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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Subjektivität.

Llldjectivltcit. Der Begriff der Subjektivität leitet uns unwillkürlich aufden der Individualität hin, ja es liegt nahe, beide Begriffe mit einander zu ver-wechseln, da sie in der That das miteinander gemein haben, daß sie beide auf dasRecht des einzelnen Menschen Hinweisen, als ein Glied des Ganzen, welchem er augehört,doch zugleich seine Eigcnthümlichkcit und Selbständigkeit ausznbilden und zu wahren,und zwar nicht bloß um seiner selbst, sondern auch um des Ganzen willen, weil diesemnur aus der Entwicklung der ihm angehörenden Glieder ein reich und kräftig bewegtesLeben erwachsen kann. Von diesem Gesichtspunkte aus böte die uns obliegende Be-trachtung der Subjektivität zunächst einen Anlaß, eine Nachlese zu dem zu halten, wasin dem nun gerade vor zehn Jahren geschriebenen Artikel über Individualität gesagtworden ist. Damals wurde Bedeutung und Recht der Individualität vorzugsweise inBezug auf den Zögling geltend gemacht. Es wäre seht darauf aufmerksam zu machen,daß auch die Individualität des Erziehers und Lehrers respectirt werden muß,wenn das pädagogische Wirken ein frisches und freudiges sein und zu einem ersprieß-lichen Erfolge führen soll. Es ist unwürdig, dem Lehrer durch den unentrinnbarenLeitfaden von^Lehrbüchern, wie sie Pestalozzi seinen Gehülsen in die Hände gab, oderLurch Vorschriften, welche jeden Schritt des Lehrganges bestimmen, die Möglichkeit zunehmen, seine eigenthümliche Weise und Begabung zur Geltung zu bringen. Auch fürdie Schüler ist es eben so unersprießlich, als unerfreulich, weil nur durch die freie undfrische Entfaltung cigcuthümlichen Lebens von Seiten des Erziehers auch die Eigeu-thümlichkeit der Zöglinge entbunden und entwickelt wird und sie so in den Stand gesetztWerden, ihre Arbeit mit Lust zu thun. Wo aber eine solche Beschränkung der freienBewegung des Lehrers als eine äußere Nothwendigkeit erscheinen sollte, da wäre dieseben ein Beweis, daß die Bildung des Lehrerstandes auf die zu einer wahrhaft förder-lichen Verwaltung seines Amtes erforderliche Stufe noch nicht erhoben ist. Wo mehrereLehrer berufen sind, an derselben Anstalt collegialisch zu wirken, da ist es die erstePflicht der Collegialität, daß einer die Eigentümlichkeit der andern achte undfördere, damit sie sich einander ergänzen und unterstützen, und so der volle Segen offenbarwerde, dessen ein solches Zusammenwirken fähig ist. Der Direktor eines Lehrerkolle-giums aber wird seiner Aufgabe am besten genügen, wenn er das zu leisten versteht,was Max Piccolomini dem Friedländcr nachrühmt:Jedwedem zieht er seine Krafthervor, die eigenthümliche und zieht sie groß, Läßt jeden ganz das bleiben, was erist, Er wacht nur drüber, Laß er's immer sei am rechten Ort." Auch einzelne Lehr-uud Erziehungsanstalten haben ihre Eigentümlichkeit, welche, durch einen dieerste Gründung bestimmenden und leitenden fruchtbaren Gedanken, durch die bedeutendePersönlichkeit eines Vorstehers, oder auch durch besondere örtliche Verhältnisse ihnenaufgedrückt, seither durch pietätsvolle Pflege und zum Heile der ihnen anvertrauten,durch eine solche Eigentümlichkeit zu innigerer Gemeinschaft und lebendigerem Wetteiferverbundenen Jugend ihnen erhalten worden ist. Eine weise Leitung des Schulwesenseines Landes wird dergleichen Anstalten gegenüber sich nicht durch den Eifer der bürcau-kratischcn Gleichmacherei fortreißen lassen, das Wort zu vergessen:Verdirb es nicht;es ist ein Segen darin!" Und wenn das deutsche Reich seine Centraloberschulbehördeerhalten sollte, so ist von derberechtigten Eigentümlichkeit der einzelnenStämme" hinlänglich geredet worden, um cs einer solchen Behörde als eine heiligePflicht zu empfehlen, Laß sie die ihr obliegende Erhaltung des Bandes der nationalenEinheit nicht in einer Vertilgung aller Stammescigcnthümlichkeit und in der Anwendung einerUniformirung auf alle deutsche Schulanstaltcn suche, wie diese in Frankreich stattgcfundeu undihre praktische Probe eben erst gründlich schlecht bestanden hat; sondern daß sie auch inder Erziehung der deutschen Jugend den Beruf des deutschen Volkes warnehme, seineEinheit nicht in der Einerlcihcit, sondern in dem harmonischen Zusammenklingen derMannigfaltigkeit eines reich entwickelten eigenthümlichen Lebens zu suchen. Doch ist csnicht nöthig, auf diese Punkte hier ausführlicher einzugehen, da sie sämmtlich in andern