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9 (1873) Spanien - Vives
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Sturm.

(I-ibsr scsä. Ud. U p. V). Von einer deutschen Lection konnte aber vor dem Er-wachen einer deutschen Nationalliteratur im Untcrrichtsplanc der Gymnasien kaum dieRede sein.

Für eine planmäßige Religionslehre, die man zwar an den Schulen der Re-formationszeit überhaupt, bei Sturm aber um so mehr vermissen könnte, als er geradepietss Iltorsts für das Ziel der Studien erklärt, bot die innige Verbindung und Durch-dringung des ganzen Lebens der damaligen Schule mit dem der Kirche und mit demfrischen Glaubensleben der Zeit reichen Ersatz. Wie anderwärts, so wurde auch inSturm'S Schule der Katechismus auswendig gelernt und erläutert, in der unterstenClasse jedoch nur der deutsche, später auch der lateinische: denn Sturm ließ nicht zu, daßder letztere, nach damaliger Sitte, schon beim Lesenlernen und ohne Verständnis desWortes benutzt und cingcübt werde. Ebenso hielt er eS mit den geistlichen Gesängen,Psalmodieen und den zweimal des Tages stattfindenden Vorlesungen aus der heiligenSchrift, wobei eine Auswahl aus der Genesis und den Büchern der Könige und dievier Evangelien zu Grunde gelegt wurde: dem betreffenden Schüler, welcher die Vor-lesung zu halten hatte, war eine gründliche Vorbereitung für dieselbe auferlcgt (s. äsllt. luä. XXVIII und 6pp. dass. S. 705 f. bei Vormbaum). Die Sonntage undeinige Stunden des letzten Wochentags waren der ssors lodio, der Lectüre und schlichtenErklärung der apostolischen Briefe gewidmet. Von den Schülern der beiden oberstenElasten ließ Sturm sogar den Brief an die Römer lesen und auswendig lernen, so daßjederzeit auf Befragen eine Stelle aus demselben aufgcsagt werden konnte. Vgl. denArt. d. Enc.Religionsunterricht an höh. Schulen" S. 35 f.

Dem gesunden und praktischen Blicke des Pädagogen Sturm konnte auch der Werthund die Wichtigkeit der gymnastischen Hebungen für die Bildung des Körpersund der Seele nicht entgehen. Er hat als einer der ersten diese Hebungen in seinerSchule eingeführt und denselben ein lebhaftes Interesse gewidmet: auch hierin sollte dierömische Jugend seinen Schülern Vorbild sein. Der letzte Abschnitt der opp. dass,handelt cio luäis ot snimorum reorostiono und erlaubt unter den nöthigen Vorsichts-maßregeln das Fechten, Schwimmen, Jagen, Fischen, empfiehlt aber auch das Schießenund Werfen nach dem Ziel, das Laufen und Springen, das Schlagen eines Lagers, dieAufstellung und Führung eines Heeres versteht sich mit den Unterabtheilungen derrömischen Legion u. s. w. Bei Spaziergängen im Freien wird das Botanisiren undals eine zugleich nützliche und anständige Erholung zu Haus das Entwerfen von Plänenzu Gebäuden, Gärten, Villen anempfohlen.

Die Lehrer des Gesanges, verlangt Sturm, sollen es jedenfalls dahin bringen,daß die Schüler in der Kirche und in der Schule die Psalmen kunstgerecht nichtsondern singen; in den beiden obersten Elasten könne jedoch auch

einiges aus der Theorie zum Verständnis gebracht werden, das Wieviel bleibe hierbeidein Urtheil des einsichtsvollen Lehrers überlassen.8i vox ost, osuts: si mollls brsdüs,sslts." Luits,, si llsbos, ot esnts si potos, sock srtilldoso, ssä llonosto, sack ut äis-dxliuso nostrso prosit, non nooost, ut nilnl rdissioni (Meist. Lxp. dass. II. 10.

Nehmen wir alles in allem: als Methodiker und Pädagog hat Johann Sturm dieineisten seiner Zeitgenossen weit überflügelt, nur wenige der hervorragendsten Schul-männer aus dem 16. Jahrhundert lassen die Vergleichung mit ihm zu, und auch diesedürfte weit mehr zu seinen Gunsten ausfallen, als es in Raumer's Zusammenstellung(I. S. 307 ff.) der Fall zu sein scheint. Denn die Frage, warum der Mann, welcherin so vielem seiner Zeit voraus gegriffen, nicht auch den neuen Sprachen und den sog.Realien den ihnen gebührenden Platz in seiner Schule eingeräumt hat, ist unS gleich-bedeutend mit der Frage: warum hat Sturm nicht im Widerspruche mit seiner Zeit ge-lehrt, was weder bei dem damaligen Stande der betreffenden Wissenschaften für dieSchule noch bei den im Volke vorherrschenden Beschäftigungen für das Leben zu brauchenwar? Die Behauptung, daß sein Unterricht bloßer Formalismus gewesen, ist an und