Subjektivität.
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fester Niederschlag sich ausscheidet, anerkennen werden, so daß künftighin der Sub-jectivismus in der Erziehung nicht mehr mit gleichem Rechte unter den deutschen Pä-dagog ismcn wird anfgezählt werden können, wie es noch in dem Artikel „Erziehungs-fehler" hat geschehen mäßen.
Gehen wir der Art und Weise nach, wie der Subjektivismus in den ein-zelnen Seelenthätigkeitcn sich äußert, so werden wir sagen können: er trittim Bereiche des Denkens als Vornrtheil, im Bereiche des Gefühls als Senti-mentalität und Leidenschaftlichkeit, im Bereiche des Willens als Eigensinnund Willkür hervor; und damit sind zugleich die Fehler bezeichnet, auf deren Be-seitigung der Erzieher sein Augenmerk zu richten hat und gegen welche er um so glück-licher kämpfen wird, je mehr er selbst als eine durchgebildcte Persönlichkeit seine subjek-tiven Neigungen zu den objectiven Verhältnissen, in welche er hineingestcllt ist, in dierichtige Beziehung gesetzt hat und so aus einem isolirten Subjcct zu einer von demGesetze des Ganzen, welchem er angehört, lebendig durchdrungenen Individualität ge-worden ist. — Das Vornrtheil ist eben was das Wort aussagt: ein Urtheil, welchesLas Subjcct fällt, bevor es von den objectiven Verhältnissen, um welche es sich handelt,sich eine gehörige Kenntnis verschafft hat. Die sich entwickelnde Erkenntnis des Kindes,Welches in der wirklichen Welt noch ein Fremdling ist, beginnt der Natur der Sachenach mit Vorurtheilcn. Diese aber beseitigen sich von selbst, je mehr es in den es um-gebenden objectiven Lebensverhältnissen sich orientirt, und je mehr namentlich in derSchule seine Vorurtheile an denjenigen seiner Mitschüler ihr natürliches Corrcctiv finden.Außer diesen natürlichen Vorurtheilcn bringt es aber auch anerzogcue aus dem elterlichenHause in die Schule schon mit. Es ist etwa die dort häufig vernommene Ansicht, eskomme alles darauf an, daß der Mensch „in der Welt einmal sein Glück mache," inihm zu einem Vorurtheil geworden. Oder es hat sich infolge einer dort herrschendenengen Auffassung religiöser und kirchlicher Dinge, oder einer freigeistischen Unterschätzungaller bestimmten, religiösen und kirchlichen Formen bei ihm die Ansicht festgesetzt, Laßdas eine oder das andere das allein Richtige sei. Vielleicht hat es auch von einen:elastisch gebildeten Vater dessen Geringschätzung der technischen Wissenschaften, oder voneinem industriellen dessen Verachtung der „unpraktischen" Beschäftigung mit todtenSprachen und dem Leben einer längst begrabenen Zeit mitbekommen. Es ist die Auf-gabe des Erziehers, alle diese und ähnliche Formen subjcctivistischen Vorurtheils zu be-seitigen. Das wird ihm aber nur dann gelingen, wenn er selbst in keiner derselben be-fangen ist, sondern, die relative Berechtigung eines jeden anerkennend, darnach trachtet,daß er durch ruhige Geltendmachung der etwa vcrnachläßigteu, aber nicht minder be-rechtigten Seite, das einseitige Vorurtheil in ein umsichtiges und besonnenes Urthcilverwandle. Andern Falles wird er das dem seinigen verwandte Vorurtheil nur be-stärken und groß ziehen, das dem seinigen entgegengesetzte aber, zumal bei energischerenund selbständigeren Charakteren, in größre Einseitigkeit und in Verhärtung in seinemGegensätze Hineintreiben. Ja, nach dem Gesetze der natürlichen Trägheit werden esviele Zöglinge bequemer finden, nur zu vernachlässigen, was der Lehrer in seinem ein-seitigen Subjektivismus gering schätzt, anstatt um das, was er empfiehlt, mit Eifer sichzu bemühen. Wer in seinem berechtigten Enthusiasmus für das elastische Alterthumnicht müde wird, auf eine unberechtigte Weise über die Leerheit der sogenannten eractenWissenschaften und über die Banausie der technischen Fächer herzuziehen; wer etwa nurin Goethe's Dichtungen wahre Poesie findet; wer in einem starren kirchlichen Positivis-mus sich auch gegen die billigsten Neformforderungen der veränderten Zcitvcrhältnisseverschließt: der hat cs sich selbst zuzuschreiben, wenn seine Schüler zwar in der Mathe-matik nichts lernen wollen, Wohl aber über Schiller trefflich absprechen und jedes Be-streben nach Annäherung der getrennten Confessionen, oder nach Befördernng einerlebendigeren Bethciligung der Gemeinde an ihren kirchlichen Angelegenheiten als dieAusgeburt eines unberechtigten, grundstürzenden, modernen Liberalismus denunciren