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Sturm.
daß er das Studium der elastischen Sprachen nicht vorzugsweise zum Dienste der Kirchesondern um ihrer selbst willen geübt wissen wollte; er stellte auch nicht, wie damalsüblich, den kirchlichen Gesichtspunct bei Gründung seiner Schule durch Empfehlung der-selben als einer Hauptstütze des evangelischen Glaubens oben an (vgl. den Art. Ge-lehrtenschulw. S. 638): aber christliche Frömmigkeit und Religiosität waren und bliebenihm doch stets das höchste Ziel auch für seine Gelehrtenschulc; Erziehung und Unter-richt zu einem veredelten Leben und Wirken war ihm die unzertrennliche Aufgabe der-selben. Mögen auch solche Grundsätze als das Eigenthnm deutscher Gelehrten über-haupt und als solcher den italienischen Humanisten gegenüber erscheinen, so hat dochSturm das Verdienst, dieselben mit großer Bestimmtheit und Klarheit erkannt, mit einerBeredsamkeit, wie kein anderer Schulmann seiner Zeit, in seinen schulorganisatoriscbcnSchriften entwickelt und, soweit sein Einfluß reichte, durch Wort und That verbreitet zuhaben. Ein gründliches, ja mühevolles Lernen schien ihm aber ganz besonders geeignet,übcrzeugungstreue und charakterfeste Männer zu bilden, wie sie das Jahrhundert unddie großartige Bewegung desselben bedurfte „uä rotinonänin roli§ion6in, uä rosistouäuwIroirrin11)U8 inulis, aä omnta ou, «puuo nooossuriu sunt oeolssina 6t ntiltu mortalrlms"(Ltnrinü 6t Z^mnusii rLi'ASnt. Inotns 1542).
Mit derselben Sicherheit, wie ihm sein Bildungsidcal und in Uebcreinstimmung mitdiesem das höchste Ziel seines Gymnasiums, sowie die nächste unmittelbare Aufgabe,nämlich das snporo 6t knri, klar und fest vor Augen stand, wählte er die zeit- undsachgemäßen Mittel, sowohl in Hinsicht auf Erziehung und Schulordnung als auf denLehrgegcnstand und die Methode des Unterrichts. Hierbei ist aber für Sturm's Schul-nichts charakteristischer, als die von ihm in Deutschland zuerst durchgeführte scharfe Ab-grenzung der Lehrpensa und ihre Verkeilung ans zehn Altersstufen unddie entsprechenden JahreScurse. So geläufig uns das von der Natur selbst ge-zeigte Princip eines in JahrcScursen fortschreitenden Unterrichts heutzutage sein mag,vor Sturm herrschte in Straßburg und auf der großen Mehrzahl gleichzeitiger Schulen(mit Ausnahme der der Hieronymianer) in dieser Hinsicht ein wahrhaft charakteristischerZustand; es fehlte dem Unterrichte durchaus an der gehörigen Abstufung oder man be-gnügte sich mit drei mehrjährigen Elasten ohne scharfe Begrenzung der Lehrpensa u. s. w.(vgl. den Art. Gelehrtenschulwesen S. 639 ff.) An Sturm's Schule konnten bei derPromotion gleiche Anforderungen an alle Schüler einer Elaste gemacht werden: so festund zweckmäßig war alles geordnet, so verständig dem Lebensalter angepaßt und ver-theilt. Von einer Compcnsation geringerer Leistungen in einem Fache durch Auszeich-nung in anderen war ohnehin noch nicht die Rede; maßgebend waren nur die beidenalten Sprachen, Lateinisch und Griechisch; in keiner Elaste waren mehr als drei bisvier Hauptlectionen angesetzt, deren Ziele von jedem nicht gerade unfähigen Schüler er-reicht werden mußten. Sturm duldete die Oberflächlichkeit eines verwirrenden Vielerleiso wenig als das allzu lange, den Schüler ermüdende Verweilen bei einem und dem-selben Gegenstände. Der Regeln sollten möglichst wenige sein, desto zahlreicher die Bei-spiele und Hebungen. Die Lehr- und Lesebücher wurden nach diesen Grundsätzen ausder Zahl der vorhandenen gewählt und in verbesserter Gestalt herausgegeben, großen-theils jedoch von Sturm selbst während seiner Lehrerthätigkeit neu verfaßt. Wie in denElcmentarclassen Wort- und Sachkenntnis aufs engste verbunden war, so wurde auf denfolgenden Stufen alles Auswendiglernen durch das eingehendste Verständnis des zuLernenden nach Form und Inhalt vorbereitet, erleichtert und nutzbar gemacht. Die Lern-lust und Aufmerksamkeit förderte und fesselte Sturm durch treffende Auswahl des Zweck-mäßigen und Nützlichen, insbesondere aber durch die mit consequenter Strenge durchgc-führte Anknüpfung neuer Vorstellungen an die schon in der Seele vorhandenen. Durchdie vom Lehrer controlirten Diarien waren die Schüler zur Aufmerksamkeit in den Lehr-stunden gcnöthigt, gewöhnten sich früh an Ordnung, hatten einen Anhalt für Privatfleißund Wiederholungen und wurden sich des Erlernten bewußt. Aehnlichen Dienst leisteten,