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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Sturm.

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der Urteilskraft, der Selbstthätigkeit abgicbt. Wären Zweck und Ziel des Latcin-schreibcns auf unseren Gymnasien nicht andere geworden, so würde sich die Sturm'schcJmitationstheorie noch heutigen Tages bewähren.

Als leitendes Princip bei der Wahl und Interpretation der Autoren galtwiederum die Rücksicht auf römische Eloquenz ein allerdings einseitiges Verfahren,das übrigens die Wahl und Zahl der zu lesenden Werke weit weniger beeinträchtigt hat,als man glauben könnte. Gelesen wurden außer Cicero namentlich noch Cäsar, Sallust,Vergil, Horaz, Tibull, Tercnz, Plautus und die Griechen Aesop, Homer, Pindar, Euri-pides, Thukydides, Platon, Aristoteles, Hcrmogenes, Demosthenes, Aeschincs, Lukian, sodaß wir von den jetzt in den Kreis der Schule aufgcnommenen Autoren außer Livius(Tacitus ist der Akademie Vorbehalten, äs lit. luä. XXX) nur einige Griechen ungernvermissen. In der Erklärung der Autoren erhob sich Sturm entschieden über seine Zeit-genossen eben dadurch, daß er außer dem grammatischen Element das stilistische undrratorische hauptsächlich betonte (vgl. Lombart's Vorr. zu 8t. eoinmsntarii in die. Inso. I.1575). Von einem tieferen Eingehen in das antike geistige Leben, von der Erfassungdes individuellen Charakters und seiner cultur- und literarhistorischen Stellung warfreilich auch bei Sturm noch nicht die Rede.

Dagegen wurden die im ganzen noch dürftigen Rcalkenntnisse in Geographie,Geschichte, Naturkunde, Astronomie, Arithmetik, Geometrie aus der Lectüre einigerAutoren des classtschen Altcrthums entnommen. Erst in den obersten Elasten hat Sturmder Arithmetik, Geometrie (Euklid), Geographie (Mcla), Kosmographic (Proklos) undden Elementen der Astronomie ein bescheidenes Plätzchen eingeräumt, damit den zu diesenStudien befähigten Köpfen eine Anregung zu Theil werde (äs lit. luä. XXVII). DasFachstudium dieser Disciplinen wird auf die Akademie verwiesen (neaä. spp. 2. 3.).Eine solche Einseitigkeit des Unterrichtes und Vernachläßigung der Realkenntnisse kannfreilich vom heutigen Standpunet aus betrachtet durch keine auch noch so intensive Be-handlung der classischen Sprachen compensirt werden; wohl aber läßt der damals niedrigeStand und die eben deshalb auch geringe Brauchbarkeit dieser Wissenschaften als Unter-richts- und Bildungsmittel den Wegfall in den Untcrrichtsplänen jener Zeit begreiflichfinden. Man vergleiche nur die noch erhaltenen Schulbücher des fleißigen Neander, deseinzigen, der den Realien in seiner Schule schon eine bedeutendere Stelle cinräumte(s. die Artikel Geschichte der Päd. S. 772 und Neander S. 197).

Tie Uebung in der deutschen Sprache beschränkte sich auf die zahlreichen Ucber-setzungen aus dem Latciuischen und Griechischen. Bisweilen wurden anch mündliche Vor-träge ciceronischer Reden in deutscher Uebersetzung veranstaltet. Bei Strobel (S. 121)finden wir zwar in der VII. Elaste xrsmisrs sxsroioes äs stzäs sn Iuu§us ulleirmnäsund in der VI. Elaste uns oompositiou allemuuäs pur ssmaius: ein theoretischer odersystematischer Unterricht in der Muttersprache konnte aber in Sturm's Schule so wenigEingang finden, als in irgend einer andern Gelehrten- und Lateinschule jener Zeit. Umnicht zu wiederholen, was bereits in früheren Artikeln dieser Encyklopädic besprochen ist,verweisen wir auf einige der betr. Stellen, wie Bd. III. S. 610 s. Bd. IV. S. 165.Bd. V. S. 772. Wenn es nun weder einem der Reformatoren, Luther an der Spitze,noch irgend einem anderen Schulnianne jener Zeit in den Sinn kam, die Denkmälerder deutschen Literatur in ihrem damaligen Zustand als einen fruchtbaren Bildungsstofffür die Schule anzuerkennen oder die eben in neuer Entwicklung und Verbreitung be-griffene hochdeutsche Schriftsprache als formales Unterrichtsmittel zu empfehlen, so istauch die Behauptung unwahrSturm habe das Deutsche aus der Schule verdrängt,"in die es noch gar nicht eingeführt war. Ebenso ungegründct und ungerecht ist der ihmwiederholt gemachte Vorwurf der Geringschätzung der Muttersprache oder der Unkenntnismoderner Literatur. Er selbst spricht mit Bewunderung von den oratorischen undpoetischen Leistungen der Italiener, der Franzosen und besonders der Deutschen; dieluther'sche Bibelübersetzung hat niemand bester gewürdigt und schöner gelobt als er