschaft zu machen. Weichere Naturenwerden sich aus der Gemeinschaft der Mitschüler, durch welche sie in ihrem subjektivenGefühlsleben sich genirt fühlen, zurückziehen; kräftigere werden diesen gegenüber ihrselbstsüchtiges Gelüste in leidenschaftlichen Ausbrüchen geltend machen. So weit nichtbei den einen, wie bei den andern, schon durch die auch in dieser Beziehung so heil-same Gemeinsamkeit des Schullebens allmählich das Bewußtsein geweckt wird, daß sienur zu ihrem eigenen Schaden in ihrer weichlichen Jsolirung, oder in ihrer rücksichts-losen Selbstsucht verharren, hat der Erzieher in dem einen, wie in dem andern Falledafür zu sorgen, daß ein lebendiges Gcmcingefühl den Kleinmuth und den Trotz desbloß subjektiven Gefühls verdränge. Er hat den Zöglingen an das Herz zu legen, daßwer Rücksicht von andern verlangt, auch geneigt sein muß, ihnen Rücksicht zu schenken,hat das natürliche Gesetz ihrer Selbstsucht unter das ethische Gesetz der Gemeinschaft zubeugen und mit der Kraft der Liebe, in welcher er selbst diesem Gesetze dient, cs ihnenaus einem äußern Gesetz in ein Gesetz ihres eigenen Willens zu verwandeln. Insbe-sondere wird es von guter Wirkung sein, wenn er de», welcher sich selbst durch seineVerzagtheit, oder seinen Trotz zu unerfreulicher Einsamkeit verdammt hat, mit freund-licher Gewalt in das fröhliche Spiel der Genossen zurückzieht und ihn nun darauf auf-merksam macht, wie viel wohlcr es ihm jetzt nm's Herz ist, und Wie ihm alles, waser von seinem selbstsüchtigen Wesen aufgegeben hat, vielfach ersetzt wird durch die Förderungund die Freude, welche ihm aus der frischen Theilnahme an dem Leben und an derFreude der andern erwächst. Einen rechten Erfolg aber werden solche Bemühungenvon Seiten des Erziehers freilich nur dann haben, wenn dieser selbst Begeisterung undLiebe für seinen Beruf genug hat, um unter den Beschwerden desselben vor Mismnthund wo ihm nicht alles gleich nach Wunsch geht, vor Ausbrüchen persönlicher Heftigkeitbewahrt zu bleiben, und wenn er seine Zöglinge in ihrem eigenthümlichen Wesen zuverstehen nnd sie diesem gemäß zu leiten sucht und dasjenige, Was in ihrer Individualitätder seinigen vielleicht weniger znsagt, darum nicht unterdrückt, sondern durch Hervor-hebung des ergänzenden Gegensatzes das rechte Gleichgewicht herstellt. — Am meistenunmittelbare Noth macht dem Erzieher der als Eigensinn und als Willkür sichäußernde Subjektivismus des Willens, weil dieser in höherem Grade, als der Subjektivis-mus des Denkens und des Gefühls, unmittelbar praktisch wird. Der Eigensinn ist