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Sturm.
dem Verfall geschmackvoller Darstellung die alte Barbarei wiedcrkehrcn und glaubte mitgutem Grunde derselben nicht besser wehren zu können als durch Zurückführung desStils auf die Norm und die Anctorität Ciccro's." — Eine regelrechte, methodischeimitativ schien ihm aber der sicherste Weg für die Mehrzahl seiner Schüler, um zurEloquenz und zur Eleganz des ciceronianischen Stils zu gelangen. Er selbst erklärtwiederholt das Latcinschreiben, wie er es verlange, für eine schwere Aufgabe, die demjugendlichen Alter Wohl verleidet werden könnte und deshalb thnnlichst erleichtert werdenmüße, durch Kürze der Aufgaben, langsamen und stufenweise» Fortschritt, durch engenAnschluß an die Lectüre u. dgl. mehr. Er verlangt gleich vom Anfänger Ähnlichkeitmit Cicero's Ausdruck und fügt dann, auf den Standpunct des Knaben eingehend, hinzu,diese Ähnlichkeit dürfe aber nicht in die Augen fallen, sondern müße versteckt werden(äissimulamlam vsse), was durch drei Mittel geschehe, nämlich — wie die siuvuckatiodes Quintilian — durch Aendcrn, Zusetzen und Weglassen, je nachdem es die eigenevorliegende Aufgabe verlange. Ickdvr eiass. v. II. sqq.). Solche Aeußcrungcn Sturm'skönnen zwar auf das Lob einer geistreichen Fassung keinen Anspruch machen, aber aufdie Fassungskraft der Knaben sind sie Loch wohlberechnet und dabei grundehrlich, wieaus den von ihm selbst hinzugefügten Erläuterungen (a. a. O. „turtum vst si tumnesse äieas quoä tlievrouis vst") ersichtlich ist; und Raumer (I S. 301) geht offenbarzu weit, wenn er unter Bezugnahme auf solche Aussprüche und Lehren die Sturm'scheimitativ schlechthin verwirft und eine Theorie der Dohlcnstreiche nennt. Welche hoheAnforderungen stellt nicht Sturm in Hinsicht auf imitativ an die Schule und alsLatinist an sich selbst in seiner Schrift clv imitationv I. 2 ff., wo er u. a. sagt: „nichtbuchstäblich und sklavisch sei die Nachahmung, sondern eine edle Nacheiferung, ein Ringenum Aneignung derselben Vorzüge, die wir an unserem Vorbilde bewundern und die wirwomöglich noch übertreffen sollen. Eine solche Nachahmung ist selbst dem Genius vonNutzen, wenn er nicht in den Grenzen seiner Natur stehen bleiben will." Vergleichenwir damit die vorurteilsfreien Urtheile über Erasmus, Sadolet, Bcmbus, Longoliusu. a. als Latinisten nebst den treffenden Bemerkungen über die Extreme sklavischer Nach-ahmung und llngebundenheit (in der I'ravkatio zu Cicero's Reden vol. I), über Wort-und Sachkenntnisse (in der I'ravk. zu Cie. Reden vol. III), seine Commcntare zu Her-mogenes und Cicero's rhetorischen Schriften und seine oft wiederholten kartitionvsckialvetioav, so werden wir zugebcn müßen, daß cs diesem Manne bei seiner Jmitations-theorie um etwas anderes und mehr zu thun war als um die Composition ciceronianischerPhrasen und Reminiscenzen. „Jede Methode (Seyffert ein Vorwort zur ikal. vio.) mußauf der Stufe, wo sie gehandhabt wird, Gymnastik des Geistes sein." Wie groß nunaber auch der Unterschied sein mag, je nachdem die imitativ von fähigen oder von geist-losen Köpfen geübt wird, mag dieselbe nach den verschiedenen Altersstufen eine noch soverschiedene sein, so ist doch nicht zu leugnen, daß gerade in den Sturm'schen An-forderungen, wonach der Lernende nur den besten Wortschatz und zwar aus Cicero durcheigene, anfangs ziemlich mechanische Thätigkeit sich aneigncn und mit Beobachtung dergrammatischen und stilistischen Gesetze in schriftlicher und mündlicher Darstellung ver-wenden darf, jedenfalls eine vielseitige Palästra geistiger Kräfte geboten ist und daßgerade in der Beschränkung auf Cicero eine schärfere Zucht der sich entfaltenden Thätigkeitliegt, als in der von manchen verlangten Nachsicht, bei der überdies auch der Begriffdes Elastischen dem Schüler gar nicht zum Bewußtsein kommen kann. Alle Humanistendes 16. Jahrhunderts — Erasmus und Ramus nicht ausgenommen — haben als dasbeste Mittel zur Stilbildung empfohlen „imitatiouem st vxsrvitationvm" (Melanchthonim Oorx. Rsk. III. x. 581). Die viel geschmähte imitativ Sturm's unterscheidet sichvon andern nur dadurch, daß sie methodisch bis in alle Einzelheiten und für jede Alters-stufe vom 7. bis zum 16. Jahre mit der strengsten Consequenz und mit Angabe alleräußeren, zum Theil auch mechanischen Hülfsmittel durchgeführt erscheint und, wenngleichdes Misbrauches fähig, doch richtig gehandhabt eine vortreffliche Schule des Verstandes,