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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Subjektivität.

in abstrakter Leerheit und Sprödigkeit, als der reicheren Lebenserfahrung gerechterer Gei-ster aumaßlich und trutzig " sich gegenüberstellcn. So vereinigen sich die noch unfreieIndividualität und die noch leere Subjektivität, um diese Ucbcrgangsjahre in jeneFlegcljahre zu verwandeln, deren süße Jugendeselci dem Erzieher zuweilen nur denmephistophelischen Trost läßt:Doch sind wir auch mit diesen nicht gefährdet, In wenigJahren wird es anders sein; Wenn sich der Most auch ganz absurd geberdet, Es giebtzuletzt doch noch'nWein." Die Entwicklung des Erziehungswesens währendder letzten Jahrhunderte hat einen mit dieser Entwicklung des jugendlichen Altersin mancher Beziehung ähnlichen Verlauf genommen. Bis in die Mitte des vorigenJahrhunderts hinein hatte man erzogen, wie inan eristirte,als ob sich's von selbst soverstünde." Mau hatte sich von überlieferten Regeln und Gewohnheiten leiten lassen,welche nur hie und da durch bedeutende pädagogische Persönlichkeiten oder pädagogischeOriginale durchbrochen wurden, die zwar in ihrem nächsten Kreise anregend wirkten,aber nicht im Stande waren, den hergebrachten Schlendrian durch ein auf bestimmteinGrundsätze beruhendes und seiner Ziele und Wege sich bewußtes pädagogisches Wirkenmit einem neuen Geist und Leben zu durchdringen. Rousseau hat das Verdienst, wenig-stens mit Entschiedenheit gefordert zu haben, daß dieses geschehe. In der That aber, wieer selbst diese Forderung zu erfüllen suchte, trat er den pädagogischen Traditionen undGewohnheiten mit reinein pädagogischem Radicalismus entgegen. Er nahm gegen ihrenalles eigenthümliche Leben unterdrückenden Bann das Recht der Individualität desZöglings in Schutz. Aber anstatt dieses Recht darin zu finden, daß der Zögling alslebendiges Glied der Gesammtheit, welcher er angehört, ein eigcnthümliches Leben lebe,riß er denselben von der menschlichen Gesellschaft und die Pädagogik von den im Lebender Gesellschaft waltenden realen Factoren völlig los: statt des Rechtes der Indivi-dualität und der Subjektivität verfocht er das Unrecht eines abstrakten Subjektivismus,welcher für die individuelle Eigentümlichkeit, weil diese doch nur in den wechselseitig sichergänzenden Gliedern eines organischen Ganzen sich recht entfalten kann, kein Verständnishatte und so in eine das Recht des Individuums drückende mechanische Gleichmacherei,die er bekämpfte, auf einen: anderen Wege selbst zurückfiel. Es fehlt nicht an Anzeichendafür, daß die Pädagogik mit Rousseau und seinen Nachfolgern, sowohl in Bezug auf dieBehandlung der Zöglinge, als in Bezug auf die Fassung und Handhabung der pädagogischenGrundsätze in ihre Flegeljahre eingetretcn war: dort galt subjektive Willkür für indivi-duelle Eigentümlichkeit und Selbständigkeit, und hier trat man der Wirklichkeit mitabstrakten Forderungen feindlich gegenüber, anstatt sich auf sie einzulassen, um so wahreshöheres Lcbensgesctz zu entdecken, und dieses in dem Heranwachsenden Geschlecht zurHerrschaft zu bringen. Herder erkannte die Zeichen dieser Zeit, wenn er meinte, erwolle dem Basedow'schen Philanthropin keine Kälber, geschweige Kinder zur Erziehungübergeben. Pestalozzi aber, obwohl in Bezug auf Didaktik noch im Banne eines abs-trakten Formalismus befangen, hat dann durch Hervorhebung der pädagogischen Be-deutung des Mutterhauses auf die richtige Würdigung der realen Grundlagen derErziehung hinzuleiten angefangen. Weiterhin hat man in Deutschland in den Jahrender Vorbereitung und Ausführung des Befreiungskampfes das pädagogische Recht unddie erziehende Kraft der Volkstümlichkeit, des Staates und der Kirche wiederschätzen gelernt. Und wenn die wenig erfreulichen objektiven Zustände der nachfolgendenfünf Jahrzehnte subjektiven Velleitäten auch im Gebiete der Erziehung wieder einen ge-deihlichen Boden bereiteten; so ist jetzt, wo unser Volk aus der Zeit des Höffens undHarrens mit Gottes Hiilfe in die der Erfüllung eingetretcn ist, und ein jeder Deutschesich als Glied eines festverbnndenen nationalen Ganzen fühlt, auch zu erwarten, daßErzieher wie Zöglinge sich des unserer Zeit mit Recht zum Vorwurf gemachten Sub-jektivismus leichter entwöhnen und die in der Familie und in der Kirche waltendenrealen pädagogischen Mächte und den objektiven Bestand des thatsächlich Bewährten,welches aus der Bewegung des staatlichen und wissenschaftlichen Lebens als