Sturm.
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für sich schon übertrieben — ganz abgesehen davon, daß eben die Beschäftigung mit derSprachform nach der von Sturm angewandten und durchgebildetcn Methode auch einenrealen und jedenfalls einen sehr reellen Werth und Charakter hat. Dem Umstande, daßseine Methode in den süd- und norddeutschen Schulen anderthalb Jahrhunderte hin-durch geübt wurde, haben wir es zu danken, daß eine vielseitigere und harmonische Aus-bildung der studirendcn Jugend und die Einführung in den Geist der Autoren unddes elastischen AlterthumS die spätere Aufgabe der Gymnasien werden konnte. Mitgroßer Gelehrsamkeit, unermüdlicher Thätigkeit und einer auf gründlicher Ueberzcugungruhenden Festigkeit des Willens verband Sturm auch vielseitige Bildung, Weltkenntnisund lebhaftes Interesse für die großen Fragen seiner Zeit. Das Leben selbst verlorer bei seiner Schulreform nie aus dem Auge, die höheren Interessen desselben, desöffentlichen und des socialen zu fördern, durch Verbesserung der Sitten, durch Ver-edlung des Geschmacks die Menschen glücklicher zu machen, war der bewußte und vonihm ausgesprochene (äo lit. lucl. I). Zweck seiner Reform und seiner, dem Unterrichteund der Erziehung zum Ziele gesteckten pistas litorata. Die uneigennützige Hingabean die Sache des Fortschrittes und des Glaubens erklärt uns, wie Schmidt (In vis. otc.S. 313) treffend bemerkt, den mächtigen Einfluß, welchen dieser Mann als Pädagogauf sein Jahrhundert geübt, besser noch als seine Rhetorik. Man hat auch ihm undgewiß mit Recht den Ehrentitel eines prasceptor communis Eormuniao bcigelcgt. VorMclanchthon hat er sogar die 43jährige unmittelbare Wirksamkeit als Lehrer undRector einer der besuchtesten Schulen Deutschlands voraus. Wenn Trotzendorf, derim wesentlichen mit Sturm dasselbe Gymnasialziel verfolgte, als Originalgenie und ge-borner Erzieher höher steht, das Herrschcrtalent der beiden Männer, wie verschieden sichdasselbe in den angewandten Mitteln und in mehr oder weniger originellen Formenkundgebcn mag, erzielte wenigstens gleich große Erfolge, und Sturm's organisatorischesTalent müßen wir schon um deswillen höher stellen, weil seine Schöpfungen nicht andie Persönlichkeit eines Individuums dermaßen gebunden waren, daß sie nur mit dem-selben stehen und fallen konnten. Die Goldberger Schule gerieth, nicht allein wegender Ungunst der Zeiten, nach dem Tode ihres Gründers in Verfall: Sturm's Gymnasiumlebt nicht nur in vielen anderen fort, sondern rühmt sich auch selbst noch bis auf denheutigen Tag seiner Gründung durch den größten Schulmann seines Jahrhunderts.Wie geschickt Sturm seine Lehrer zu behandeln verstand, davon geben die an dieselbengerichteten Briefe ein sprechendes Zeugnis, während sein geistvoller Zeitgenosse Wolfin Augsburg, der ihn als Philologe übertrifft und in seinen Aeußcrungrn über die Be-handlung der classischen Sprachen in den Oberclasscn unserer Zeit um vieles näher steht,ein Rectorat nur unter der Bedingung behielt, daß ihm die Aufsicht über die Lehrerabgenommcn werde und er selbst nur die ausgezeichneten Schüler zu unterrichten habe(Raumer I. S. 251). Glücklicher war hierin der „treue Arbeiter" Neander, der dieJlfeldcr Schule 45 Jahre hindurch als alleiniger Lehrer und Rector mit ausgezeichnetemErfolg versehen konnte (s. den Art. Neander S. 189), so daß allerdings weder Sturmnoch ein andrer der von Raumer a. a. O. zusammengcstellten großen Schulmänner indieser Hinsicht die Vergleichung mit ihm aushält. Wie verschieden übrigens die äußerenund localen Verhältnisse waren, unter denen diese Männer lebten und wirkten, wie un-ähnlich ihre eigenen Naturen — in völliger Uebereinstimmung finden wir sie in ihrerbegeisterten Verehrung für die classischen Sprachen und deren mehr oder minder exclusivenEinführung in das Gymnasium, in der aufopfernden Hingabe an den Beruf des Schul-mannes, einer mit Wohlwollen gepaarten strengen Disciplin und der von ihnen überalles gestellten piotas. Dr. Bosilcr.
Subitll s. Komposition.
Subjektivismus s. Erziehung, falsche Richtungen, Subjectivität.